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Musik

18.11.2015

Tastenduelle und andere Klaviergeschichten

Mit Piano (hinten), mit Laptop und Beamer (vorne) sowie lebendiger Erzählkunst machte Markus Kreul Musikgeschichte anschaulich.
Bild: Ingeborg Anderson

In einem Vortrag zeigt Markus Kreul, was zwischen den schwarzen und weißen Tasten des Pianos liegt

Der Mann am Klavier kann nicht nur gut spielen, er kann auch gut erzählen. Gemeint ist Markus Kreul. Einen Beleg seiner Talente erlebte nun auch sein Publikum in Bobingen. Einen „Bilderbogen über das Klavier“ entfaltete Markus Kreul vor den Zuhörern im Unteren Schlösschen. Informativ, interessant und von Livemusik-Beispielen illustriert, erzählte er Geschichten rund ums Klavier aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Der international gefragte und vielfach ausgezeichnete Pianist und Musikdozent war auf Einladung der Volkshochschule Augsburger Land nach Bobingen gekommen, um weniger bekannte Aspekte um Musik und Musiker zu beleuchten. Denn er kann Geschichten erzählen, die das Interesse an der Musik durch einen etwas anderen Zugang wecken.

Kreul erzählt dann von den im 19. Jahrhundert üblichen Tastenduellen zwischen den Virtuosen am Klavier. Etwa von dem zwischen Ludwig van Beethoven und Daniel Steibelt. Beethoven gewann, indem er den ganzen Tag lang über eine Cellosuite von Steibelt improvisierte. Kreul nahm Beethoven auch als Beispiel für das steigende Selbstbewusstsein der Musiker: Der Komponist hatte sich einmal fast mit einem Fürsten geprügelt und ihm später einen sehr unfreundlichen Brief geschrieben.

Auch Technisches erklärt der Referent, nämlich wie eine Klaviermechanik funktioniert und welchen Einfluss ihre Konstruktion auf die mögliche Spielweise (Anschlaggeschwindigkeit, Lautstärke, Modulation) hat. Auf einem Instrument ohne solche Mechanik ließ Louis Moreau Gottschalk (1829 – 1869) einen Stümper spielen, damit er nicht das imposante Schauspiel, wenn Wagners Thannhäuser-Marsch von 14 Flügeln erklang, mit falschen Tönen störte. Gottschalk war es auch, der ein Klavier über die Anden transportieren ließ. Gerne verbindet Kreul Musik und Literatur. In Bobingen machte er dies mit Ausschnitten aus der Autobiografie von Alice Herz-Sommer. Als Jüdin wurde die gefeierte Pianistin ins KZ Theresienstadt deportiert und blieb dort der Musik treu – sie gab zahlreiche Konzerte und verdankte dem auch das Überleben. Insgesamt war es ein etwas anderer, sehr fesselnder Einblick in die Musikgeschichte, der auch beim kleinen Publikum von nur 20 Zuhörern sehr gut ankam.

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