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Königsbrunn

13.07.2018

Tiefes Rasengleis und hohe Lärmschutzwand

Königsbrunn setzt auf die Straßenbahn von und zu dem neuen zentralen Nahverkehrsbahnhof. Dazu will sie mehr als zwei Millionen Euro in den Schallschutz entlang der Trasse investieren.
Bild: Melanie Meindel

Königsbrunn will über zwei Millionen aus eigener Tasche zahlen, um die Geräuschkulisse für die Anwohner entlang der Trasse zu reduzieren.

Die Stadt will über zwei Millionen Euro ausgeben, um den Schallschutz für die Anwohner der künftigen Trasse der Straßenbahnlinie 3 zu verbessern. So soll die Bahn im gesamten Stadtgebiet auf einem „Rasengleis mit tieferliegender Vegetationsebene“ (Rasengleis tief) fahren.

Zudem sollen begrünte Lärmschutzwände errichtet werden, die westlich der Trasse zwischen Augsburger Straße und Königsallee 2,20 Meter hoch sind sowie zwischen der Haltestelle Mindelheimer Straße und der Ammersee Straße östlich der Trasse 1,10 Meter hoch. Dies beschloss der Stadtrat nach längerer Aussprache, in der unterschiedliche Haltungen zu einzelnen Punkten deutlich wurden.

„Rasengleis tief“ oder „Rasengleis hoch“

Die Stadtwerke Augsburg, die die Trasse bauen, müssten laut Lärmschutzverordnung auf der gesamten Länge die Gleise nur in einem Schotterbett verlegen. Das habe sich im laufenden Planfeststellungsverfahren bei der Regierung von Schwaben ergeben, informierte Bürgermeister Franz Feigl den Rat. Ein Grund dafür sei, so Feigl, „der unsägliche Schienen-Bonus.“ Nach der Verkehrslärmschutzverordnung wird für Schienenverkehr ein um fünf Dezibel niedrigerer Wert bei der Lärmbewertung angesetzt als beim Straßenverkehr. Dieser besondere Bonus ist bereits abgeschafft, gilt aber noch für Projekte, deren Planfeststellungsverfahren vor Ende 2018 beginnen – also auch für die Linie 3. Sollten beteiligte Kommunen einen höheren Lärmschutz wünschen, so müssen sie die Mehrkosten übernehmen. Zur Auswahl stehen das „Rasengleis tief“, bei dem das Grün zwischen den Schwellen wächst und der Schall um ein bis vier Dezibel (dBA) gemindert wird, und „Rasengleis hoch“. Hier entspricht die Oberkante der Gleise der Grünfläche und der Schall wird zwischen ein bis sieben dBA vermindert. Deutliche Unterschiede gibt es bei den Kosten.

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Für ein „Rasengleis tief“ müsste die Stadt zwischen Föllstraße und Augsburger Straße rund 666000 Euro drauflegen, zwischen Augsburger Straße und Königsallee knapp 750000 Euro, informierte die Bauverwaltung. Ein „Rasengleis hoch“, also die leisere Variante, bringt nördlich der Augsburger Straße Mehrkosten von knapp 2 Millionen Euro mit sich, im südlichen Abschnitt von gut 2,2 Millionen. Für die Lärmschutzwände müsste die Stadt zudem rund 700000 Euro ausgeben, so Bürgermeister Feigl. Man sei aber in Verhandlungen, um hier noch Entlastungen zu erreichen. „Sie bringen für die gesamten Anwohner den größten Effekt“, argumentierte er.

Allerdings müssten dafür einige Grundstücksbesitzer eine geringfügige Nutzung ihrer Flächen zulassen, merkte der Bürgermeister an. „Nicht alle Eigentümer waren von Lärmschutzwänden begeistert“, berichtete Feigl aus den Infoveranstaltungen der Stadt. Eine Lücke in den Schallschutzwänden würde die Geräusch-Situation für die Umgebung jedoch verschlimmern.

Bedenken und große Vorbehalte

Doris Lurz (Grüne) äußerte „große Vorbehalte“ gegen Lärmschutzwände. „Wir haben dann eine Mauer, die durch die Stadt läuft.“ Aus städtebaulicher Sicht sei das nicht nachzuvollziehen, sie könne auch zu mehr Streit in der Bürgerschaft führen.

Florian Kubsch (SPD) äußerte Bedenken, ob dann im Ernstfall noch Fluchtwege vorhanden seien. Seine Fraktion favorisiere insbesondere für die Teilstrecke südlich der Augsburger Straße das teurere, aber auch leisere „Rasengleis hoch“. Es würde gegenüber „dem Rasengleis tief“ knapp 1,5 Millionen Euro mehr kosten, biete aber „optisch ein ganz anderes Bild“ und nehme drei Dezibel der Geräuschemission weg, was nach seinen Informationen etwa der Hälfte der Lärmbelastung entspreche.

Das wiederum bezweifelte Alexander Leupolz (CSU). Er führte zudem an, ein „Rasengleis hoch“ sei im Unterhalt sehr viel teurer als die tiefergelegte Variante. Es gebe auch mehr Erschütterungen weiter, wusste Jürgen Raab (Freie Wähler), deshalb hält seine Fraktion das „Rasengleis tief“ mit stärker verdichtetem Untergrund sogar für den besseren Schallschutz. Letztlich votierten nur die fünf anwesenden SPD-Mitglieder und Doris Lurz für den Antrag von Florian Kubsch, die Stadt solle von der Augsburger Straße bis zur Königsallee ein „Rasengleis hoch“ finanzieren. Anschließend sprach sich der Rat einstimmig für das „Rasengleis tief“ im gesamten Stadtgebiet aus. Für die begrünten Lärmschutzwände am Abschnitt südlich der Augsburger Straße stimmten schließlich 21 Stadträte, dagegen die Fraktionen von SPD und Grünen.

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