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21.07.2010

Statt Zeugnissen liest er jetzt Bücher über Geschichte

Auf Wiedersehen! Rudolf Kreuzer, Rektor der Grundschule Untermeitingen, geht in Pension. Foto: Marion Pronesti
Bild: Marion Pronesti

Untermeitingen "Nichts ist schwerer, als gar nichts zu machen", sagte einst der amerikanische Schauspieler Walter Matthau. Nichts machen - davon ist Rudolf Kreuzer auch in Zukunft weit entfernt.

Der Rektor der Grundschule Untermeitingen verabschiedet sich in wenigen Tagen von seinen Kollegen, den Schülern und seinen beruflichen Wegbegleitern. Mit 62 Jahren geht er in Altersteilzeit. "Ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden", sagt er. "Die Vorfreude überwiegt im Moment ganz klar." Aber auch ein bisschen Wehmut werde sich irgendwann wohl einstellen, da ist sich Kreuzer sicher. Schließlich war der gebürtige Schwabmünchner seit 18 Jahren an der Grundschule in Untermeitingen tätig, zunächst vier Jahre als Konrektor, seit 1996 hat er die Einrichtung als Rektor geleitet. Dass der Sohn einer Wirtsfamilie Lehrer werden will und nicht die elterliche Gastwirtschaft übernehmen möchte, wusste er früh. Nach dem Abitur 1969 folgte deshalb auch die Lehrerausbildung in Augsburg. Bis zu seinem Wechsel nach Untermeitingen unterrichtete er an der Gesamtschule Schwabmünchen.

Rudolf Kreuzer ist Lehrer aus Leidenschaft. "Es hat mir einfach immer Spaß gemacht, jungen Leuten etwas zu vermitteln", schwärmt er. "Ich meine nicht nur Bildung im klassischen Sinn, sondern auch soziale Kompetenz und Verantwortung." Er habe es als Pädagoge immer als oberstes Gebot angesehen, die Persönlichkeit eines Kindes zu akzeptieren. Und zu versuchen, diese nicht zu verbiegen, sondern vorsichtig in die richtige Richtung zu lenken. "Dazu gehört es, dass man einen jungen Menschen befähigt, sich kritisch mit Problemen auseinanderzusetzen, diese im Miteinander zu lösen und auch Einsicht zu wecken."

Was ist das Resümee des Lehrers Kreuzer der vergangenen Jahrzehnte? "Es wird in letzter Zeit immer viel über die Kinder und Jugendlichen geschimpft. Ich muss aber feststellen, dass der Großteil der jungen Menschen nach wie vor ganz toll ist", erzählt der Rektor. "Kinder können sich auch heutzutage wahnsinnig begeistern und engagieren, wenn man ihnen nur die Zeit und den Raum dazu lässt."

Statt Zeugnissen liest er jetzt Bücher über Geschichte

Zeit. Die wird der Vater eines Sohnes und einer Tochter, seine zweite Tochter Angela verstarb vor sechs Jahren, ab jetzt haben. Besonders seine Frau Adelinde und die Enkel Noah und Jonas wird das freuen. Die beiden Kinder von Kreuzers Tochter Anja, selbst auch Lehrerin an der Realschule Schwabmünchen, kommen unter der Woche täglich zu den Großeltern. Außerdem gebe es einiges am Haus zu renovieren, auch der Garten sei auf Vordermann zu bringen. Und dann ist da noch die Hoffnung, endlich mehr Zeit für Hobbys zu haben.

"Sportlich möchte ich wieder mehr machen, Radfahren und Wandern vor allem. Ich habe vor Kurzem auch das Walking für mich entdeckt." Und während er momentan noch vorwiegend Zeugnisse liest, werden das künftig wohl wieder mehr geschichtliche Bücher sein. Das Klavierspielen habe er in den vergangenen Jahren ebenfalls stark vernachlässigt, und auch das Wohnmobil soll künftig öfter im Einsatz sein. Einen großen Wunsch wird sich der Norwegen-Fan nächstes Jahr verwirklichen: "Ich möchte zur Zeit der Mitternachtssonne auf die Lofoten. Das stelle ich mir faszinierend vor." Angst, im Ruhestand in das berühmte Loch zu fallen, befürchte er ganz gewiss nicht: "Ich habe meine Familie und so viele Interessen, ich freue mich jetzt darauf, endlich mehr Zeit zu haben."

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