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Bobingen

07.04.2020

Tierschutz: Wie Drohnen Rehkitzen das Leben retten

Rehe stehen bei Sonnenaufgang auf einem Acker. (Symbolbild)
Bild: Stefan Puchner/dpa

Plus Eine Ärztin aus Reinhartshausen hat einen Verein gegründet, der verhindern will, dass die Jungtiere von Mähdreschern getötet oder verletzt werden.

Es könnte immer alles so idyllisch sein: Die Rehe, die ihre Kitze in den Wiesen entlang des Waldrands verstecken und der Duft nach frisch gemähtem Gras, wenn man an diesen Wiesen entlangspaziert. Doch leider geht beides zusammen meistens nicht, wie die Reinhartshauserin Cornelia Günther selbst miterleben musste.

Günther ist Tierärztin und lebt mit ihrem Mann am Ortsrand von Reinhartshausen. Im Juni 2018 erlebte sie in der ländlichen Idylle mit Blick auf den Waldrand wohl eines der schrecklichsten Erlebnisse, die beim Zusammentreffen von Maschinen und Natur passieren können: Einem Landwirt gerieten beim Mähen der Wiesen zwei Rehkitze ins Mähwerk. „Eines der Kitze war sofort tot“, erinnert sich Cornelia Günther. „Das zweite Kitz aber verlor nur die Beine und schrie markerschütternd.“

Der Schock saß tief

Zum Glück sei sie sofort zur Stelle gewesen, um es erlösen zu können, dennoch – der Schock über das Erlebte saß tief. „Mir war schnell klar, dass ich etwas dagegen tun wollte, dass so etwas Schreckliches nicht mehr passiert“, erzählt Günther, die die Bilder nicht mehr losließen. Sie informierte sich darüber, was machbar ist, um zu verhindern, dass Rehkitze beim Mähen ins Mähwerk geraten.

Auf dem Monitor werden Wärmequellen wie Rehkitze sichtbar: Tanja Kautnick, Cornelia Günther und Tamara Renninger (von links) passen auf. Hat die Drohne etwas gefunden, bleibt sie dicht über dem Fundort stehen.

Keine leichte Aufgabe, denn durch den „Drückerinstinkt“, ein angeborenes Schutzverhalten der Rehkitze, drücken sich diese bei drohender Gefahr auf den Boden – und laufen nicht weg. Sinnvoll sicherlich, wenn ein Fressfeind naht, tödlich, wenn es eine Maschine ist.

Herkömmliche Schutzmaßnahmen wie das Ablaufen der Wiesen vor dem Mähen sind sehr zeit- und personenintensiv und nicht immer sicher. Denn ein Rehkitz, welches sich im hohen Gras an den Boden drückt, sieht man tatsächlich erst, wenn man beinahe darauf tritt, wie Günther aus eigener Erfahrung weiß. „Ein Laufabstand von zwei Metern ist da oft schon zu viel, da übersieht man die Kitze.“

Zusammen mit ihrem Mann Andreas Wimmer informierte sich Cornelia Günther über den Einsatz von Drohnen, um die Felder mit einer Wärmebildkamera abfliegen und dann gezielt die Rehkitze aufspüren zu können. So entstand im letzten Jahr die „Rehkitzrettung Augsburg“.

Zweite Drohne soll beschafft werden

Gemeinsam mit Gleichgesinnten wie der Nachbarsfamilie Renninger gründete Cornelia Günther diese zunächst als Privatinitiative; derzeit läuft die Gründung eines gemeinnützigen Vereins. Über Mitgliedschaften, Förderer und Spenden hoffen die Initiatoren so, die Kosten für die Anschaffung einer Drohne, deren Einsatz sowie Wartung und Versicherung decken zu können. Eventuell soll sogar eine zweite Drohne mit einer besser auflösenden Kamera angeschafft werden, um ein zweites Team auf die Suche nach Rehkitzen schicken zu können.

Das Team sucht für die neue Saison zudem händeringend nach Mitgliedern, gerne auch erfahrene Drohnenpiloten, um möglichst oft im Einsatz sein zu können. „Wenn die Mähsaison beginnt, gehen die Anfragen mehr oder weniger gleichzeitig ein, wenn das Wetter passt“, weiß Cornelia Günther. „Da wäre es gut, wenn wir auf möglichst viele Helfer zurückgreifen könnten.“

Auf dem Monitor werden Wärmequellen wie Rehkitze sichtbar: Tanja Kautnick, Cornelia Günther und Tamara Renninger (von links) passen auf. Hat die Drohne etwas gefunden, bleibt sie dicht über dem Fundort stehen.

Bereits im letzten Jahr suchte die Gruppe rund 50 Hektar Wiesen ab. Es funktioniert immer auf dieselbe Weise: Der Drohnenpilot überfliegt das Gebiet.

Die Bilder werden auf seine Steuerung und eine zweite Kamera übertragen, denn „vier Augen sehen mehr als zwei“. Wird eine Wärmequelle entdeckt, geht die Drohne tiefer, bis ein Rehkitz bestätigt ist und bleibt im Luftraum darüber stehen. Dann machen sich die Helfer auf den Weg. Sie werden mit Walkie-Talkies geleitet, bis sie das Rehkitz gefunden haben. „Bei großen Wiesen kann man dann entweder eine großzügige Absperrung darum aufstellen, welche die Mähmaschine umfahren kann. Oder wir tragen das Kitz fachgerecht aus der Wiese.“ Dazu statten sich die Helfer mit Einmalhandschuhen aus.

Rehkitze kommen in große Körbe

Sie tragen große Körbe bei sich, die mit Gras ausgepolstert werden. Mit weiteren Grasbüscheln werden die Rehkitze dann aufgehoben und in die Körbe platziert. Bis zum Ende des Mähvorgangs werden die Körbe mit den Kitzen außerhalb der Wiese platziert. Erst wenn das Mähfahrzeug weg ist, werden die Rehkitze wieder ausgesetzt. Der Einsatz ist für die Landwirte kostenfrei. Damit soll die Hemmschwelle, überhaupt die Rehkitzrettung anzurufen, gesenkt werden.

Obwohl erst in der Gründungsphase, ruft die Rehkitzrettung Augsburg bereits viel Interesse hervor. Bei den regelmäßigen Übungen sind immer wieder neue potenzielle Helfer dabei, wie Tanja Kautnick aus Friedberg, die auf Facebook davon gelesen hat und den Einsatz einfach toll findet.

Die Rehkitzrettung, die nach dem Vorbild ähnlicher Vereine agiert, hofft nun auf weitere Helfer und eine erfolgreiche Saison 2020, in der möglichst viele Rehkitze gerettet werden können.

Weitere Informationen gibt es unter www.rehkitzrettung-augsburg.de oder Telefon 0171/6881766.

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