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Landkreis

24.04.2017

Vater nimmt Tochter in den Schwitzkasten

Ein Mann musste sich wegen eines Angriffs auf seine Tochter vor Gericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Nach einem Streit mit seiner Ehefrau geht der Mann auf die 17-Jährige los. Ein angeblicher Messerangriff ist nicht nachweisbar.   

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegen seine Tochter hat das Amtsgericht Augsburg einen 67-Jährigen verurteilt. Der Rentner muss deshalb eine Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro (90 Tagessätze zu je 20 Euro) zahlen. Richterin Susanne Scheiwiller sprach den Angeklagten zudem vom zweiten Vorwurf der versuchten gefährlichen Körperverletzung gegen seine Frau frei.

Zwischen dem Angeklagten und seiner (Noch-)Ehefrau kam es im März vergangenen Jahres zu einer häuslichen Auseinandersetzung, in die letztendlich auch die 17-jährige Tochter geriet. Hintergrund waren wohl Streitigkeiten um Geld. „Immer musste ich alles zahlen. Aber fressen durfte ich nix. Noch nicht einmal erlaubte sie mir, eine Roulade aus dem Schnellkochtopf zu nehmen“, sagte der heute schwer erkrankte Rentner unter Tränen.

Angeklagter zeigt sich erschrocken über sein Verhalten

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An viele Details konnte er sich vor Gericht nicht mehr erinnern. Vielmehr zeigte sich der 67-Jährige nicht selten über sein Verhalten erschrocken. Möglicherweise hatten seine Ausraster mit seinem Alkoholkonsum zu tun – er hatte damals einen Wert von 1,16 Promille.

Der Angeklagte wollte an jenem Tag eine Roulade in der Küche essen. Gerade als er mit einem Besteckmesser ein Stück Fleisch aus dem Topf nehmen wollte, kam nach seinen Angaben die (Noch-)Ehefrau herein und schrie: „Da frisst du nix!“ Vor Zorn hätte er daraufhin das Messer „laut auf die Arbeitsplatte geknallt.“ Dem widersprach die Frau. Sie war überzeugt, dass der Mann das Messer halbseitlich hinterrücks nach ihr werfen wollte. Sie war sich sicher, dass ihr Ehemann sie treffen wollte.

Nicht die Roulade war Auslöser, sondern ein Handy

In die Auseinandersetzung mischte sich dann die Tochter der beiden ein. Auslöser dieses Streits war jedoch nicht mehr die Roulade, sondern ein Handy, das der Angeklagte seiner Frau gekauft hatte. Und dieses Gerät wollte der Mann wieder zurückhaben. Das gefiel der Tochter nicht. Der Angeklagte nahm sie daraufhin in den Schwitzkasten, wobei er mit seinen Ellbogen so fest gegen ihren Hals drückte, dass die 17-Jährige kurzzeitig kaum noch Luft bekam. Die Jugendliche wollte anschließend in ihr Zimmer flüchten, doch der 67-Jährige packte sie erneut im Flur und drückte seine Tochter mit dem Gesicht gegen die Wand. Dabei soll er sie als „kleine Ratte“ tituliert haben.

Den Tathergang konnte sich der Angeklagte nicht so recht vorstellen. Erst nach längerem Überlegen rang er sich zu einer Entschuldigung durch. Gegen den Mann aus dem südlichen Landkreis hatte ein Beamter an jenem Abend auch ein Kontaktverbot sowie einen Platzverweis ausgesprochen.

Verteidiger fordert Freispruch

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragte in ihrem Plädoyer acht Monate, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollten. Sie stufte die Aussagen von Mutter und Tochter als nicht abgesprochen ein. Erhebliche Bedenken hinsichtlich deren Glaubwürdigkeit hegte hingegen Verteidiger Norbert Krix. Er plädierte auf Freispruch.

In ihrem Urteil erklärte Richterin Susanne Scheiwiller, dass der Messerwurf nicht gezielt war und kein Vorsatz zu erkennen gewesen wäre. Sie kritisierte jedoch die vorsätzliche Körperverletzung gegenüber der Tochter. Einen Antrag auf Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro lehnte die Richterin ab.

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