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Königsbrunn

25.08.2019

Von der Akkord-Töpferei zum Kunsthandwerk

Eine große Vielfalt herrscht in den Regalen mit fertigen Töpferwaren von Beate Heinzel.
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Eine große Vielfalt herrscht in den Regalen mit fertigen Töpferwaren von Beate Heinzel.
Bild: Claudia Deeney

Die Arbeit mit Ton hat Beate Heinzel schon immer fasziniert. Über Umwege kann sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Doch was macht eine Kunsthandwerkerin so?

„Mir ist wichtig, dass sich die Menschen in meiner Töpferei wohlfühlen und die Erfahrung machen, etwas mit ihren Händen zu erschaffen“ – das erklärt Beate Heinzel im Gespräch mit unserer Zeitung. Was sie so macht? Sie betreibt seit 2009 ihre Töpferei Toscati in der Brunnenstadt und bis dahin war es ein langer Weg.

Aufgewachsen in der DDR wollte sie nach dem Schulabschluss unbedingt die künstlerische Laufbahn einschlagen. „Kunstdesign studieren, das war mein Traum“, sagt die heute 52-Jährige. Um ihre Chancen zu verbessern, einen Studienplatz zu bekommen, erlernte Heinzel erst mal einen handwerklichen Beruf – den der Keramformerin in der Porzellanmanufaktur in Plauen.

Kunstvolle Lampen fertigte sie hundertfach

Das war 1983 und als Erinnerung an diese Zeit steht in ihrer Töpferei eine wunderschöne, zart gearbeitete Lampe mit Tänzerinnen und Tänzer. Das Teil sieht edel und antik aus. Da lacht die Künstlerin und erklärt: „Während meiner zweijährigen Facharbeitertätigkeit habe ich rund 500 solcher Lampen geformt und vieles mehr außerdem.“ In der damaligen DDR sei das Akkordarbeit gewesen und die Keramformer wurden nach Leistung bezahlt. Sie hat ihren Beruf von der Pike auf gelernt und kann ganz genau erklären, wie Porzellanwerke gefertigt werden.

Von der Akkord-Töpferei zum Kunsthandwerk

Neben der Arbeit hat sie auf der Abendschule ihr Abitur gemacht und 1987 mit dem Studium angefangen. Nur leider halt nicht wie von ihr gewünscht im Bereich Kunstdesign, sondern im Studienfach Baustoffverfahrenstechnik. Nach westdeutschen Maßstäben war das zur damaligen Zeit eher ein Männerberuf, im Osten aber durchaus ein Studiengang, der zur Hälfte von Frauen absolviert wurde. Das Studium zog sich bis 1993 hin, weil Heinzel zwischendurch ihren Sohn bekam.

Eigentlich war der Plan des DDR-Regimes, dass Heinzel nach ihrem Abschluss zurück in die Porzellanmanufaktur gehen sollte, als Ingenieurin. Durch den Fall der Mauer konnte sich das relativ kleine Unternehmen aber nicht halten und so wurde ihr neuer Arbeitgeber das Hintermauer-Ziegelwerk in Erfurt. Mit Kunst hatte ihre Arbeit als Qualitätsmanagerin nicht viel zu tun, aber immerhin blieb sie auf ihrem Werdegang dem Material Ton treu.

Von Erfurt geht es 2008 nach Königsbrunn

Im Ziegelwerk lernte sie gleich zu Beginn ihren heutigen Mann Jürgen kennen und der stammt aus Königsbrunn. „Ihn hatte es nach seinem Studium als Maschinenbauer nach Erfurt verschlagen, aber er wollte immer heim“, erinnert sie sich. Die gemeinsame Tochter Anna kam noch in Erfurt zur Welt, 2008 aber war es dann endgültig soweit: Die Familie zog nach Königsbrunn.

Und da war Beate Heinzel auch gleich klar, jetzt verwirkliche ich meinen Traum, wie sie sagt: „Ich habe während meines Berufslebens in der Freizeit immer wieder Töpferkurse besucht und wusste, ich möchte meine eigene Töpferei.“ Deshalb wurde auf dem Grundstück in der Brunnenstadt nicht nur das Haus geplant, sondern auch gleich der Anbau für die Keramikwerkstatt mit separatem Eingang, einem Nebenraum für den Brennofen und einem eigenen WC für ihre erwachsenen Schüler.

Ihre Töpferei hat sich in Königsbrunn etabliert 

„Obwohl ich meine Tätigkeit nur als Kleingewerbe führe, wollte ich soviel Wohlfühlatmosphäre für meine Kunden wie möglich und auch ein professionelles Ambiente“, erklärt die 52-Jährige. Sie wollte die Töpferei ganz in Ruhe zum Laufen bringen und sich die nötige Zeit geben ohne den Druck, sich ihren Lebensunterhalt damit verdienen zu müssen. 2009 habe sie ganz langsam angefangen, die ersten Kurse anzubieten und heute hat sie sich in der Brunnenstadt etabliert. Viele Stammkunden kämen immer wieder, um sich von ihr anleiten zu lassen, neue interessante Dinge aus Ton zu fertigen und dabei auch abzuschalten. Denn beim Töpfern konzentriere sich der Schaffende auf das jeweilige Werk und kann den Alltag damit auch mal ausblenden. „Mir hat meine Töpferei auch geholfen mich in Königsbrunn leichter einzugewöhnen. Ich habe viele nette Menschen im Laufe der Jahre kennengelernt, die ich sonst wahrscheinlich nicht getroffen hätte“, so Heinzel.

Dass die zweifache Mutter gut mit Kindern kann, ist nicht so erstaunlich. Aber sie selbst hat das schon etwas verwundert, wie gut ihre Idee, Kindergeburtstage in der Keramikwerkstatt anzubieten, klappt. Sie mache keine High-Life-Konfetti-Partys, sondern fordere die Jungen und Mädchen durchaus. „Die Kinder sind anschließend so stolz auf das, was sie geschaffen haben und können sich meist mehr als die Erwachsenen vorstellen“, erzählt sie und zeigt eine Runde kleiner Drachen, die noch auf die Glasur warten. „Das war eine reine Bubenrunde, ein neunter Geburtstag und die waren alle voll bei der Sache“, sagt die Künstlerin.

Als solche kann man Beate Heinzel durchaus bezeichnen, wie ihre eigenen Kreationen beweisen. Köpfe und Körper sehen teilweise ganz anders aus als die erwarteten bunten Töpferwerke, die sie natürlich auch beherrscht und mit Freude anfertigt.

Einmal im Jahr besucht sie selbst Kurse, um sich weiterzuentwickeln

Sich aber auch selbst weiterzuentwickeln ist ihr Ziel und die Herausforderung, der sie sich stellt. Einmal im Jahr besucht sie Kurse, um zu lernen, neue Impulse zu erleben und sich weiterzubilden. Und um sich Kunst so zu widmen, wie sie das schon als Jugendliche wollte und heute macht. Nicht Lampen im Akkord herstellen, so schön diese auch aussehen mögen.

„Gefunden habe ich meine Lampe tatsächlich ganz zufällig bei einer Wohnungsauflösung, viele Jahre später, und wusste: Die muss ich haben. Denn irgendwie steht sie für den Anfang meiner Entwicklung bis hin zu meiner heutigen Passion“, erzählt sie lächelnd. Ein Ende dagegen ist nicht abzusehen, Heinzel hat noch viele Ideen zu Skulpturen sowie Kunstwerken, die sie anfertigen möchte und freut sich auch über die Menschen, die gerne zu ihr kommen, um sich künstlerisch sowie handwerklich zu verwirklichen.

Kontakt Töpferei Toscati, Dietrich-Bonhoeffer-Straße 17, Königsbrunn, Telefon-Nummer 08231/9573590

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