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Königsbrunn

11.01.2019

Streit um die Königstherme

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Das ehemalige Gelände der Königstherme sorgt weiter für Diskussionen.
Bild: Hermann Schmid

Der Königsbrunner Stadtrat hat für verschiedene Bereiche des Zentrums Grundsatzbeschlüsse gefasst. Streit gibt es um das Thermenareal. Um was es dabei geht.

Die Entwicklung des Zentrums ist seit Jahren die große Aufgabe in Königsbrunn und wird die Stadt mindestens die nächsten zehn Jahre beschäftigen. Nun hat der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss verabschiedet, welche Funktionen künftig wo angesiedelt werden sollen. Bei den meisten Zuordnungen waren sich die Stadträte einig. Nur beim Forum, dem Bereich des Thermenareals gab es Gegenwind für den Vorschlag.

Einstimmig verabschiedet wurden die Vorschläge für die Neue Mitte, wo künftig Handel, Wohnen und Gastronomie angesiedelt werden sollen. Im Bereich des heutigen Nordgebäudes der Mittelschule sollen in einigen Jahren Wohnungen entstehen; der Sportpark West bekommt die Nutzungen Sport, Kultur und Freizeit zugeordnet. Es sei wichtig Handel und Gastronomie verstärkt im Zentrum zu belassen, sagte Alexander Leupolz (CSU). Man könne nicht alles selbst realisieren und werde östlich der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße einiges an Investoren vergeben müssen. Dafür bleibe westlich der alten B17 eine der größten zusammenhängenden Flächen in der Region in städtischer Hand.

Alwin Jung (Grüne) sagte, dass im östlichen Bereich Begegnungsräume für den Alltag und im Westen für die Freizeit entstehen. Nun müsse man die Verbindung beider Bereiche noch gut hinbekommen, und „es sollte bitte nicht noch 50 Jahre dauern, bis es fertig wird“. Jürgen Raab (Freie Wähler) mahnte, dass man dringend noch ein Verkehrs- und ein Parkkonzept für den gesamten Bereich brauche, sonst bekomme man ein Problem: „Es kommt nicht jeder mit dem Fahrrad.“ Florian Kubsch (SPD) sagte, es sei richtig, an der Zentrumsplanung von 2011 festzuhalten und nicht alles aufs Thermenareal zu verlegen, nur weil man dort schneller anfangen könne: „Das wäre eine künstliche Verpflanzung.“ Die Wohnungen seien nur folgerichtig. Um das Zentrum zu beleben, brauche man mehr Menschen vor Ort.

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Weniger Einigkeit gab es bei der Zuordnung für das Forum. Dort soll nach der Vorstellung von Bürgermeister Franz Feigl eine Stadthalle angesiedelt werden, ebenso Räume für Vereine, die Museen, die Musikschule und vieles mehr. Ein entsprechender Architektenwettbewerb wird derzeit vorbereitet. Doch mit diesen Vorstellungen sind nicht alle einverstanden. Florian Kubsch und Christian Toth (FDP/Bürgerforum) warben dafür, erst eine Entscheidung zu treffen, wenn Ende des Jahres die Ergebnisse des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) vorliegen.

"Entscheidung zur Unzeit"

Die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt komme zur Unzeit, kritisierte Kubsch: Zum ISEK gehöre ein langfristiger Prozess und viel Dialog mit den Bürgern. Wenn man jetzt entscheide, nehme man Teile der Diskussion schon vorweg. Schon beim Bürgerworkshop im Dezember sei keine breite Diskussion gewünscht gewesen, sondern zu einseitig die Linie des Bürgermeisters dargestellt worden. Das Areal könne ein enormes Pfund sein, doch mit den jetzigen Planungen mache man zu wenig daraus und es koste enorm viel Geld: „Wir hatten für Vereinsnutzungen mal Pläne für ein Bildungshaus, dann gab’s mal Ideen für ein Bürgerhaus. All das ist nichts geworden, aber jetzt soll es bei der teuersten Variante klappen.“ Wenn man alle jetzigen Vorstellungen umsetzen wolle, sei man leicht bei Kosten im Bereich von 30 Millionen Euro und müsse dann überlegen, was man sich leisten könne.

Norbert Schwalber (CSU) hielt dagegen: Es helfe jetzt nicht, Angst zu machen, sondern man müsse konkrete Zielsetzungen festlegen und Handlungskonzepte erarbeiten. Aus den Bürgerworkshops habe er mitgenommen, dass die Meinung der Bevölkerung sehr gleich zu der des Stadtrates war. Ja, es gebe eine Grenze bei der Neuverschuldung zwischen 30 und 40 Millionen Euro, die man nicht überschreiten wolle. Doch mit dem Grundsatzbeschluss könne man endlich einmal eine Basis schaffen, auf der künftige Stadträte aufbauen können. Nachdem in der Vergangenheit immer nur stückweise gearbeitet worden sei, sei dieser Beschluss endlich einmal der große Wurf.

Christian Toth erwiderte, er habe keine Angstmache gehört, sondern nur Meinungen. Wenn man heute einen solchen Grundsatzbeschluss fasse, hätte man sich das ISEK auch sparen können: „Ich lasse mich doch auch nicht über verschiedene Heizungsformen beraten und kaufe gleichzeitig einen Ölkessel“, sagte Toth. „Was ist so schwer daran, ein Jahr zu warten, bis die Ergebnisse eines teuren Gutachtens vorliegen?“ Das Thema Zentrum beschäftige die Stadt schon seit 30 Jahren.

Peter Lösch (SPD) kritisierte die hohen Folgekosten bei der Realisierung aller Projekte: „Etwas Schönes muss man sich auch leisten können.“ Man sei kein Verhinderer, wenn man die Zahlen im Kopf habe. Peter Henkel (CSU) warf ein, man könne ein Projekt auch verhindern, wenn man immer wieder auf neue Ideen warte. Wenn man etwas für richtig halte, solle man es auch jetzt machen: „Ich möchte das neue Zentrum noch erleben.“

Ein Antrag von Christian Toth, die Abstimmung über den Bereich Forum zu verschieben, wurde gegen die Stimmen von Toth, Christian Kunzi sowie Hildegard und Ludwig Fröhlich und den anwesenden SPD-Stadträten abgelehnt. Mit dem gleichen Verhältnis von 18:8 Stimmen wurde der Vorschlag der Verwaltung angenommen.

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