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Landkreis Augsburg

23.04.2015

Tödliches Risiko auf zwei Rädern

Gefährliches Vergnügen
Bild: Marcus Merk/Archiv

Ein Motorradfahrer stirbt am Mittwochabend bei einem Unfall auf der B17. Auch die Unfallzahlen mit Leichtverletzten steigen. Was sind die Gründe?

Zu einem tödlichen Motorradunfall kam es am Mittwochabend auf der B17 zwischen der Anschlussstelle Königsbrunn Süd und Oberottmarshausen. Offenbar hatte eine Autofahrerin bei einem Spurwechsel den 43-jährigen Biker übersehen. Der Mann erlag noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen.

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Die 31-Jährige fuhr zum Unfallzeitpunkt mit ihrem BMW auf der rechten Fahrspur und wollte ein langsameres Fahrzeug überholen. Dabei übersah sie nach Auskunft der Polizei den Motorradfahrer. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung ist in diesem Bereich der B17 nicht angeordnet. Der 43-Jährige führte wohl noch eine kurzzeitige Vollbremsung durch, und versuchte mit seiner 1000-er Suzuki nach rechts auszuweichen. Dies gelang ihm jedoch nicht mehr.

Der Motorradfahrer stieß hinten rechts gegen das Heck des Autos und stürzte. Dabei wurde er rund 140 Meter in den Grünsteifen geschleudert, das Krad rutschte noch etwa 260 Meter weit auf der Fahrbahn und blieb schließlich auf der linken Fahrspur liegen.

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Die B17 wurde in Fahrtrichtung Süden durch die Feuerwehr Königsbrunn bis gegen 21.30 Uhr komplett gesperrt. Die Angehörigen des tödlich Verunglückten wurden im Beisein des Kriseninterventionsteam verständigt, um eine psychologische Betreuung zu gewährleisten.

Dieser Unfall ist seit Langem der schwerste im südlichen Landkreis. Zwar ist im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Motorradunfälle beispielsweise auch im Bereich der Polizeiinspektion Schwabmünchen gestiegen, doch in der Regel verlaufen die Stürze glimpflich. Verunglückte im Jahr 2014 in den ersten vier Monaten lediglich ein Biker, waren es heuer laut Polizeichef Diethard Pascher im gleichen Zeitraum bereits vier. Auffallend sei, dass meist Unachtsamkeit die Ursache sei. „Vorne will beispielsweise jemand nach links abbiegen und der Hintermann erkennt das zu spät“, erklärt Pascher den klassischen Unfallhergang.

Dass mit dem Beginn der Motorradsaison auch die Unfallzahlen steigen, zeigte sich am Wochenende auch in Gersthofen. Am Samstag wurde ein Mann schwer verletzt, weil ein Autofahrer sein Motorrad übersehen hatte.

Ein bekanntes Problem, weiß Andrea Amador vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK): „Viele Motorradfahrer werden einfach übersehen. Manche haben ihre Sicherheitskleidung nicht an. Außerdem sind sie schnell unterwegs.“

Das Frühjahr ist für die knapp 17500 Motorradfahrer im Landkreis auch aus einem anderen Grund gefährlich: „Die Pkw-Fahrer müssen sich erst wieder an die Motorräder gewöhnen“, sagt Manfred Gottschalk vom Polizeipräsidium Schwaben Nord in Augsburg. „Gerade die hohe Geschwindigkeit und ihre Silhouetten können dafür sorgen, dass Autofahrer die Entfernungen falsch einschätzen.“ Wie kann also der Motorradfahrer das Risiko senken? Gottschalk nennt Tipps:

Technische Ausrüstung Das bedeutet: Reifen wechseln, die Lichtmaschine überprüfen. Auch reflektierende Schutzkleidung hilft, gesehen zu werden. „Das ist besser, als ganz in Schwarz zu fahren.“

Ruhiges Anfahren Teilweise liegt noch Splitt auf den Straßen, Reifen und Asphalt sind relativ kalt. „Dadurch kann man schneller die Kontrolle verlieren. Da sollte man nicht sofort volle Kanne fahren und tief in die Kurve gehen“, sagt Gottschalk.

Vorausschauend fahren Das heißt: Auch mal auf die Vorfahrt verzichten. „Der Motorradfahrer ist der, der am wenigsten Schutz hat. Da heißt es: „Lieber einmal zu viel vom Gas als einmal zu wenig“, empfiehlt Gottschalk, mahnt auch bei Vorfahrt zur Vorsicht.

Sicherheitstrainings Organisationen, wie die Verkehrswacht oder der ADAC, bieten regelmäßig die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu überprüfen und zu verbessern. „Auch da sollte man mal überlegen, ob man nicht ein paar Euro investiert“, sagt Manfred Gottschalk.

Polizei hat keine Erklärung für gestiegene Unfallzahlen

Dass dieses Geld gut investiert sein kann, zeigt ein Blick in die Unfallstatistik des Landkreises von 2014: 71 Unfälle gab es mit Motorrädern über 125 Kubikzentimeter. Bei 66 davon haben sich die Fahrer mindestens leicht verletzt. Zwei Fahrer wurden getötet. Die traurige Bilanz: Das ist eine Steigerung gegenüber 2013. Damals starb ein Fahrer, insgesamt 51 Motorradunfälle zählte die Polizei. Auch die Zahl der Schwerverletzten ist von elf auf 28 gestiegen. Eine Erklärung für die Anstiege hat die Polizei in Augsburg nicht. „Vielleicht liegt es auch einfach am Wetter. Je schöner das Wetter, desto mehr Motorräder sind auf der Straße“, sagt Gottschalk.

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