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Königsbrunn

10.07.2019

Trauernde Mutter fordert mehr Trixi-Spiegel

Für Sunyela Roider ist das ein schwerer Besuch. Zum Gedenken an ihre tödlich verunglückte Tochter Chiara steht das weiße Fahrrad an der Kreuzung, wo es zu dem tragischen Unfall kam. Jürgen Göttle, der sich als Königsbrunner Stadtrat und Schulweghelfer für den Trixi-Spiegel stark macht, zeigt wie einfach ein Unfall dieser Art verhindert werden kann.
Bild: Claudia Deeney

Vor vier Jahren starb die Tochter von Sunyela Roider bei einem Verkehrsunfall. Den Verlust hat sie nicht überwunden und setzt sich deshalb gemeinsam mit Schulweghelfer Jürgen Göttle für mehr Prävention ein

Am 30. Juni jährte sich der Todestag von Chiara Roider zum vierten Mal. Die damals kurz vor ihrem 20. Geburtstag stehende junge Frau radelt an diesem sonnigen Dienstag von Augsburg nach Königsbrunn. Auf dem Fahrradweg in die richtige Richtung, und sie hat grün an der Kreuzung, die sie überqueren möchte. Grün hat auch der Lastwagenfahrer, der in der gleichen Richtung unterwegs ist und an der gleichen Kreuzung rechts abbiegen will. Und die Radfahrerin nicht sieht, wahrscheinlich auch gar nicht sehen kann im sogenannten toten Winkel.

Das schwere Fahrzeug erfasst die junge Frau und überrollt sie. Das ungleiche Kräfteverhältnis zwischen den beiden Verkehrsteilnehmern überlebt Chiara nicht. Im Krankenhaus erliegt sie ihren schweren Verletzungen.

Ihre Mutter Sunyela Roider wird diesen Tag, diese Stunden des Abschiedsnehmens von ihrem Kind nie vergessen und den Verlust nie verwinden, wie sie sagt. Sie erzählt mit ruhiger Stimme aber mit Tränen in den Augen, wie sich von einer Sekunde auf die andere ihr eigenes Leben, das von Chiaras Schwester, sowie Angehörigen und Freunden verändert hat. Vom Schmerz des Loslassens, vom stundenlangen Begleiten ihres Kindes in eine andere Welt, von der Beerdigung – alles ist noch ganz präsent und wird es wohl auch immer bleiben.

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Trixi-Spiegel sollen in Königsbrunn Unfälle vermeiden

Der Königsbrunner Stadtrat und Schulweghelfer Jürgen Göttle trifft Sunyela Roider in Anwesenheit unserer Zeitung zum ersten Mal. Und wie viele Königsbrunner kennt er ihr Schicksal, es aber persönlich erzählt zu bekommen, berührt ihn sichtlich. Selbst Vater von zwei Kindern bestätigt ihn dieses Gespräch darin, dass sein Engagement für den Trixi-Spiegel notwendig und wichtig ist und er damit auch zukünftig weiter machen wird. Göttle kennt den Erfinder der Trixi-Spiegel persönlich und ist so von dem Projekt überzeugt, dass er möglichst viele Menschen darauf aufmerksam machen will.

Denn dieser Spiegel kann Leben retten, und wurde von Ulrich Willburger genau für die Straßenverkehrssituation entwickelt, die Chiara und viele weitere Menschen das Leben gekostet haben. Willburgers Tochter Beatrix wurde vor vielen Jahren ebenfalls von einem Lastwagen-Fahrer übersehen, überlebte den Unfall seinerzeit schwer verletzt. Daraufhin entwickelte der Vater den Spiegel und benannte ihn nach seiner Tochter.

Zusammen fahren Jürgen Göttle und Sunyela Roider zur verhängnisvollen Kreuzung in Haunstetten. Göttle möchte zeigen, wie der Spiegel funktioniert.

Möglichst weit oben angebracht an einer Ampel oder auch an einer eigens errichteten Stange zeigt der Spiegel in Richtung Fahrradweg. So können Brummi-Fahrer beim Abbiegen nach rechts im Spiegel ihr gesamtes Umfeld rechtsseitig sehen, auch Radfahrer, die direkt neben ihnen fahren oder auch bei roter Ampelschaltung neben ihnen stehen. „Genau das können die Fahrer nämlich ohne den Spiegel nicht, meistens haben sie im Gegensatz zu Bussen keine verglaste Beifahrerseite. Von ihrem Sitz aus können sie einfach nicht sehen, was rechts neben ihnen ist“, erklärt Göttle den Sachverhalt und führt den mitgebrachten Spiegel auch gleich mal vor. Für Sunyela Roider ist klar erkennbar: Ja, man sieht jetzt Radfahrer oder auch Fußgänger.

„Da gibt es für mich doch gar keinen Zweifel, als Mutter fordere ich Städte und Gemeinden auf, diese Spiegel aufzuhängen, es passieren immer noch viel zu viele Unfälle dieser Art“.

Die Spiegel sind günstig und effektiv

Auch Göttle sieht das so und betont auch, dass der Trixi-Spiegel eine relativ kostengünstige und effektive Maßnahme sei. Der ursprüngliche Typ wurde mittlerweile weiterentwickelt, ist durch eine orangefarbene Schirmvorrichtung sichtbar auffälliger und weniger witterungsanfällig.

Der Spiegel kann leicht befestigt werden, wie Göttle es formuliert: „Mit sehr wenig Aufwand viel Schutz erreichen, besser geht es doch gar nicht“. Natürlich gibt es auch an Lastkraftwagen Verbesserungen, diese nutzen aber nur, wenn alle Nutzfahrzeuge damit ausgerüstet sind, was bei ausländischen Fahrzeugen keineswegs gesichert ist. Wenn man Vorrichtungen als Fahrer auch abschalten kann, ist die Nutzung ebenfalls nicht gewährleistet. Der Trixi-Spiegel hingegen hängt und zwar so weit oben, dass er auch nicht von Passanten einfach mal verstellt werden kann und egal welche Fahrzeuge rechts abbiegen, die Fahrer sehen beim Hineinschauen, ob Fahrradfahrer kommen oder nicht.

In Königsbrunn wurden auch schon einige Spiegel aufgehängt, sowie in Augsburg und umliegenden Städten. Jedoch längst nicht genügend, wie Roider und Göttle finden. Die Stelle an der Chiara verunglückte beispielsweise ist noch spiegellos, obwohl dort tagtäglich viele Fahrradfahrer und aus Lastwagen unterwegs sind.

Der Appell der Mutter, die nach wie vor in Therapie ist und sich einer Trauergruppe angeschlossen hat, ist einfach, aber mit Nachdruck formuliert: „Verantwortliche in den Städten und Gemeinden mit Gewissen müssen dafür sorgen, dass die Spiegel aufgehängt werden - es muss doch irgendwann Schluss sein mit tödlichen Unfällen dieser Art“.

Wer sich weiter zu den Trixi-Spiegeln informieren möchte, kann Kontakt aufnehmen per Mail an: trixispiegel@goettle-trade.de

Erfahren Sie mehr zum mitunter schweren und gefährlichen Stand der Radfahrer in Augsburg in der neuen Folge unseres Podcast "Augsburg, meine Stadt".

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