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Königsbrunn

29.12.2016

Von der „Kolonie“ zur Stadt auf dem Lechfeld

Diese Postkarte mit Ansichten aus Königsbrunn um 1915 wurde vom Verlag Hans Pernat, München, herausgegeben. Lange war die Ziegelei Föll (rechts unten) der einzige größere Betrieb in Königsbrunn. 1960 stellte man die Produktion ein, der 40 Meter hohe Kamin wurde 1987 gesprengt.
Bild: Stadtarchiv Königsbrunn

Königsbrunn hat im kommenden Jahr gleich zwei Jahrestage zu feiern. Warum die Gründung der Gemeinde vor 175 Jahren noch komplizierter war als die Stadterhebung anno 1967

Wenn in Königsbrunn gefeiert wird, dann treten oft die „Lumpenbacher“ auf mit fetziger Blasmusik. Ihr Name erinnert allerdings an Zeiten, in denen es auf dem Lechfeld nicht viel zu feiern gab. Vor knapp zwei Jahrhunderten war „Lumpenbacher“ ein Schimpfwort für die armen Kolonisten, die auf dem kargen Boden des Lechfelds östlich von Bobingen ihr Auskommen suchten. Die Nachfahren und viele Zugezogene können 2017 – auch mit den heutigen „Lumpenbachern“ – ein Doppeljubiläum feiern.

Die ersten Siedler hatten sich niedergelassen, als die Regierung König Ludwigs I. die Poststraße von Augsburg nach Landsberg ausbauen und an ihr zwei Brunnen schlagen ließ. Diese „Königsbrunnen“ labten ab 1833 nicht nur Reisende, sie zogen auch Siedler an. Hartnäckige Siedler, die mit wenig Geld eine Existenz aufbauen wollten, machten – ganz im Interesse der Regierung – den unwirtlichen Landstrich urbar. Ende 1839 lebten dort 27 Familien.

Die fühlten sich von der Obrigkeit in Bobingen und Schwabmünchen behindert. An Neujahr 1840 schrieben sie der königlichen Regierung und baten um die „gnädigste Erhebung der besagten Ansiedlung zu einer eigenen Gemeinde“. Das kam nicht überall gut an.

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In dem Buch „Königsbrunn – die Stadt auf dem Lechfeld“, hat der inzwischen pensionierte Justiziar der Stadt Königsbrunn, Albert Teichner, 1984 das nun folgende Tauziehen dokumentiert. Vertreter der umliegenden Gemeinden befürchteten, die Siedler würden alle scheitern und nur Kosten verursachen.

Mit Hartnäckigkeit zur Gemeindeerhebung

Die konterten eins ums andere Mal die Vorhaltungen, organisierten einen Schullehrer und einen Raum für den Unterricht, versicherten, sie würden sich gegenseitig stützen. Und sie schufen Fakten: Ende 1841 lebten über 90 Familien, rund 400 Personen, in der Kolonie Königsbrunn. Schließlich bewilligte am 4. Januar 1842 König Ludwig I. „allergnädigst“ ihre Bitte.

In den nun folgenden Verhandlungen um die Gemeindegrenzen blieben die frischgebackenen Königsbrunner ebenso hartnäckig. Trotz Ausfällen bei den Ernten und widriger Bedingungen kamen stetig weitere Siedler. 1871 waren etwa 1400 Einwohner erfasst, 1900 knapp 2000. Weil der Boden des Lechfelds wenig abwarf, blieben sie meist arme Bauern, Handwerker und Arbeiter – Lumpenbacher eben.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Königsbrunn rund 3000 Einwohner, dazu kamen in kurzer Zeit etwa 1500 Flüchtlinge. Vor allem die Initiativen des damaligen jungen Bürgermeisters Fritz Wohlfarth stießen nun in der immer noch armen Kommune Veränderungen an. Er nutzte geschickt Fördergelder für Vertriebene und ab Mitte der 1950er Jahre für den Aufbau der Bundeswehr, um Wohnungen und Schulen zu bauen und Gewerbe anzusiedeln. Der karge Kiesboden sollte nun „Betongold“ abwerfen.

„Ein Stadtbild ist da ja nicht“

Wohlfarth hatte gute Kontakte nach München und forcierte auch die Idee der Stadterhebung. Der damalige Innenminister Bruno Merk, ein persönlicher Freund, war ihm gewogen, die Bewertungskommission seines Ministeriums jedoch nur schwer zu überzeugen. „Ein Stadtbild ist da ja nicht“, lautete ein Einwand, so erinnern sich Mitstreiter. Die Königsbrunner konterten auch jetzt: Sie legten Pläne für Baugebiete vor und verwiesen auf die weiterführenden Schulen, die gewiss weitere Bürger anziehen würden.

Noch ehe die Zusage aus der Landeshauptstadt vorlag, ging man daran, ein Fest zur erhofften Stadterhebung zu planen. Und wenn das Ministerium nicht mitspielt? „Dann wird es die Königsbrunner Festwoche“, soll Wohlfarth gesagt haben.

Es war auch eine Idee von ihm, die Königsbrunn Mitte der 1980er Jahre über die Region hinaus bekannt machte: Mit der Königstherme eröffnete eines der ersten Spaßbäder in Deutschland. Im Jubiläumsjahr 2017 steht sie als Insolvenzruine da. Über ihre Zukunft ist noch nicht entschieden. Und die Hauptstraße, die nach Bürgermeister Fritz Wohlfarth benannt ist, schreit im Zentrum nach einer Neugestaltung.

Das zeigt: Königsbrunn steht im 175. Jahr als Kommune und im 50. Jahr als Stadt vor neuen, beachtlichen Aufgaben.

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