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Kultur

11.05.2015

Turbulenzen mit Familie Öztürk

Darf ein Türke seine Frau „Schatz“ nennen? Das ist nur ein Detail beim Blick ins türkische Familienleben.
Bild: Ingeborg Anderson

Ein Theaterstück gibt witzige Einblicke ins türkische Familienleben. Aber ist es so? Einige Zuschauer haben Zweifel

Halime Öztürk wünscht sich, dass ihr Mann Ali romantischer ist, dass er sie Schatz nennt. Aber Ali weiß: „Wenn türkische Männer ihre Frauen so nennen, haben sie den Namen ihrer Frau schon vergessen.“ Eine Pointe zu Beginn des jüngsten interkulturellen Theaterstücks in Bobingen, die vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurde. Und Szenenapplaus gab es während der gesamten Aufführung in der Singoldhalle, wo das Ensemble „Halber Apfel“ vor etwa 300 Besuchern das Stück „Almanya ich liebe dich“ spielte. Die Komödie von Murat Isboga thematisiert, mit welchen Problemen türkische Familien in Deutschland kämpfen und wie sie damit umgehen. Dabei werden auf witzige Weise wichtige Themen angesprochen: Schule und Ausbildung etwa. Oder Generationskonflikte und die Bewerbung um einen Job sowie das Verhältnis zur Familie, zu Freunden und deutschen Nachbarn.

Der Autor Murat Isboga spielte selbst die Hauptrolle, den Familienvater Ali, der mit familiären und beruflichen Unerquicklichkeiten kämpft. Schwiegersohn Yusuf hat sich mit seinem Vater zerstritten und ist mit seiner Frau bei Öztürks eingezogen, wo er Halime bei der Hausarbeit hilft. Tochter Zeynep möchte ihren Schulabschluss nachholen und weiter lernen und die neue Nachbarin arbeitet beim Arbeitsamt und will Ali zum Bewerbungstraining schicken. Dass dabei sämtliche Klischees bedient wurden und Ali das Publikum immer wieder einbezog, machte den Witz dieses Comedy-Theaters aus. Das brachte so türkische Besucher vielleicht zum Nachdenken und gab Deutschen Einblicke in türkische Familienverhältnisse.

Unter den überwiegend türkischen Theaterbesuchern war Halime Nur Kardenan aus München. Sie fand das Stück lustig: „Aber heute ist es nicht mehr ganz so. Auch in den türkischen Familien ist die Bildung wichtig geworden“, sagte sie.

Das zeigten auch die szenischen Rückblenden in die 80er Jahre – in den türkischen Familien und in den interkulturellen Beziehungen hat sich tatsächlich einiges geändert.

Am Ende gab es viel Applaus für die acht Akteure für den vergnüglichen und lehrreichen Theaternachmittag. Als Veranstalter hinter dieser Aufführung stand das Augsburger Bildungszentrum Frohsinn, das sich seit fast 20 Jahren mit Bildungs- und Betreuungsangeboten um gutes interkulturelles Zusammenleben bemüht. (inge)

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