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Landkreis Augsburg

11.06.2019

Tablet und Whiteboard gegen Tafel und Kreide

Mit dem Einsatz von Tablets und interaktiven Tafeln sollen Schüler schon in der Grundschule auf die digitale Zukunft vorbereitet werden. Doch nicht alle Schulen im Augsburger Land erfüllen dieselben Standards.
Bild: Marcus Merk

Plus Schon in der Grundschule sollen Kinder den Umgang mit digitalen Medien lernen. Doch nicht alle Klassenzimmer im Landkreis Augsburg sind dafür ausgerüstet.

Die Grundschüler in Gablingen sitzen seit Kurzem in digitalisierten Klassenzimmern. Vor ihnen liegen Tablets, der Lehrer steht vor einem Whiteboard. Ein völlig anderes Bild zeigt sich an der Grundschule in Kutzenhausen. Hier müssen sich Schüler und Lehrer mit Tafel und Kreide zufriedengeben. „Wir sollten uns da zurückhalten“, sagte Zweiter Bürgermeister Rupert Kugelbrey, als es um die Anschaffung von Tablets ging. Nicht alles Digitale sei gut für die Anwender. „Wir züchten uns hier Abhängige von neuen Medien bereits im Grundschulbereich heran.“ An der Grund- und Mittelschule Großaitingen hat man den Trend zum Digitalen nicht verschlafen. Dort steht in jedem Klassenzimmer ein Lehrercomputer mit Beamer oder Großbildschirm und eine Dokumentenkamera. Eine Mittelschulklasse ist vollständig mit Netbooks ausgerüstet, eine andere mit Laptops. Außerdem gibt es zwei Computerräume.

Die stellvertretende Schulleiterin Hannelore Mader wünscht sich zwar noch eine Tablet-Klasse, das lasse das Budget aber derzeit nicht zu. Immer wieder müssten Teile der digitalen Ausrüstung aktualisiert und nachgerüstet werden. „Die Gemeinde hilft uns finanziell, wenn Geräte veraltet sind“, sagt sie. Damit alle Lehrer mit der Technik zurechtkommen, bringen sie sich gegenseitig bei hausinternen Schulungen auf den neuesten Stand. Bei den Schülern ist das nicht nötig: „Mit neuen Geräten kommen sie sofort zurecht, da reicht einmal Zeigen“, sagt Mader und lacht.

Nicht alle Schulen im Landkreis Augsburg sind gleich weit, was die Digitalisierung angeht

Die Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Digitalisierung an den Schulen im Augsburger Land voranschreitet. Der Landkreis selbst hat in den vergangenen Jahren zwei Millionen Euro investiert, um seine 18 Schulen auf einen einheitlichen Standard zu bringen. Alle verfügen über Anschlüsse für schnelles Internet. Die 2700 Computer und 770 Notebooks werden regelmäßig gewartet und ausgetauscht. Insgesamt verfügten die Schulen über eine zeitgemäße IT-Versorgung, heißt es vonseiten des Landratsamtes.

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Anders sieht es an den von Städten oder Gemeinden getragenen Grund- und Mittelschulen aus. Hier herrscht oft noch Nachholbedarf. Denn nicht jede Kommune verfügt über die nötigen finanziellen Mittel, um ihre Schule digital auszustatten. Das weiß auch Jörg Faßnacht, Kreisvorsitzender des bayerischen Lehrerverbandes und stellvertretender Schulleiter an der Grund- und Mittelschule Fischach. Zwar komme mit den fünf Milliarden Euro, die der Bund im Rahmen des Digitalpaktes bereithält, Schwung an die Schulen. „Doch die Anschaffung und Wartung der Geräte ist teuer.“

Nicht für jeden reichen die Fördergelder

Um Fördermittel zu erhalten, müssen Schulen ein individuelles Medienkonzept erstellen. Aus diesem soll hervorgehen, auf welchem Stand sich die Schule aktuell befindet und wo die digitale Zukunft hingehen soll. „Wenn in der Vergangenheit wenig investiert wurde, lässt sich mit den Fördermitteln allein nicht alles nachholen“, sagt Faßnacht. Er denkt, dass es mittlerweile gewisse Standards gebe, die jede Schule erfüllen sollte wie schnellen Internetzugang, gut ausgestattete Computerräume oder zusätzliche Laptops, die spontan im Unterricht zum Einsatz kommen. Auch mit der digitalen Lernplattform Mebis sollten Lehrer, Schüler und Eltern seiner Meinung nach umgehen können. Doch Faßnacht ist sich auch sicher: „Nur weil ein Klassenzimmer digital ausgestattet ist, wird der Unterricht nicht automatisch besser.“ Die Ausstattung müsse auch zum Konzept der Lehrer passen.

In Walkertshofen wird der Computerraum neu ausgerüstet

Gerhard Gerum, Schulleiter der Grundschule Walkertshofen zeigt sich zurückhaltend, was die medialen Bedürfnisse der Schule angeht. „Die Arbeit mit Tablets bei Schülern sehe ich kritisch“, sagt er. Es gebe aktuell noch wenig geeignete Lernsoftware für solche Geräte, umso besser würden sie sich zum Spielen eignen. Im Computerraum hingegen könnten die Schüler den Computer als Lern- und Arbeitsmittel kennenlernen. Der Raum werde gerade von 14 auf 25 Plätze erweitert. Auch in den Klassenzimmern gebe es Handlungsbedarf: Statt der Beamer auf Rollwagen sollen bald Großbildschirme installiert werden. Die klassischen Tafeln dürften aber bleiben, obwohl die Lehrer ihre Materialien mit Dokumentenkameras oder Tablets über den Beamer an die Wand projizieren können.

Faßnacht sieht in den unterschiedlichen Standards, die die Grundschulen im Landkreis erfüllen, vor allem für Schüler ein Problem. Denn sie könnten beim Wechsel an weiterführende Schulen Schwierigkeiten bekommen, wenn sie zuvor bestimmte Standards im Umgang mit digitalen Medien nicht gelernt hätten. Manchmal liegt es aber nicht an Schulen oder Gemeinden, wenn die Klassenzimmer nicht auf dem neuesten Stand der Technik sind: In der Grundschule Königsbrunn Nord ist es den Umständen geschuldet. Das Gebäude wird gerade neu gebaut, frühestens im Sommer 2020 kann der Lehrbetrieb in den neuen Räumen beginnen. Dann erst könne man absehen, wie viel Geld für eine neue technische Grundausrüstung und eventuelle Extras bleibe, lässt die Schule wissen.

Jörg Faßnacht plädiert an die Politik, mehr Ressourcen zu schaffen – finanziell wie personell. An seiner Schule in Fischach sei ein Lehrer für drei Stunden freigestellt, um 130 Computer zu warten. „Das ist Wahnsinn, aber Standard an vielen Schulen“, sagt er. Solche Aufgaben gehörten eigentlich in Profihand.

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