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Märchenabend

28.10.2013

Vom Teufel, einer goldenen Flöte und dem wilden Tier

Ali Sanli Hizal und Brigitte Bollinger in der Buchhandlung Schmid beim Märchenabend zum Gedenken an den vor 150 Jahren verstorbenen Jakob Grimm, dem ältesten der berühmten Brüder Grimm.
Bild: Doris Wiedemann

Brigitte Bollinger erzählt Grimms Geschichten in der Buchhandlung Schmid

Schwabmünchen Kleine Kinder waren keine da. Aber die Großen lauschten ebenso gebannt als Brigitte Bollinger, 51, in der Buchhandlung Schmid erzählt, wie das Herz des reichen Bauern zum Ende seines Lebens ganz ehrlich bekennt, dass es hart und habgierig gewesen sei. Und wie der geläuterte Geizhals daraufhin seinem armen Nachbarn Getreide schenkt und dieser dafür seine Seele vor dem Teufel rettet.

„Meine Tochter wollte Märchen nicht vorgelesen, sondern lieber erzählt bekommen“, erinnert sich Bollinger an den Anfang ihrer Karriere als Märchentante. Inzwischen sei die Tochter erwachsen und Bollinger erzählt immer noch. In der Buchhandlung Schmid fesselt sie ihre ebenfalls bereits erwachsenen Zuhörer mit Märchen, die sie der alten Tradition folgend mündlich überliefert.

In den Pausen begleitet Ali Sanli Hizal, 57, mit seiner Gitarre die Gedankengänge der Besucher. Er ist vor mehr als 30 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen und seine Kindern kennen sowohl orientalische als auch deutsche Märchen. „Im Kern enthalten sie die gleichen Weisheiten, aber meine Kinder sollten beide Kulturen, kennenlernen,“ erklärt der dreifache Vater.

Vom Teufel, einer goldenen Flöte und dem wilden Tier

„Mit den Märchen werden auch die alten Bräuche überliefert“

Dass Märchen ein wichtiges Kulturgut sind, davon ist auch Bollinger überzeugt, die sich zum 150. Todesjahr von Jakob Grimm für Erzählungen der berühmten Brüder entschieden hat. „Mit den Märchen werden auch die alten Bräuche überliefert“, sagt sie und erinnert als Beispiel an die Totenwache, während derer im Märchen die Seele des reichen Bauern vor der Hölle bewahrt wird.

„Mit den Märchen kommen die Menschen zur Ruhe“, hat Hizal beobachtet: „Sie beschäftigen sich mit den wirklich wesentlichen Dingen des Lebens.“ Die von Bollinger in der Schwabmünchner Buchhandlung Schmid erzählten Märchen zeigen beispielsweise, dass es nie zu spät ist, sein Leben zu ändern, dass man seinen Träumen folgen sollte und Redlichkeit belohnt wird. Und wie in der Kindheit vergeht auch in der Buchhandlung die Zeit allzu schnell. Die Märchenstunde ist vorüber und der Ernst des Lebens wartet, mit biografischen Informationen zum Leben der Brüder Grimm.

Jacob und Wilhelm Grimm haben die Märchenkunde als Wissenschaft aus der Taufe gehoben und sorgten mit ihren Aufzeichnungen für den Erhalt und die Verbreitung zahlreicher mündlich überlieferter Volksmärchen. Und Bollinger verrät auch noch ein pikantes Detail: Der erste Band der Grimmschen Märchensammlung wurde von den Zeitgenossen als anstößig kritisiert, weil sie zu viele erotische Anspielungen enthielten. Es könnte also sein, dass die Erzählungen damals wie heute, Jung und Alt fasziniert haben ...

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