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Königsbrunn

18.06.2020

Straßenbahn: Die Linie 3 kommt in Königsbrunn langsam ins Rollen

Auf der Baustelle der Straßenbahnlinie 3 in Königsbrunn passiert seit Monaten offenkundig wenig. Hinter den Kulissen wurden aber schon viele Weichen gestellt, sodass die Arbeiten schnell über die Bühne gehen sollten.
Bild: Christoph Lotter

Plus Die Bauarbeiten zum Tram-Anschluss Königsbrunns ruhten monatelang. Was die Gründe sind und wie die Verantwortlichen Vorwürfen begegnen.

Am 27. Juli soll es endgültig ernst werden auf der Straßenbahn-Baustelle. Dann beginnen am ZOB die Gleisbauarbeiten zur Verlängerung der Linie 3 von Haunstetten nach Königsbrunn. Der Weg dorthin war geprägt von einem schnellen Start und einer langen Pause. Im Königsbrunner Stadtrat monierten SPD und Freie Wähler die schleppende Informationspolitik des Bürgermeisters und verlangten, endlich die Bauzeitpläne vorzulegen. Zuletzt wurden im Bauausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung die Pläne präsentiert. Am 23. Juni gibt Bürgermeister Franz Feigl im Stadtrat in öffentlicher Sitzung einen Bericht zu den Planungen.

Der Bau der Gleise für die Tram geht dabei vergleichsweise flott voran. Bereits am 13. November sollen laut der Planung die Trassen auf vier Kilometern Länge durch Königsbrunn gelegt sein. Danach beginnen die zeitaufwendigeren weiteren Baumaßnahmen: Haltestellen, Fahrleitung, die elektrische Verkabelung, gegen Ende kommen schließlich die Schallschutzwände. Zeitgleich zum Start der Bauarbeiten am ZOB wird auch bei Maria unterm Kreuz gearbeitet: Der Parkplatz der Kirche bekommt eine neue Zufahrt von der Simpertstraße her.

Baufirmen bekommen in Königsbrunn ein zeitliches Korsett vorgegeben

Den Baufirmen wird für alle Arbeiten ein Korsett aus Vorgaben vorgegeben. Manche betreffen Termine: So müssen die Arbeiten rund um den ZOB so fertiggestellt werden, dass nach den Sommerferien der Schulbusverkehr wieder normal rollen kann. Bei anderen geht es darum, dass Verkehrswege nicht blockiert werden dürfen. Die Querung der Augsburger Straße muss zum Beispiel so gebaut werden, dass der Autoverkehr immer einspurig in jede Richtung rollen kann.

Im September wurde symbolisch das erste Stück Gleis der neuen Tram-Linie 3 verlegt.
Bild: Michael Hochgemuth

Die lange Pause seit der Baufeldfreimachung hat bei manchen Stadträten Argwohn ausgelöst. Königsbrunn bezahlt seit dem Start der Arbeiten eine sogenannte Betriebszuschusszahlung. Freie-Wähler-Fraktionschef Helmut Schuler sagte, die lange Pause wirke, als würden sich die Stadtwerke eine Anschubfinanzierung für das Projekt holen. Dem treten die Stadtwerke und Bürgermeister Feigl entgegen. „Die Stadtwerke Augsburg haben kein Interesse an einer langen Bauzeit, da lange Bauzeiten die Bauprojektkosten verteuern und dies ausschließlich im Risikobereich der swa liegt“, teilt eine Stadtwerke-Sprecherin auf Anfrage mit. Zudem finanziere man die geplanten Investitionskosten seit 2015 vor und habe somit keinen finanziellen Vorteil von einem künstlichen Stillstand auf der Baustelle.

Der Grund für den Stillstand liegt im Untergrund, sagen Franz Feigl und Jörg Kratzer, Leiter des Tiefbauamtes bei der Stadt: Man hatte fest damit gerechnet, bei den Arbeiten auf archäologische Funde zu stoßen und deshalb einen großen Zeitpuffer eingeplant. Auf Haunstetter Flur rechneten die Verantwortlichen zudem damit, dass Weltkriegsbomben gefunden werden könnten. Beides trat überraschend nicht ein, sodass die Arbeiten ungeplant schnell durchgezogen werden konnten. Zurückgeworfen wurde man unter anderem, weil das ursprüngliche Konzept für den Bau der Trasse auf der ehemaligen Mülldeponie bei Haunstetten umgeplant werden musste. Anstelle von in den Boden getriebenen Kiessäulen muss dort eine Betonplatte als Fundament eingebracht werden.

Königsbrunns Bürgermeister glauben an zeitgerechten Start der Linie 3

Feigl und Kratzer sind dennoch optimistisch, dass es mit dem Starttermin im Dezember klappt. „Wir liegen zweieinhalb Monate hinter dem Szenario, das man in der Planungsphase als absolut besten Fall gesehen hat“, sagt Feigl. Aus baulicher Sicht sei eine zeitgerechte Fertigstellung durchaus realistisch, sagt Jörg Kratzer: „In Königsbrunn haben wir zum größten Teil Grüngleis, nur die Kreuzungen sind etwas problematischer.“ Restarbeiten können auch noch ausgeführt werden, wenn die Bahnen schon rollen. Laut Plan soll die komplette Strecke im September 2021 funktionsfähig sein. Danach sind weitere drei Monate für Testfahrten und Abnahmen eingeplant.

Die politischen Diskussionen in Königsbrunn sind damit aber wohl nicht vom Tisch. SPD-Fraktionschef Florian Kubsch erläuterte, der Bürgermeister habe am 3. Dezember 2019 im Hauptausschuss darum gebeten, die nötigen Haushaltsmittel zu übertragen. Voraussetzung dafür sei gewesen, dass der Bauzeitplan umgehend vorgelegt würde. Angesichts der siebenmonatigen Verzögerung und der Tatsache, dass die Mitglieder des Bauausschusses den vorgelegten Zeitplan nicht in die Hand bekamen, könne von Zufriedenheit über die Beantwortung der Fragen keine Rede sein.

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