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Landkreis

17.07.2017

Verliert die Natur gegen die Wirtschaft?

Der Landkreis Augsburg steht in Bayern schon an zweiter Stelle beim Flächenverbrauch. Über den nachhaltigen Umgang mit Grund und Boden wurde in Stadtbergen kontrovers diskutiert. Unser Bild zeigt das Industriegebiet Gersthofen aus der Luft.
Bild: Marcus Merk

Die Bundestagskandidaten diskutieren über den zunehmenden Flächenverbrauch

Immer mehr Gewerbegebiete und Discounter auf der grünen Wiese, Neubausiedlungen am Ortsrand, Straßenneubauten: Die Landschaft wird zunehmend zersiedelt. Stichwort Flächenfraß. Täglich wird in Bayern laut Bund Naturschutz eine Fläche von 25 Fußballfeldern verbaut.

Dies macht der Kreisgruppe Augsburg des Bund Naturschutz große Sorgen, zumal der Landkreis beim Flächenverbrauch unter allen Landkreisen in Bayern bereits an zweiter Stelle stehe. „In 400 Jahren ist im Landkreis, wenn es so weiter geht, alles überbaut“, so Kreisvorsitzender Johannes Enzler bei einer Podiumsdiskussion im Stadtberger Bürgersaal mit dem Titel „Nachhaltiger Umgang mit Grund und Boden“. Es diskutierten: Bundestagsabgeordneter Hansjörg Durz (CSU), SPD-Landtagsabgeordneter Herbert Woerlein, Grünen-Bundestagskandidat und Kutzenhausener Gemeinderat Franz Bossek. Den rasanten Flächenverbrauch monierte auch Dr. Ludwig Fink, Vorsitzender der Stadtberger Naturschützer. Sein Appell: Städte sollten Flächen erwerben, über Bebauungspläne Erschließung und Gestaltung bestimmen und: „Wo Verkaufsbereitschaft von Privatleuten besteht, muss eine Kommune zuschlagen!“

Dass der Flächenverbrauch das „größte ungelöste Umweltproblem Bayerns“ ist, verdeutlichte Thomas Frey, Regionalreferent des Bund Naturschutz für Schwaben. Freiflächen müssten als Erholungsraum, zur Frischlufterneuerung, zum Schutz der Böden und des sauberen Grundwassers, als Anbaufläche für Nahrungsmittel und Energiepflanzen erhalten werden, machte er in einigen Beispielen deren Bedeutung deutlich.

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Aktuelle politische Entscheidungen wie der Paragraph 13 des Baugesetzbuchs würden den Flächenfraß ankurbeln. Auf dem Land würden zu viele Einfamilienhäuser errichtet. Die Wohnungsbaupolitik müsse sich ändern, so Frey. Auch die Beschlüsse im Bundesverkehrswegeplan der letzten Jahre führten zu weiterem Flächenfraß; als Beispiel nannte Thomas Frey die geplante Osttangente um Augsburg.

Hansjörg Durz (CSU) verwies darauf, dass die den Flächenverbrauch betreffenden Zahlen deutschlandweit im Bundesgebiet anders aussähen als in Bayern: der Flächenverbrauch verringere sich, „die Richtung stimmt“. Der hohe Flächenverbrauch in Bayern sei auch durch den hohen Zuzug bestimmt. Die Kommunen selbst könnten die Rahmenbedingungen für die Entwicklung ihres Umfelds bestimmen.

Franz Bossek hingegen will den Kommunen „die Hoheit wegnehmen“, den Flächenverbrauch selbst zu bestimmen. Dieser sollte zentral zugeteilt werden, Kommunen sollten ihre Flächen über einen Zertifikathandel auf dem freien Markt handeln können. Zudem regte er eine Änderung der Grundsteuer an für Leerstände, um einen Anreiz zum Verkauf zu schaffen.

Der Kritik seitens der Grünen und auch aus dem Publikum an der Ansiedlung großer Betriebe im Lechfeld stellte Hansjörg Durz die dadurch entstandenen Arbeitsplätze entgegen. „Es geht immer nur um Wachstum“, kritisierte Herbert Woerlein. Die Bereiche Wirtschaft und Ökologie müssten gleichwertig nebeneinander stehen. Er forderte einen „Paradigmenwechsel“.

Einig waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion in der Forderung nach Nachverdichtung der Dörfer und Städte - also Nutzung von Baulücken, von Leerständen, Brachflächen. Durz erinnerte aber auch an die vielen Konflikte, die es in der Regel dabei in Kommunen bei der Umsetzung gäbe. Einig waren sich die Redner darin, dass man künftig in die Tiefe und Höhe bauen sollte - doch auch dies sei, was das Grundwasser anbelange etwa in Königsbrunn, differenziert zu betrachten, erinnerte Durz.

Bei der Nachverdichtung und Schließung von Baulücken gelte es, den Bestand und somit den Charakter der Ortschaften zu erhalten, bestätigte Durz auf die Befürchtung einer Besucherin, dass bei der Nachverdichtung auch historischer Bestand zerstört werden könne.

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