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Bobingen

27.06.2020

Thomas Rauch träumte von der Finanzwelt - und wurde Priester

Eigentlich wollte Thomas Rauch, der in Weicht bei Buchloe und in Kaufbeuren aufgewachsen ist, Bauer werden, dann eine Laufbahn in der Welt der Finanzen einschlagen. Doch vor 25 Jahren ließ sich Bobingens Pfarrer zum Priester weihen.
Bild: Anja Fischer

Plus Bobingens Pfarrer Thomas Rauch wurde vor 25 Jahren zum Priester geweiht. Warum er die Entscheidung, Seelsorger zu werden, nie bereut hat.

Ein guter Hirte – so beschrieb die Bobinger Mundartdichterin Anni Gastl den Bobinger Stadtpfarrer und Dekan Thomas Rauch, der sein silbernes Priesterjubiläum feierte. Vor 25 Jahren wurde Rauch am 25. Juni 1995 im Hohen Dom zu Augsburg vom damaligen Bischof Viktor Josef Dammertz zum Priester geweiht.

Dabei sah es lange nicht so aus, als würde Thomas Rauch sich für einen kirchlichen Beruf entscheiden, wie er lachend berichtet: „Aufgewachsen bin ich in den ersten Jahren in Weicht bei Buchloe in einer ländlichen Umgebung. Deshalb wollte ich immer Bauer werden“, erinnert er sich. Dieser Berufswunsch habe sich lange gehalten.

Bobingens Pfarrer Thomas Rauch träumte von der Finanzwelt

Als Rauch fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Kaufbeuren um. Dort wuchs er mit seinen zwei Brüdern auf. Zwar sei der Haushalt christlich geprägt gewesen, man habe zusammen gebetet und gesungen und sei so ganz selbstverständlich in den Glauben hineingewachsen. Zum Priestertum berufen fühlte sich Thomas Rauch trotzdem nicht. Den Ministrantendienst und die Kolpinggruppe machte man, weil es dazugehörte und Spaß machte – ebenso wie der Sport und das Schafkopfen mit Freunden.

Thomas Rauch träumte von der Finanzwelt - und wurde Priester

„In meiner Familie gehörte Glaube und Leben einfach zusammen“, beschreibt es der Pfarrer. Die Pfarrei habe einfach zur Heimat dazugehört. 1987 machte Thomas Rauch Abitur, nach dem Wehrdienst ergatterte er einen Studienplatz in St. Gallen und begann dort Wirtschaft und Recht zu studieren. Eine Laufbahn in der Welt der Finanzen oder der Politik schwebte dem Studiosus vor – zumindest bis zum dritten Adventssonntag 1988.

Wie selbstverständlich besuchte Thomas Rauch in St. Gallen den Gottesdienst und hörte plötzlich die Worte in sich: Warum wirst du eigentlich nicht Pfarrer? „Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los, ich habe zwar noch zwei Semester fertigstudiert und diese Möglichkeit immer wieder verdrängt, aber dann war klar, ich muss mich dieser Entscheidung stellen“, beschreibt Rauch und nennt es eine schwierige Zeit des Ringens.

Am 1. Februar 2011 kam Thomas Rauch nach Bobingen, als die dortige Stadtpfarrerstelle der Pfarrei St. Felizitas verwaist war.
Bild: Andreas Lode (Archiv)

Vor 25 Jahren wurde Thomas Rauch zum Priester geweiht

In den Semesterferien zog er sich für drei Monate in eine Bibelschule in der Türkei zurück, dachte intensiv über sein Leben und Gott nach und entschied sich danach, ein Theologiestudium zu beginnen. Zunächst noch unsicher, zweifelnd, aber schon mit dem Vertrauen auf Gott. „Ich dachte, ich schaue einfach mal, wohin der liebe Gott mich führt“, sagt Thomas Rauch und lacht. Zwei Jahre studierte er in Augsburg, ein Jahr in Rom, dann wieder zwei Jahre in Augsburg.

1994 schloss er mit dem Diplom ab und wurde zum Diakon geweiht. Er habe sich vorher lange und immer wieder gefragt, ob er auf eine eigene Familie verzichten könne, berichtet Rauch. „Aber ab einem bestimmten Punkt war mir klar, dass es Gottes Wille ist, und ich fühlte, dass ich trotzdem ein glückliches Leben führen kann, welches auch zu mir passt.“

So sei es dann am Ende auch gewesen. 1995 wurde Thomas Rauch zum Priester geweiht und stellte seitdem seine Kraft in den Dienst seiner Schäfchen und der Kirche. Und er hat noch keinen Tag davon bereut. „Auch in schwierigen Phasen sind mir noch nie Zweifel an meiner Berufswahl gekommen“, bekräftigt er.

Sein Dienst führte ihn von 1995 bis 1997 als Kaplan nach Weilheim, eine positive, wertvolle und sehr prägende Zeit. Dann folgten drei Jahre als Bischofssekretär, eine herausfordernde Aufgabe.

Die Entscheidung, Seelsorger zu werden, hat Thomas Rauch nie bereut

Thomas Rauch aber war klar, dass seine Ur-Berufung in der Gemeinde lag. So wirkte er von 2000 bis 2010 als Stadtpfarrer in Landsberg und kam dann, nach einem kurzen Intermezzo als Dompfarrer und Stadtdekan in Augsburg, am 1. Februar 2011 nach Bobingen, als die dortige Stadtpfarrerstelle verwaist war.

„Seelsorge ist etwas sehr Erfüllendes für mich, ich möchte diese Aufgabe erledigen, so gut es mir möglich ist, und alles danach Gott empfehlen, der der eigentliche gute Hirte ist“, sagte Thomas Rauch, der sich als Priester nicht als Einzelkämpfer sieht, sondern als Teamplayer in einer funktionierenden Pfarrei.

Wichtig ist für ihn, dass jeder Tag mit einem Gebet beginnt und mit einem Gebet endet, ein sich schließender Kreis in einer für ihn unglaublich erfüllenden, aber auch anstrengenden Tätigkeit der Seelsorge. Schnell sind dabei die Jahre vergangen, kaum kann es der Jubilar selbst glauben, dass er schon 25 Jahre im Dienst ist.

In Bobingen ist er gerne, hier schätzt man seine Arbeit genauso wie sein Schafkopftalent, und hier gratulierten die Gläubigen nach der Abendmesse gerne ihrem „Lieblingspfarrer“ zum silbernen Priesterjubiläum. Und auch wenn das große Fest entfallen muss – die Glückwünsche kommen umso mehr von Herzen.

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