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Langerringen

28.12.2018

Stück erwacht nach mehr als 50 Jahren zum Leben

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Vollkommen verdient hatte sich das Blasorchester unter Stephan Knöpfle den Applaus der über 200 Zuhörer beim traditionellen Weihnachtskonzert.
Bild: Uwe Bolten

Das Weihnachtskonzert des Musikvereins Langerringen überzeugt mit bekannten Melodien – und einem lang verschollenen Werk.

Allein schon die Kulisse beeindruckte: Die Bühne der Turnhalle, die mit Elementen um das Doppelte vergrößert wurde, ragte weit in den Raum hinein; der tiefblaue, schräge Hintergrund sorgte für noch mehr Tiefe. Der Musikverein Langerringen hatte mit dem Konzert des Jugendensembles und des Blasorchesters zum traditionellen Weihnachtskonzert geladen.

Gewohnt freundlich und gespannt auf die Musik empfing das Publikum das Jugendensemble mit kräftigem Applaus. Mit „Indian River“, der Titelmelodie zum James-Bond-Film „Skyfall“ und dem weihnachtlichen Melodienreigen „A Rockin’ Christmas“ legten die Jungmusiker unter der Leitung von Christian Mayr eine würdige Basis für das in festlichem Schwarz-Weiß gekleidete Blasorchester.

Mit dem Auftritt des Orchesters folgte zugleich ein rascher Stimmungswechsel: Der Aufschrei des Volkes war zu Beginn des Werkes „Tirol 1809“ förmlich zu spüren. Das Stück von Sepp Tanzer beschreibt in den Sätzen „Aufstand“, „Kampf am Bergisel“ und „Sieg“ den Freiheitskampf der Tiroler gegen die bayerische Besatzung. Die Flöten schreien nach Freiheit, Marschelemente markieren den bevorstehenden Kampf, die „Marseillaise“ dringt durch die dramatische Intonation der Schlacht.

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Der Klang trauernder Trompeten zu Beginn des dritten Satzes geht hörbar in Erleichterung und Stolz über, bevor zum Ende das gesamte Orchester zu einem – wenn auch historisch nicht richtigen – Triumphmarsch der Tiroler übergeht. Die Zuhörer dankten den Musikern für die grandiose Darbietung dieses Werkes mit einem lang anhaltenden Applaus. Vor allem die Schlagzeuger, die im gesamten Konzert durch musikalisches Feingefühl überzeugten, hatten großen Anteil an der Dramatik dieses Stückes.

50 Jahre altes Werk bei der Nichte entdeckt

Mit dem „Torero-Marsch“ aus Bizets Oper Carmen, Paul Linkes „Berliner Luft“ und dem typischen Sousa-Marsch „Hands Across the Sea“ standen aber nicht nur epische Werke auf dem festlich gestalteten Programmblatt. „Klar zum Start“ heißt ein Marsch von Joseph Hoser, dem ehemaligen Leiters des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr. Die Partitur des Werks ist jedoch nicht im Repertoire der üblichen Notenverlage zu finden. Die Handschrift des seit mehr als 50 Jahren nicht mehr gespielten Titels entdeckte Langerringens Dirigent Stephan Knöpfle bei dessen Nichte und fertigte daraufhin die Partitur. So konnte das Langerringer Blasorchester dieses Stück nun den Zuhörern wieder präsentieren – nach mehr als einem halben Jahrhundert. Knöpfle, der durch sein von weichen Bewegungen geprägtes Dirigat einen maßgeblichen Anteil am Erfolg des Konzertes hatte, füllte die zweite Hälfte des musikalischen Abends mit Melodien aus dem Bereich Bühne und Film. Wie im ganzen Verlauf des Konzerts fügte er kurze Kommentare zum jeweiligen Stück hinzu.

Die mit schwungvollen Walzerklängen glänzende Ouvertüre zur „Fledermaus“ fand Platz neben den bekanntesten Melodien aus Charlie Chaplins Filmen. Bei diesen flotten Big-Band-Arrangements durfte die Melodie „Limelight“ aus dem gleichnamigen Kinoklassiker nicht fehlen.

Die Filmmusik Ennio Morricones aus zahlreichen Italo-Western erfüllte die mit mehr als 200 Besuchern besetzte Halle ebenso wie Maurice Jarres Filmmusik zu „Doktor Schiwago“ oder „My Heart Will Go on“ aus dem Erfolgsstreifen Titanic. Dabei überzeugte Rudi Uhl als Solist am Saxofon.

Filmmusik zu Fluch der Karibik

Eingeleitet durch einen Trommelwirbel, gefolgt vom tiefen Gesang der Seeleute, entführten die Musiker die Gäste zum „Ende der Welt“ aus Hans Zimmers Filmmusik zu „Fluch der Karibik“. Zum offiziellen Abschluss des Abends stellte Dirigent Stephan Knöpfle seine solistischen Fähigkeiten an der Trompete und mit seiner Stimme unter Beweis. Begleitet vom Orchester schlüpfte er in die Rolle des Pianisten Sam aus Casablanca und interpretierte den Klassiker „As Time Goes By“.

Traditionell spielte das Orchester mit höchster Spielfreude den „Radetzkymarsch“ als erste Zugabe, gefolgt von „Cinderalla’s Dance“ aus „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Diese Klänge entließen die Gäste nach dem über zweieinhalbstündigen Konzert in die kalte Dezembernacht.

Die „wahrscheinlich schönste Tradition in Langerringen“, so die Vorankündigung des Weihnachtskonzerts des Musikvereins, hatte seinem Namen durch die eindrucksvolle Leistung aller Musiker erneut Kraft verliehen.

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