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Kunstverein

14.12.2019

Über den Sinn des Schenkens

Gleich sechs Stücke brachte die Theatergruppe des Kunstvereins auf die Bühne.
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Gleich sechs Stücke brachte die Theatergruppe des Kunstvereins auf die Bühne.

Die Theatergruppe spielt im Kunsthaus Schwabmünchen statt einem langen gleich sechs kürzere Stücke. Das bringt eine große Bandbreite und überzeugt das Publikum

Die Idee ist neu, zumindest ziemlich neu: Man spielt zur Weihnachtszeit nicht ein langes Theaterstück, sondern gleich mehrere kürzere Stücke. So geschehen beim Kunstverein Schwabmünchen, bei dem in den vergangenen fünf Jahren zehn Werke unterschiedlichster Art aufgeführt wurden. Diesmal stellte Alfred Vogler sechs Stücke zusammen – drei ernste, drei fröhliche, mit dem Oberbegriff: „geh:schenke, Geschichten rund ums Schenken, und das aus unterschiedlichsten Sichtweisen“.

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Es ist schon erstaunlich: Bei drei Aufführungen der Stückesammlung vor insgesamt 400 Theater- und Kunstverein-Freunden wirken die Aufführungen jedes Mal anders. Das Publikum lacht oder zeigt Betroffenheit an unterschiedlichen Stellen. Alfred Vogler, der einmal mehr die Gesamtleitung hatte und die Einakter be- und überarbeitete, erklärt das so: „Am Freitag wollen sich die Leute von der Arbeit erholen, am Samstag mehr unterhalten, am Sonntag das Wochenende schön ausklingen lassen.“

Allen drei ausverkauften Aufführungen gemeinsam war, dass es riesigen Zwischen- und Schlussapplaus mit mehreren Vorhängen gab. Wofür? Da war einerseits die einfallsreiche, witzige und interessant hinführende Moderation von Kersten Thieler-Küchle und Angelika Maucher, da waren andererseits die gelungenen Inszenierungen durch Alfred Vogler, und da waren aber natürlich auch die sechs mehr oder weniger bekannten Stücke von unterschiedlichen, mehr oder weniger berühmten Autoren.

Über den Sinn des Schenkens

Los ging es mit „das Geschenk der Weisen“ von O. Henry. Ein Ehepaar verkauft jeweils das Stolzeste, das es selbst besitzt, um dem anderen ein Weihnachtsgeschenk machen zu können. Mit dem Effekt: Sie erhält tolle Haarkämme, hat aber ihre Haarpracht verkauft. Er erhält eine Taschenuhrkette, hat aber die Uhr verkauft. „Das Paket des lieben Gottes“ von Bertold Brecht spielt 1908 in Chicago, dem dortig härtesten Winter mit extremer Arbeitslosigkeit und Armut. Da sind ganz spezielle Weihnachtsgeschenke gefragt. Für einen Mann ist nicht der Inhalt, sondern die Verpackung der größte Glücksmoment. Auf dem Zeitungspapier steht, dass die Tat aufgeklärt ist, für die er bisher als Täter galt.

„Eine Kette“, geschrieben von Alfred Vogler selbst, erzählt mehrere üble Erfahrungen aus dem zwischenmenschlichen Bereich voneinander abhängiger Menschen und bietet am Ende unterschiedliche Lösungsansätze für die diffizilen Problematiken.

„Das Klavier“, von Altmeister Loriot, das und den wohl jeder kennt. Ein Film wird in der Wohnung der Familie gedreht, als das Geschenk der Mutter ankommt: witzig, skurril, entlarvend.

„Beim Weihnachtsmann“, aus dem Archiv des Bayrischen Rundfunks, geht es um die traditionelle und moderne Art des Geschenke-Überbringens. Doch beide gehen gründlich schief.

Den Abschluss bildet der große „Geschenke-Tausch“. Eine Familie will sich statt Materiellem Finanzielles schenken. Zum Schluss tauschen sie alle miteinander nur jeweils 50-Euro-Scheine.

Auch wenn in keinem der Stücke der Oberlehrer zum Tragen kommt, irgendwie regte der Abend doch dazu an, mal wieder über das Schenken zu Weihnachten nachzudenken, seinen Sinn und Unsinn, die Grundidee, die Werthaftigkeit, die Art der Ausführung.

Eines steht jedenfalls fest: An den drei gelungenen Abenden wurde das Publikum von den zwölf Schauspielern, die in die unterschiedlichsten Rollen schlüpften, und den weiteren acht Mitwirkenden, reichlich beschenkt.

Und das nächste Geschenk geht Alfred Vogler schon im Kopf um: Im Mai soll wieder gespielt werden, eventuell ein ernsthaftes Stück, in dem es um Arbeitsproblematik geht.

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