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Neuland

28.11.2018

Stadt handelt sich auf Facebook Schelte ein

Eine Nachricht auf der offiziellen Seite der Stadt Königsbrunn erntet jede Menge Widerspruch. Es scheint, als mache die Kommune Werbung für einen neu angesiedelten Unternehmer. Eine Erklärung kommt erst spät

Die Facebook-Seite der Stadt Königsbrunn ist normalerweise keine allzu heiß diskutierte Angelegenheit. Viele Likes gibt es für zwei ausgezeichnete Königsbrunner Lebensretter, ansonsten geht es in den Kommentaren eher ruhig zu. Das hat sich am Montagabend und Dienstagmorgen gründlich geändert. Ab diesem Zeitpunkt machte die Stadt auf ihrem offiziellen Auftritt Werbung für einen neu angesiedelten Versicherungsmakler.

Unter der Überschrift „Assekuranz Stüver – einer der objektiv und unabhängig ist“ finden sich in sechs Absätzen Beschreibungen des Serviceangebots der Firma, die auch in jeder Werbeanzeige stehen könnten: „Der ist weder an eine Versicherung noch an eine Bank gebunden. Nur so kann eine gute Beratung ohne Interessenskonflikt funktionieren“, heißt es zum Beispiel. Die einzige Begründung für den Post ist, dass sich der Betreiber im November in Königsbrunn niedergelassen hat. Als Autor des Posts hat sich Wolfgang Staible am Ende der Nachricht verewigt, der Social-Media-Manager der Stadt.

Die Reaktionen bei Facebook fallen entsprechend ungehalten aus: „Das ist echt unverschämt und eine Frechheit gegenüber allen Gewerbetreibenden, vor allem denen, die in dieser Branche auch gute Arbeit für unsere Bürger leisten“, schreibt Nutzer Andy Jung. „Ich kenne auch noch andere gute und unabhängige Versicherungsmakler in Königsbrunn  … Bekommen die jetzt auch einen „Bericht“?“, fragt Angelika Koch. Und wieder andere nehmen es mit Galgenhumor: „Gott, ist das peinlich. Manuel Ried, mal wieder Lust auf Königsbrunner Schildbürgerlichkeiten?“, schreibt Janko Kral’. Die Antwort von Manuel Ried: „Immer! Ich liebe es, über Königsbrunn zu lesen  … während ich in Augsburg sitz.“

Der Wirtschaftsreferent der Stadt, Peter Lösch von der SPD, war ebenfalls fassungslos, als er am Montagabend auf sein Smartphone blickte: „Ich kam von einem Termin aus Nürnberg zurück und dachte sofort: Das geht gar nicht.“ Er verstehe nicht, wie man dazu komme, über einen Auserwählten so ein Posting zu veröffentlichen. Damit öffne man Tür und Tor für alle anderen Gewerbetreibenden, die nun ebenfalls so ein Posting verlangen können: „Da haben wir ja schon genug Stadträte, die eine Firma haben und nach Unterstützung fragen könnten.“ Lösch kündigte an, das Thema in der Stadtratssitzung am Dienstagabend vorzubringen.

Es ist nicht der erste Post auf dem städtischen Facebook-Auftritt, der die Gemüter derart erregt. Im Sommer hatte Wolfgang Staible über eine gut besuchte Tanzveranstaltung im Guldenschmaus berichtet und dabei einen wenig charmanten Seitenhieb auf das Königsfestival untergebracht. Auf der städtischen Facebook-Seite war zu lesen: „An der Bevölkerung liegt es also nicht, wenn Veranstaltungen nicht gut besucht sind!“ Das Festival war in Sachen Besucherzahl deutlich hinter den Erwartungen der Veranstalter zurückgeblieben. Dieser Satz wurde nach einigen wütenden Kommentaren gelöscht.

22 Stunden nach dem ursprünglichen Post veröffentlichte die Stadt auf ihrer Homepage eine Erklärung für den ursprünglichen Post. Ziel sei, eine Information über neue Angebote und langjährige Unternehmenstätigkeiten zu bieten. „Die Stadt Königsbrunn freut sich über alle Unternehmen, die sich für Königsbrunn als Standort entscheiden“, heißt es weiter. Man biete den Firmen eine Achtel-Seite als Anzeige im Mitteilungsblatt und eine einmalige Veröffentlichung auf Facebook. In diesem Fall sei die Darstellung jedoch werblich gehalten.

Man habe aber bewusst darauf verzichtet, den Post zu löschen, sagte Anke Maresch, die seit drei Monaten bei der Stadt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist: „Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir einen Fehler verstecken wollen.“ Allerdings werde die Nachricht baldmöglichst überarbeitet. Dies war am Dienstag noch nicht möglich, weil Maresch untertags mehrere Stunden in Gesprächen mit zwei Beratern war. Dabei ging es unter anderem um die künftige Darstellung der Kommune in den sozialen Medien.

Die Stadt will weiterhin Unternehmen, die sich neu ansiedeln oder Jubiläen feiern, eine Plattform bieten. Das habe man in der Vergangenheit auch schon getan – allerdings in einem weniger werblichen Ton. Das Angebot sei als Information für die Stadtgesellschaft gedacht, was es in Königsbrunn so gibt, sagte Bürgermeister Franz Feigl. Der fragliche Post sei aber nicht abgesprochen gewesen: „Das wird personalorganisatorische Konsequenzen haben.“ Man werde künftig auch klarer kommunizieren, welche Möglichkeiten Firmen haben, sich darzustellen, sagte Maresch.

Das scheint zumindest gewünscht zu sein. Facebook-Nutzer Andy Jung schrieb, dass es sehr schön wäre, wenn alle Gewerbetreibenden über solche Maßnahmen informiert würden: „Mir war weder die kostenlose 1/8-Seite noch die FB-Werbung bekannt.“

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