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Großaitingen

10.02.2019

Volksbegehren: vom Artensterben und weniger Honig

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Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ stößt auch in Großaitingen auf großes Interesse.
Bild: canbedone, stock.adobe.com (Symbolbild)

Bei einem Diskussionsabend in Großaitingen erklären Gegner und Befürworter des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ ihre Sicht der Dinge.

 Obwohl dieser Diskussionsabend sehr kurzfristig angesetzt wurde, kamen so viele Menschen in den Großaitinger Pfarrsaal, dass selbst die dichte Bestuhlung nicht ausreichte und etliche Besucher sich mit Stehplätzen begnügen mussten.

Ein Zeichen dafür, dass das Thema des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ auf großes Interesse stößt und viele Bürger noch unsicher in ihrer Entscheidung sind.

Biobauer Hans Pfänder aus Schwabmünchen unterstützt das Volksbegehren

Pfarrer Hubert Ratzinger hat sich des Themas angenommen und wegen seiner Fürsprache zur Eintragung verärgerte Reaktionen von Landwirten auf sich gezogen. Deshalb besetzte er das Podium mit Befürwortern und Gegnern. Die Moderation übernahm Hans-Dieter Laser von der Kirchenverwaltung. Als erster gab der Schwabmünchner Biobauer Hans Pfänder sein Statement ab. Er unterstützt das Volksbegehren und meint, dass auch die konventionelle Landwirtschaft durch dessen Ziele nicht ruiniert werde. „Wir müssen alle mehr zur Erhaltung der Artenvielfalt tun als bisher, nicht nur die Landwirte. Aber die Landwirte bewirtschaften mehr als die Hälfte der Fläche und haben deshalb eine größere Verantwortung“, sagte Pfänder, der seit 35 Jahren seinen Biobauernhof betreibt.

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Er wies darauf hin, dass bereits im Koalitionsvertrag der neuen bayerischen Staatsregierung das Ziel von 20 Prozent ökologischer Anbauflächen vereinbart wurde. Derzeit werden in Bayern rund zehn Prozent der Anbaufläche nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. „Da ist das Ziel des Volksbegehrens, bis zum Jahr 2030 auf 30 Prozent zu kommen, doch nicht so schlimm“, meinte Pfänder. Auch die weiteren Forderungen, wie Dauergrünlandflächen ab einem Hektar zum Schutz von Wild von innen nach außen zu mähen, die erste Mahd auf zehn Prozent der Fläche nicht vor dem 15. Juni durchzuführen, nach dem 15. März nicht mehr zu walzen und ab dem Jahr 2022 nicht mehr flächenhaft Pflanzenschutzmittel einzusetzen, hält Pfänder für zumutbar. Er wies darauf hin, dass das absolute Verbot von Pflanzenschutzmitteln nur für gesetzlich geschützte Biotope und nicht für die ganze Landwirtschaft gelte.

Kreisobmann des Bauernverbands befürchtet Lebensmittelimport aus dem Ausland

Walter Schuler, der stellvertretende Kreisobmann des Bauernverbandes aus Königsbrunn, sagte: „Uns stört massiv, dass nur die Landwirtschaft zu Maßnahmen verpflichtet wird und nicht alle Grundstücksbesitzer.“ Er befürchtet, dass durch die geforderten Einschränkungen heimische Lebensmittel teurer werden und dann vermehrt aus dem Ausland importiert werde. Bio- und Konventionelle Landwirtschaft sollten nicht auseinander dividiert werden. Er wies auf die Aktion der Kreisbäuerin Andrea Mayr hin, bei der für jeden Euro Spende zwei Quadratmeter Blühstreifen angelegt werden.

Anton Altmann sprach sich als Vertreter des Großaitinger Imkervereins für das Volksbegehren aus, „auch wenn es keine Aktion der Imker ist“. Er stellt als Imker mit 30-jähriger Erfahrung massive Veränderungen bei den Bienenvölkern fest. „Das Artensterben ist unbestreitbar und die Honigproduktion ging um etwa die Hälfte zurück“, sagte Altmann und sieht die Gründe dafür neben der Varroamilbe auch in der Mangelernährung infolge des Abmähens und der Schädigung der Bienenvölker durch Neonicotinoide. Sein Fazit lautet: „Das Volksbegehren geht in die richtige Richtung, auch wenn noch Nachbesserungsbedarf besteht. Es abzulehnen, wäre fatal.“

Ein Plädoyer für die Bauern nicht nur in Großaitingen

Ein überzeugendes Plädoyer für die Bauern sprach der Großaitinger Ortsobmann Stefan Hutter aus. Er machte deutlich, dass sie durchaus verantwortungsvoll mit der Natur umgehen und beim Düngen Abstände zu Gewässern einhalten, sowie Pflanzenschutzmittel nur zur Bekämpfung von Schädlingen einsetzen, damit gesunde Lebensmittel produziert werden können. Die vom Volksbegehren geforderten Beschränkungen sieht er als „übertriebene Planwirtschaft“ an. Die Landwirte würden zum alleinigen Buhmann gemacht und andere Ursachen des Artensterbens wie die Flächenversiegelung durch Bau- und Gewerbegebiete, sowie der Straßen- und Flugverkehr außer Acht gelassen. In seinem Fazit mahnte er auch das Konsumverhalten mit der Frage an: „Sind in ihrem Einkaufskorb auch 30 Prozent Bioprodukte drin, wenn sie das von den Landwirten fordern?“

Zustimmung erntete Hutter von den Großaitinger Bauern Alois Wagner, der auf die notwendige Bekämpfung des giftigen Jakobskreuzkrautes hinwies und von Josef Weber, der die Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln betonte. Gabriele Olbrich-Krakowitzer (ÖDP) hielt dagegen, dass die Ernährung der Menschheit vor allem durch Reduzierung des Fleischkonsums gesichert werden könnte, und wies darauf hin, dass das Volksbegehren auch vom Max-Planck-Institut als wichtig erachtet wurde.

Pfarrer Hubert Ratzinger ist für das Volksbegehren

Stephan Kreppold wies als Sprecher des Arbeitskreises Landwirtschaft im Bund Naturschutz auf die „grandiose Stickstoffüberdüngung und viel zu hohe Nitratbelastung hin“ und forderte: „Wer Artenvielfalt will, muss auf Agrarchemie verzichten“. Pfarrer Hubert Ratzinger schloss die sachlich und ohne Polemik geführte Diskussion mit der Feststellung ab: „Ich bin dankbar für das Volksbegehren, weil es dazu beiträgt, dass ein Umdenken für die Bewahrung der Natur unseres Schöpfers einsetzt. Die Diskussion hat zum Ausdruck gebracht, dass jeder von uns dazu aufgefordert ist.“

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