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Bobingen

31.05.2015

Vor der Tür zum Paradies

Redaktionsleiter Pitt Schurian von der Schwabmünchner Allgemeinen.

Ein  Kommentar von Pitt Schurian zur Asylerfahrung: Asylbewerber scheinen in Bobingen das große Los gezogen zu haben. Viele haben die Hölle hinter sich und sehen sich in einem Paradies. Doch sie sind noch nicht durch die Tür.

Asylbewerber scheinen in Bobingen das große Los gezogen zu haben. Ihnen bleibt das Leben in einem zentralen Lager erspart. Es gibt selten Konflikte, ein engagierter Helferkreis nimmt sich ihrer an und wenn es Probleme gibt, klärt die Stadtverwaltung diese meist ganz schnell. Das Echo in der Bevölkerung – soweit öffentlich vernehmbar – ist aufgeschlossen. Die meist jungen Männer aus Afrika und Asien treffen auf Wohlwollen.

Die Einquartierung im ehemaligen Hotel Krebs bezeichnete der Landkreis im Sommer 2012 als keineswegs dauerhafte Maßnahme. Es kam anders. Seither geben sich immer neue Flüchtlinge aus neuen Krisenzentren der Erde die Klinke in die Hand. Doch nicht deshalb gibt es Frust auf allen Seiten. Es zeigt sich einfach: Die Klärung der Asylansprüche und gegebenenfalls die Eingliederung ins hiesige Alltagsleben ist aufwendiger, als sich dies nüchterne Planer vorstellten.

Da sind zum Beispiel die Abläufe: Ein Asylantrag sollte innerhalb von drei Monaten abgearbeitet sein. In der Praxis kann es schon mal weit über ein Jahr dauern. Und geht es bei klarer Rechtslage wirklich schneller, dann scheitert die Vermittlung von Wohnung oder Arbeit oft an den noch fehlenden Deutschkenntnissen. So bleiben Asylplätze zusätzlich lange belegt.

Da sind auch kulturelle Unterschiede. Helfer müssen ihren Schützlingen je nach Herkunft erst verständlich machen, was feste Arbeitszeiten und Vorschriften bedeuten. Wer bislang nur eine Herde hütete, dem sind fest ausgemachte Termine schwer begreifbar.

Eine gerechte Asylentscheidung macht Bürokratie unvermeidbar. Doch gerade Flüchtlinge kennen aus ihren Herkunftsländern wenig verbindliche Regeln. Wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, klappt dort alles, sonst hat man verloren. Asylhelfer kennen die Partner in der Verwaltung. Asylbewerber wundern sich daher, dass das Verfahren um sie dann wirklich noch von ihrer Mitwirkung abhängt. Sie haben oftmals die Hölle hinter sich, sehen hier ein Paradies und müssen dennoch erst lernen, durch die Tür zu kommen.

Am offensichtlichsten sind jedoch die Platzprobleme. Anders als in Schwabmünchen könnte der Landkreis in Bobingen auf keine Schulturnhalle zugreifen. Sie stehen alle unter der Trägerschaft der Stadt. Diese sieht sich nun im Zwang, selbst Raum für weitere Asylbewerber zu finden. Doch auch sie hat ein Recht, von Kreis und Land nicht alleine gelassen zu werden.

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