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Königsbrunn

25.11.2018

Unter dem Kies liegen keine Schätze

Die oberste Erdschicht auf der Brache an der Marktstraße wurde von den Archäologen abgetragen. Die Via Claudia verläuft unter dem Gebäude des Ordnungsamts im Hintergrund.
Bild: Adrian Bauer

Archäologen haben an der Königsbrunner Marktstraße gegraben. Dass sich trotz der Nähe zur Via Claudia nichts findet, liegt wohl an der jüngeren Stadtgeschichte.

In den letzten Tagen wurde auf der Brachfläche an der Königsbrunner Marktstraße fleißig gegraben. Mit den Bauarbeiten für das neue Gebäude der GWG hatte das allerdings nur am Rande zu tun. Ein Augsburger Team von Archäologen hat vier Tage lang auf dem Gelände nach Spuren aus der Geschichte gesucht. Mit Sensationsfunden hatte man auf dieser Fläche nicht gerechnet, ein paar Stellen wurden aber genauer begutachtet.

Dass die Archäologen trotz der Nähe des Geländes zu den Überresten der Via Claudia Augusta eher nicht mit unentdeckten Römersiedlungen oder Gräberstellen gerechnet hatten, liegt an der jüngeren Geschichte. „Dort war zuerst ein Bauernhof und dann die Kreissparkasse“, sagt Sibylle Leimer, Leiterin der Abteilung Bautechnik bei der GWG. Nichtsdestotrotz können sich solche Grabungen durchaus trotzdem lohnen, sagt Alexander Lebeda, Inhaber der ausführenden Firma Planateam Augsburg: „Es war nicht die gesamte Fläche bebaut. Zudem finden sich im Umfeld römischer Straßen oft Gräben, manchmal auch Brunnen, die tiefer in die Erde gehen, sodass man noch etwas findet.“

Moderne Bebauung vernichtet historische Spuren

Auf der Suche nach historischen Spuren mussten die Forscher daher ein wenig graben. Konkret wurde der Boden etwa 20 bis 50 Zentimeter tief abgetragen. Danach wurde geprüft, ob sich darunter „ungestörter Boden“ befindet – also Erdreich, das nicht durch die Nutzungen der letzten Jahrzehnte beeinträchtigt und damit verändert wurde. Auf Äckern gehen die Pflugscharen nicht so tief, das historische Spuren beschädigt würden. Moderne Bebauung beinhaltet aber meist Keller oder tiefe Baugruben, die frühere Spuren menschlichen Lebens vernichten. Dies war an der Marktstraße wohl der Fall, sagt Lebeda: „Es war ganz oben viel Kies zu sehen und kein Humusboden. Anscheinend wurde das Areal beim Abriss der vorherigen Bebauung schon einmal abgeräumt.“

Zwar fanden sich auf einigen Teilbereichen des Geländes Bodenspuren, die eine nähere Betrachtung rechtfertigten: „Allerdings haben sich die Pfosten und Gruben allesamt als modern erwiesen“, sagt Lebeda. Nur zwei Befunde wurden zur näheren Analyse mitgenommen, da diese möglicherweise aus dem Mittelalter stammen könnten. Eine genaue Bestimmung stehe noch aus, da die Funde nur daumennagelgroß sind.

Neues Königsbrunner Zentrum für Behördengänge

Mit dem Abschluss der archäologischen Untersuchung ist auch sichergestellt, dass die Planungen für die neue Nutzung weiterlaufen können. Die Stadt plant im Erdgeschoß des neuen Gebäudes ein Servicezentrum für die Bürger, wo diese die wichtigsten Behördengänge an einem Ort erledigen können. Das Dienstzimmer der Polizei soll dort untergebracht werden, ebenso wie neue Räume für die Volkshochschule. In den oberen Geschoßen entstehen neue Mietwohnungen, die den Bestand der GWG vergrößern werden. Das Büro Eberle-Architekten hat bei einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag bekommen. Das Konzept wird nächste Woche vorgestellt. 2022 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

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