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Königsbrunn

22.11.2019

Tödliche Provinz trifft mörderische Hauptstadt

Die Autoren Dinesh Bauer (links) und Robert Baur entführten die Zuschauer in ganz unterschiedliche Zeiten und an unterschiedliche Orte: Dinesh Bauers Roman spielt im Hier und Jetzt bayrischer Provinz und Robert Baurs Romanheld ermittelt in Berlin in den 20er Jahren.
Bild: Marion

Zwei Buchautoren präsentieren in Königsbrunn spannende Krimis mit höchst unterschiedlichen Tatorten und kulturellen Hintergründen.

Unterschiedlicher hätten die Bücher nicht sein können, die jetzt bei einer Autorenlesung in der Stadtbücherei vorgestellt wurden: Das eine Buch spielt im Hier und Jetzt in tiefster bayrischer Provinz und das andere in den goldenen 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Berlin. Allerdings sollte man lieber sagen in den „blutigen 20er Jahren“, denn in beiden Fällen handelte es sich um Kriminalromane. Stadtbüchereileiterin Kathrin Jörg freute sich über ein „volles Haus“ zu jährlichen Krimilesung, mit der die Stadtbücherei das Veranstaltungs-Jahr stets ausklingen lässt.

Der Abend hatte den Titel „Baur & Bauer, Berlin & Bayern“ und Dinesh Bauer machte den Anfang, sang zur Einstimmung ganz ohne instrumentale Begleitung ein altes Flößerlied, das ihm noch seine Großmutter beibrachte. Dinesh Bauer stammt aus der Flößerstadt Wolfratshausen. Authentizität ist Bauer wichtig und damit hebt er sich vom aktuellen Trend der auflagenstarken Bayernkrimis ab. Seine Protagonisten sprechen original bayrisch und den Anfang der Geschichte macht ein Schafkopfspiel bei dem der Spez’l der beiden Polizisten Sonnleitner und Rabensteiner erschossen wird. Mit der Herz Sau in der Hand.

„Schafkopfen ist mehr als ein Spiel“

Für alle, die nicht die Regeln dieses urbayrischen Kartenspiels kennen, erklärte Bauer vorab noch die Wichtigkeit der „Herz Sau“ und dann wurden die Zuschauer Zeuge einer urigen Gasthaus-Episode, dessen Dramatik auch durch die Gestik und Intonation des Autors gut verständlich wurde. „Schafkopfen ist mehr als ein Spiel“, erklärte Bauer die Emotionen seiner Protagonisten. Bis schließlich einer, mit der Herz Sau in der Hand – oder war es im Ärmel? – tot zusammenbricht. Die beiden Polizisten nehmen sofort die Verfolgung auf, lassen den Täter aber vorerst entkommen und brauchen dann schnellstens ein Alibi. Für die Zeit nach der Tat. Denn eigentlich wären sie gar nicht zuständig und hätten vor Ort auf die Kollegen von der Kriminalpolizei warten sollen.

Tödliche Provinz trifft mörderische Hauptstadt

Nach der Pause wechselte die Zeit, die Sprache und auch die Atmosphäre. Der Kriminalroman „Blutmai“ spielt im Mai 1929 in Berlin als es in den Stadtteilen Wedding und Neukölln zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und kommunistischen Demonstranten kam. Robert Baur hat seine fiktiven Figuren in die Zeit realer Geschehnisse gesetzt. Sein Ex-Kommissar Grenfeld wird in eine Affäre um Gräueltaten in der Kolonie Deutsch-Ostafrika gezogen, die vor dem Ersten Weltkrieg begannen wurden. Doch das weiß der Kommissar noch nicht, als er in eine Schießerei in Neukölln gerät, einen Toten findet und einem jungen Mädchen begegnet, das größtes Misstrauen gegenüber jeglicher Staatsgewalt hat.

Datum der Veröffentlichung sorgt für enttäuschte Gesichter in Königsbrunn

Baur hat die Ereignisse und Orte genau recherchiert. Seine örtlichen Beschreibungen liegen alten Fotos und Postkarten zugrunde, die er während seiner Lesung zeigt und die bei den Besuchern gut ankamen. „Das war eine tolle Idee, die Lichtbilder zu zeigten“, lobte Besucherin Helga Heilmann, „dass hat einem die Zeit sehr nahe gebracht.“ Im Anschluss an der Lesung signierten die Autoren ihre Bücher. Doch wer nun den Bayernkrimi „Heiliges Land“ kaufen wollte, wurde enttäuscht: Die Lesung war sozusagen brandaktuell aus dem Manuskript des Autors und das Buch erscheint erst Ende 2020. Vorher, im März 2020, kommt noch der Roman „Herrgottswasser“ von Dinesh Bauer heraus. Das Buch „Blutmai“ von Robert Baur erschien hingegen bereits im September 2018 im Gmeiner-Verlag und kostet 13 Euro.

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