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Bobingen

06.06.2019

Tierischer Hausfriedensbruch in Bobingen

Der Bobinger Imker Alfred Dreßler auf der Jagd nach einem Bienenvolk. Mit stoischer Ruhe bewegt sich der Bienenfreund mitten im Schwarm.
Bild: Elmar Knöchel

Plus Bienen besetzen einen Garten in der Bobinger Siedlung. Imker Alfred Dreßler muss das Volk nun einfangen, die Tiere müssen zwei Tage in den Keller.

„In diesem Jahr habe ich viel zu tun“, erklärt Alfred Dreßler. Er ist Imker aus Leidenschaft und der richtige Ansprechpartner, wenn jemand in Bobingen-Siedlung oder Straßberg ein Problem mit einem Bienenschwarm hat.

„Heuer habe ich schon vier Schwärme eingefangen“, sagt der freundliche Mann aus Straßberg. Seine Nummer steht auf der Internetseite des Imkerverbandes beim Bienennotruf. Wenn zu ungewöhnlichen Zeiten das Telefon klingle, dann meistens, weil jemand einen Rat zu einem Bienenproblem brauche. So ist es auch am Sonntagnachmittag der vergangenen Woche, als sich gegen 15 Uhr das Handy meldet.

Dieses Jahr ist Schwarmjahr

Ein Bienenschwarm hat sich in einem Anwesen in der Siedlung eingenistet. Der Garten sei nicht mehr nutzbar, erklärt der Besitzer. Dreßler kennt das. Dieses Jahr sei ein sogenanntes Schwarmjahr, erklärt der Bienenliebhaber. In solchen Jahren würden Schwärme vermehrt auf Wanderschaft gehen. Das sei eigentlich nichts Außergewöhnliches – nur seien diesmal anscheinend noch mehr Schwärme als sonst unterwegs.

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Dreßler schnappt sich seine Jagdutensilien: einen weißen Imkeranzug und einen eher unspektakulären Holzkasten, dazu noch Besen, Handschäufelchen und einen Eimer. Dann fährt er los zu dem Grundstück in der Wacholderstraße, wo sich der Bienenschwarm mittlerweile in einem Forsythienstrauch niedergelassen hat. Die Äste, an denen die Insektentraube hängt, biegen sich unter dem Gewicht der Tiere bis auf den Boden. „Das hat gebrummt und gedröhnt, als wenn ein Hubschrauber landen wollte. Und nach zwei Minuten war der Garten voll mit tausenden Bienen“, berichtet ein etwas aufgeregter Anwohner.

Der Imker fängt die Bienen in kurzer Hose ein

Das sei ein mittelgroßer Schwarm mit etwa 15000 Arbeiterinnen, meint Dreßler. „Der ist leicht zu fangen“, beruhigt er die Umstehenden, setzt seine Imkerhaube auf und zieht die Jacke an. Auf eine lange Hose und Handschuhe verzichtet er. Für einen Bienenzüchter sei es unbedingt von Vorteil, ruhig und besonnen zu bleiben, sagt er. „Wenn man selber aufgeregt ist, dann merken das die Insekten und man tut sich nicht mehr so leicht, mit einem Schwarm umzugehen.“ Dreßler öffnet das Holzkästchen und hält es unter die im Strauch hängenden Bienen. Dann klopft er die ganze Gesellschaft mit zwei beherzten Schlägen vom Strauch in den Kasten. Dieser weist eine Besonderheit auf. Im Inneren ist ein Netz, durch das zwar die Arbeiterinnen schlüpfen können, nicht aber die wesentlich größere Königin. Diese ist im Kasten gefangen. Der Rest des Volkes versammle sich dann in dem Kasten um die Chefin des Volkes, erklärt der Fachmann.

Tatsächlich wird nach ein paar Minuten bereits sichtbar, wie immer mehr Bienen in den Kasten drängen. Die auf der Oberseite herumkrabbelnden führen dabei seltsame Bewegungen mit Körper und Flügeln aus. Das sei das Wedeln, erklärt der Imker. Die Insekten sorgen mit ihren Flügeln dafür, dass sich das Königinnen-Pheromon in der Luft verteilt und sich somit alle Bienen des Schwarmes daran orientieren können. Es dauert insgesamt zwei bis drei Stunden, dann ist der Schwarm im Holzkasten verstaut. Alfred Dreßler schließt die Einfluglöcher und der Spuk ist für die Bewohner und Nachbarn vorbei, der Garten wieder bienenfrei.

Anschließend kämen die Bienen noch für zwei Tage in den Keller, sagt der Imker. Diese Zeit würde es dauern, bis sie vergessen hätten, wo sie gefangen wurden. Sonst würden sie an diesen Ort zurückkehren. Doch danach könnten sie wie jedes andere Volk auch gehalten werden und tun, wofür sie bekannt sind: Honig produzieren, freute sich der kompetente Bienenfänger.

Auf der Internetseite www.imker-gessertshausen.lvbi.de gibt es unter dem Punkt „Notruf-Bienenschwarm“ eine Liste mit Ansprechpartnern für Gemeinden im Landkreis Augsburg.

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