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Konzert

03.12.2013

Von den Südstaaten in den Süden Deutschlands

Spielte auf seiner Zither, was eigentlich nicht darauf spielbar ist und begeisterte das Publikum restlos: Der Zither-Manä im Reichertshofer Bürgerhaus.
Bild: Andrea Strahl

Der Zither-Manä spielt auf seinem Instrument, was darauf unmöglich erscheint. Kulturschmiede landet Volltreffer

Mittelneufnach Das Konzept der Kulturschmiede geht auf: Ihr Ziel, in kleinem Rahmen geniale Künstler in die Stauden zu holen und dabei das Publikum ganz nah an diese heranzubringen, erreichten sie erneut mit ihrem „Kulturabend Spezial“ im Reichertshofer Bürgerhaus.

Dem Zither-Manä selbst wäre das Mittelneufnacher Gemeindezentrum fast zu groß gewesen, liebt doch auch er den direkten Kontakt zu seinen Zuhörern. So sprang der Funke nicht nur von der Zitherrocklegende sofort auf das Publikum über, sondern auch umgekehrt: „Hier in den Stauden ist ja die Hölle los, da brummt der Bär!“ freute sich der „Jimmy Hendrix vom Oberland“, wie er sich gerne nennen lässt. Wollte doch der Oberbayerische Landler „ums Verrecken“ keiner werden, denn in Manis Fingern ist halt eine andere Musik.

So entstand der berühmte Zitherrock, der im Bürgerhaus richtig einheizte. Und als Manä, der im Januar sein 34. Bühnenjubiläum feiert, dazu noch auf den Stuhl steigt, verspricht er seinem Publikum: „Solang i no ‘naufkomm, mach i weiter!“ Und überhaupt mischte sich den ganzen Abend so allerhand in die Zithermusik: In der „Eröffnungshymne“ findet sich ein Text von 1905 des Mundartdichters Ludwig Thoma, der für seine Regierungskritik fünf Wochen ins Gefängnis musste.

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In der Bayrischen Musik ist Zither-Manä ebenso zu Hause wie im Blues und Rock’n Roll – dass solche Musikrichtungen auf diesem Zupfinstrument überhaupt spielbar sind, beweist der Künstler auch in „Mannes Boogie“. Denn sein Landler, für Klavier komponiert, sei in die USA ausgewandert und ganz verrückt wiedergekommen – und da er nicht Klavier spielen könne, müsse das eben auf der Zither gehen.

Seine Finger sausen nur so über das Instrument, und was durch diese Finger geht, bekommt seine ganz eigene Färbung: Im Mozartblues mischt sogar Klassik mit: „Der Wolferl war a Hund, i weiß es genau, dem hätt’s g’falln“, ist Manne überzeugt.

Amerika soll sich auf seine alten Werte besinnen

Und weil seine Texte auch „a Hirn ham“ und „alles mal ‘raus muss“, fordert er zur Melodie von „City of New Orleans“ (Guten Morgen, Amerika, wie geht’s dir?) die Nation auf, sich auf ihre alten Werte zu besinnen.

Manä liebt die Wechselbäder: Angefangen als irische Volksweise, wandeln sich die Töne in E-Gitarrenklänge von Pink Floyds „Shine on you crazy diamond“ mit den „berühmtesten Klängen der Rockerblues-Geschichte“. Nach Mick Jaggers (der Jager Michi) „Cry to me“ folgt der Jodlertango (den Zillertaler Miezenjägern gewidmet) oder auch humorvolle Marterlsprüche und ein Gedicht des bayerischen Mundartdichters Harald Grill über „Weihnachtsplatzerl“.

Dass der Manä mit seiner Zither nach dem chinesischen Couplet von Karl Valentin sogar einen „Blues auf Chinesisch“ hinbekommt, mit Knoten in den Fingern und bald auch in der Zunge, wundert das Publikum nicht mehr. Beim klassischen Klavierkonzert in C-Dur von Mozart müssen die Zuhörer vorher kollektiv abhusten, bevor auf der Zither seine linke Hand das Klavier, die rechte das Orchester übernimmt.

Nach tobendem Applaus und „Wahnsinn“-Rufen widmet der Künstler seinem Kollegen Dieter Hildebrand noch das Lied „Die Gedanken sind frei“ mit einer selbst komponierten Strophe, die die Stimmung des Abends zusammenfasste: „Ich wollt euch heut’ entführ’n, in a Welt voller Zauber, in Gedanken mit Hirn!“

Als Karl Scheid von der Kulturschmiede sich zuletzt mit einer Flasche Staudengeist bedankte, freute sich der Zither-Manä: „Ja den Staudengeist, den konnte ich heute schon auch anders spüren, heute Abend bei euch!“

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