Zunächst sind es nur Zahlen auf einem Stück Papier: 1190 Dienstposten fallen bei der Bundeswehr auf dem Lechfeld weg. Doch hinter jeder Zahl steht ein Mensch, ein Schicksal. Auch wenn noch keiner genau weiß, wann und wie ihn genau die Bundeswehrreform treffen wird, steht doch eines fest: Etliche Soldaten werden aus beruflichen Gründen das Lechfeld und damit ein komplettes soziales Umfeld verlassen müssen.
„Ich war selbst mehr als 34 Jahre Berufssoldat. Ich weiß, was das sozial bedeutet, wenn man alle Zelte abbrechen muss und irgendwo anders wieder von vorne anfangen muss“, sagt Raimund Hach. Diese Erfahrung war eine der Gründe, warum er sich von Beginn an bei der Bürgerinitiative Pro Lechfeld und für den Erhalt des Bundeswehrstandortes Lechfeld engagiert hat.
„Diese Reform wird ganze Gemeinden beeinflussen“, ist sich Hach sicher. Viele Soldaten sind in ihrer Freizeit in Vereinen, Kirchen oder Verbänden aktiv. All diese Ehrenamtlichen werden wegbrechen, so Hach. Und mit ihnen ganze Familien. „Auch auf die Zahl der Kinder in Schulen und Kindergärten wird sich die Auflösung des Geschwaders auswirken.“
Gerhard Mößner war selbst zehn Jahre bei der Flugplatzfeuerwehr
Auch Gerhard Mößner leidet mit den vielen Soldaten und zivilen Beschäftigten, die früher oder später ihren Arbeitsplatz auf dem Lechfeld verlieren. Denn Oberottmarshausens Bürgermeister war selbst zehn Jahre bei der Flugplatzfeuerwehr beschäftigt. „Ich fühle als Angestellter mit“, sagt Mößner, dessen Arbeitsverhältnis gerade ruht. Früher habe es geheißen, wenn einer bei der Bundeswehr arbeitet, dann sei das ein sicherer Arbeitsplatz. Diese Zeiten sind vorbei. „Kurzlebig“ sei heutzutage alles geworden, meint Mößner.
Es ist ihm anzuhören, wie nahe ihm die Entscheidung geht. Aber nicht nur ihm: „Als Arbeitnehmer identifiziert man sich total damit, das ist ,unsere‘ Bundeswehr“, sagt Mößner. Er kennt diese Situation aus Leipheim an der Donau (Landkreis Günzburg).
Dort wurde Ende 2008 der Fliegerhorst geschlossen. Mößner beschreibt die Szenerie damals als unwirklich – „wie in einer Geisterstadt“. So schnell wird das auf dem Lechfeld nicht der Fall sein, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die 1190 Dienstposten endgültig wegfallen und für viele Beschäftigte ein neues Leben beginnt. (utb, wesa)