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Landkreis Augsburg

28.09.2020

Todtenschläule und Gnadental? Wie Orte zu ihrem Namen kamen

So wie bei Saulach verbergen sich hinter vielen ungewöhnlichen Ortsnamen im Augsburger Land spannende Geschichten.
Bild: Marcus Merk

Plus Todtenschläule, Saulach, Sparmannseck – im Augsburger Land gibt es einige kuriose Ortsnamen. Claudia Ried verrät, woher sie kommen.

Saulach, Todtenschläule, Bieselbach, Döpshofen – im Augsburger Land gibt es so manchen seltsamen Ortsnamen. Aber was steckt dahinter? Wie kamen die Dörfer zu ihrem Namen? Kreisheimatpflegerin Claudia Ried beschäftigt sich bei ihren Recherchen immer wieder mit dem Thema. Denn oft geben Ortsnamen spannende Hinweise auf die Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte.

„Die ältesten Ortsnamen des Landkreises Augsburg gehen auf die Landnahme der Alamannen zurück“, erklärt Ried. Erkennen lassen sie sich an der Namensendung -ingen wie in Bobingen, Hiltenfingen oder Meitingen. Im vorderen Teil bestehen sie meist aus einem Personennamen. Die Endung drückt dann die Zugehörigkeit aus, erklärt die Expertin. So bedeutet Bobingen so viel wie „bei den Leuten des Bobo“ oder Hiltenfingen „bei den Leuten des Hiltolf“.

Archäologische Quellen helfen, um mehr über die Ortsgeschichte zu erfahren

Ebenfalls Hinweise auf eine frühe Gründung lassen Ortsnamen mit Endungen wie -heim, -hofen oder -hausen vermuten. Welche Bezeichnung die Bewohner verwendeten, war vom Geschmack der Zeit abhängig. Denn schon früher gab es Moden bei der Namensgebung, weiß Ried. Solche Trends ließen sich zeitlich aber nicht exakt einordnen, denn teilweise wurden mehrere Endungen gleichzeitig verwendet.

„Wie die neuere Forschung gezeigt hat, kann die Siedlungsgeschichte und damit das Alter der jeweiligen Orte nicht nur allein an den Ortsnamen abgelesen werden“, erklärt Kreisheimatpflegerin Claudia Ried. Um mehr über die Ortsgeschichte zu erfahren, müssen immer auch archäologische Quellen hinzugezogen werden.

Das Ortsschild von Todtenschläule.
Bild: Felicitas Lachmayr

Fest steht aber: Die meisten Orte im Augsburger Land erhielten ihre Namen schon vor hunderten von Jahren. Selten stimmten die Bürger darüber ab, wie ihr Dorf heißen soll. Oft entwickelten sich die Namen aus dem, was nahe lag und auf Besonderheiten vor Ort hinwies – wie einem Bach, Tal oder Wald. Beispiele dafür gibt es einige, darunter Deubach, Waldberg, oder dem Flussnamen entsprechend Gennach.

Beliebt waren auch Tiere im Ortsnamen wie in Biberbach, Falkenberg oder Saulach. Letzterer leitet sich übrigens vom mittelhochdeutschen Begriff sulache ab, also Schweinesuhle. Und über dem Gebiet von Falkenberg waren wohl des Öfteren Raubvögel zu sehen.

Kreisheimatpflegerin Claudia Ried.
Bild: Landratsamt

„Manche Ortsnamen mögen auf den ersten Blick eindeutig erscheinen“, sagt Kreisheimatpflegerin Ried. „Doch nicht immer sollten sie wörtlich genommen werden.“ So hat die Bezeichnung des Neusässer Ortsteils Hammel nichts mit dem männlichen Schaf gemein, sondern geht auf das mittelhochdeutsche Wort hamel zurück – also abgebrochene Klippe.

Forscher sind sich bei Ortsnamen auch immer wieder uneinig

Auch der Ortsname Osterkühbach hat nichts mit Ostern zu tun, sondern bezeichnet eine Siedlung im Osten von Kühbach. Und in Feigenhofen wuchsen nicht außergewöhnlich viele Feigenbäume, sondern der Name bedeutet so viel wie „bei den Höfen des Frido“.

Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen sich Experten uneinig ist. Geht der Name des Gablinger Ortsteils Lützlburg nun auf den Frauennamen Liuzila zurück oder auf das mittelhochdeutsche luzzil, was dann so viel hieße wie bei der kleinen Burg? Ein Streitfall ist auch Gersthofen: Während die ältere Forschung von der Bedeutung „bei den Höfen des Gerfrid“ ausging, wird dies inzwischen angezweifelt.

Friedensdorf ist ein Ortsteil von Zusmarshausen.
Bild: Felicitas Lachmayr

Apropos Streitfall: Ist es Zufall, dass Friedensdorf und Streitheim nicht weit voneinander entfernt liegen? „Davon kann man ausgehen“, sagt Kreisheimatpflegerin Ried. Zwar lasse sich die Bedeutung von Streitheim nicht mehr eindeutig klären. Doch der Zusmarshauser Ortsteil Friedensdorf entstand erst in den 1950er Jahren, nachdem Heimatvertriebene sich dort niederließen. Mit dem Ortsnamen wollten sie vor den Grauen des Zweiten Weltkriegs mahnen.

Ortsnamen haben sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert

Eine ähnliche Geschichte steckt im Großaitinger Ortsteils Gnadental. Auch diese Siedlung wurde 1949 von Heimatvertriebenen aus Siebenbürgen gegründet. „Da sie sich so wohl fühlten, waren sie überzeugt, sie hätten ihre neue Heimat der Gnade Gottes zu verdanken und baten deshalb darum, die Siedlung Gnadental nennen zu dürfen“, erklärt Ried.

Im Gegensatz zu jüngeren Ortsnamen haben sich die Bezeichnungen älterer Orte über die Jahrhunderte immer wieder verändert. So fand Burgwalden erstmals im frühen Mittelalter unter dem Namen Attinhouen Erwähnung und wurde erst Anfang des 16. Jahrhundert in Burckwalden umbenannt. „Dies geht wohl auf das schlossähnliche Gebäude zurück, das 1529 zum ersten Mal in den Quellen greifbar ist“, erklärt Ried.

Todtenschläule und Gnadental? Wie Orte zu ihrem Namen kamen
19 Bilder
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Auch Untermeitingen hieß früher Nidernmuetingen. Zeitweise wurde es auch als Mütingen uff dem Lechfeld bezeichnet, um Verwechslungen mit Obermeitingen und dem 50 Kilometer weiter nördlichen Meitingen zu vermeiden.

Und was hat es nun mit kuriosen Namen wie Todtenschläule oder Sparmannseck auf sich? Lebten dort besonders schlaue oder sparsame Leute? Möglich wäre es, doch Ried sagt: „Die Erforschung von Ortsnamen ist sehr komplex und aufwendig. Nicht alle Bedeutungen können mehr eindeutig zugeordnet werden.“

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