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Landkreis Augsburg

11.07.2019

Stromautos kommen nur langsam in Fahrt

Wer jetzt eine Garage baut, sollte sich vorsorglich Leerrohre für eine E-Ladestation legen lassen, empfehlen die LEW.
Bild: Marcus Merk

Plus Die Zulassungszahlen im Landkreis Augsburg sind nach wie vor gering, dennoch gelten E-Autos als Zukunftsmodell. Das hat heute schon Folgen für Häuslebauer.

Das Landratsamt in Augsburg hat seinen Fuhrpark um ein erstes Elektroauto erweitert. Der E-Golf hat eine Reichweite von etwa 180 Kilometern und eignet sich so laut Mitteilung „für die meisten Dienstfahrten des Landratsamtes“. Obwohl es im Landkreis „gute 40 öffentliche Ladestationen“ gebe, werde das Auto wohl meist vor Ort aufgeladen, und das „auf die klimafreundlichste Art“ mit Solarstrom vom Dach des Gebäudes selbst.

Weitere Elektrofahrzeuge sollen folgen, die Beschaffungen sind aktuell aber „aufgrund einer Baustelle im Haus verschoben“. Im Innenhof, wo normalerweise die Dienstfahrzeuge des Amtes parken, entsteht derzeit ein Bürogebäude mit Tief-garage. Doch nicht nur im Amt kommen Elektroautos nur langsam in die Gänge, sondern auch beim Bürger.

432 Elektroautos gibt es derzeit im Landkreis Augsburg

Aktuell sind laut Zulassungsbehörde 432 vollelektrische Autos in Bayerns drittgrößtem Landkreis zugelassen, hinzu kommen gut 1800 Plug-in-Hybride. Insgesamt sind rund 164000 Autos gemeldet. Auch wenn der Anteil der Stromer noch gering ist: Die Steigerungsraten sind hoch. Um 21 Prozent stieg im ersten Halbjahr 2019 die Zahl der Fahrzeuge, die unter das Elektromobilitätsgesetz fallen.

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Verkaufsleiter Rainer Eckel vom Schwabmünchner Autohaus Schönwetter bestätigt diesen Trend: „Aktuell ist sogar der elektrobetriebene Renault Zoe unser meistverkauftes Modell.“ Den Grund für die wachsende Nachfrage sehe er in den staatlichen Förderungen und der immer größeren Reichweite der Fahrzeuge. Knapp 400 Kilometer schaffe ein Zoe ohne Ladekabel.

Eckel zählt momentan 20 Prozent Privatkunden – noch vor ein paar Jahren hätten fast ausschließlich Gewerbetreibende nach Elektroautos gefragt. „Viele unserer Privatkunden, die über den Kauf eines E-Autos nachdenken, haben zu Hause eine Fotovoltaik-Anlage und können den Strom zum Laden selbst erzeugen“, berichtet der Verkaufsleiter. Auch seien Elektrofahrzeuge inzwischen deutlich günstiger geworden: Ein Zoe koste nur noch rund 1000 Euro mehr als ein Verbrenner-Clio mit der gleichen technischen Ausstattung. Und es gebe eine noch billigere Möglichkeit, an ein E-Auto zu kommen: „Langsam entsteht ein Gebrauchtwagenmarkt. Drei bis vier gebrauchte E-Wagen haben wir durchschnittlich im Sortiment“, sagt Eckel.

Einige Länder erlauben schon ab 2030 keine Neuzulassungen mit Verbrennungsmotor mehr

Dem Verbrennungsmotor werden in manchen europäischen Ländern nicht viel mehr als zehn Jahre bleiben. Dänemark zum Beispiel will ab 2030 keine neuen Benzin- oder Dieselautos mehr zulassen. Andere europäische Länder folgen dem Beispiel. Auch in Deutschland gab es bereits ähnliche Überlegungen und Forderungen, aktuell will die Regierung ab 2050 ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge zuzulassen. Mutmaßlich gibt es also im Augsburger Land in einigen Jahren Zehntausende von Elektroautos. Können ihre Batterien alle auf einmal geladen werden, wenn die Besitzer am Feierabend zu Hause sind und am nächsten Morgen wieder starten wollen?

Das ist eine der großen Fragen für den Stromversorger LEW. Er betreibt in Schwaben mittlerweile 290 Ladepunkte. 27 Säulen mit je zwei solchen Ladepunkten haben die LEW im Landkreis Augsburg. Der Strom zum Tanken werde ausschließlich aus erneuerbaren Quellen gewonnen, „damit CO2-freies Fahren möglich ist“, betont Sprecher Ingo Butters. Alles in allem sieht die LEW ihr Verteilnetz als „gut gerüstet“ und „keine großen Probleme im Hinblick auf das Laden zu Hause“. Trotzdem müsse man die Gegebenheiten im Einzelfall prüfen, denn man könne nicht einfach eine Reihe von Ladeboxen an das vorhandene Stromnetz anschließen, „ohne einen Blick auf die Kapazitäten im jeweiligen Straßenzug zu werfen“.

Mit der Forschung am „eplanB“ will die LEW möglichen Problemen entgegenwirken und hat schon Erfolge erzielt. Die Idee: Die Stationen werden intelligent vernetzt und laden nicht alle gleichzeitig mit voller Leistung. „So kann unnötiger Netzausbau vor Ort vermieden werden“, erklärt Butters.

Vernetzte Ladestationen könnten Ökostrom besser nutzen

Die intelligente Vernetzung hätte einen weiteren Vorteil: Laut LEW könnten so 40 Prozent mehr des in der Region regenerativ erzeugten Stromes verwendet werden. Fast jeden zweiten Tag speise das Unternehmen Strom aus erneuerbaren Quellen in das europaweite Verteilungsnetz ein, weil er vor Ort nicht verbraucht werden kann. Würde er dagegen für das Laden von Elektrofahrzeugen verbraucht, wäre das sinnvoller.

LEW-Sprecher Butters betont: „Es gibt bei uns viele Pendler – gerade hier spielt die Elektromobilität ihre Stärken aus.“ Häuslebauern empfiehlt das Unternehmen, in der neuen Garage Leerrohre zu verlegen, damit ein separates Kabel ohne viel Aufwand installiert werden kann. Auch den Strom aus der eigenen Fotovoltaikanlage könnten viele Bürger direkt für ein Elektroauto verwenden – so wie es das Landratsamt mit seinem ersten E-Golf jetzt vormacht.

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