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Vortragsabend
11.10.2016

Gedanken zur letzten Lebensphase

AKUV-Vorsitzender Manfred Salz (hinten Mitte) konnte über 130 Zuhörer zum Vortragsabend im Lokal Imhofstadl begrüßen.
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AKUV-Vorsitzender Manfred Salz (hinten Mitte) konnte über 130 Zuhörer zum Vortragsabend im Lokal Imhofstadl begrüßen.

Verein AKUV beleuchtet die sensiblen Themen Palliativmedizin, Hospizbegleitung und Sterbehilfe

Laut einer Umfrage möchten die meisten unheilbar kranken Menschen am liebsten zu Hause sterben. Das ist in unserer spezialisierten und hoch technisierten medizinischen Versorgung oft nur schwer möglich. Angehörige, Ärzte und Pflegedienste stehen beim Bemühen um ein Sterben in Würde vor großen Herausforderungen.

Das machte eine Veranstaltung des Vereins AKUV Untermeitingen/Lechfeld und zweier CSU-Verbände mit dem Thema „Lebensbegleitung – wie verbringe ich meine letzte Lebensphase“ deutlich, bei der Fachleute aus verschiedenen Disziplinen das Thema beleuchteten (siehe Infokästen). Das Thema bewegt viele Bürger, die Gaststätte Imhofstadl war mit mehr als 130 Besuchern restlos gefüllt.

Bisher sterben rund 40 Prozent der Patienten im Krankenhaus, 25 bis 30 Prozent zu Hause und ein bis zwei Prozent in einem Hospiz, war dabei zu erfahren. Die Palliativversorgung, die nicht die Verlängerung der Lebenszeit, sondern die Lebensqualität eines todkranken Patienten im Blick hat, sei selbst in Krankenhäusern unzureichend, hieß es. Bundesweit gibt es 300 Palliativstationen, die den Bedarf an Begleitung in der letzten Lebensphase jedoch nicht decken können.

Mittlerweile bieten auch Hausärzte Palliativmedizin an. Eine kürzlich angestoßene Gesetzgebung erlaubt mehr finanzielle Unterstützung, doch gerade in ländlichen Regionen gibt es immer noch Lücken, die Ehrenamtliche füllen sollen. Um diese Tabuthemen mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, hatten AKUV, die Senioren-Union Augsburg-Land und die Frauen-Union Untermeitingen einen Vortragsabend organisiert, bei dem die Themen aus politischer, medizinischer, kirchlicher und psychosozialer Sicht erläutert wurden.

In einem Punkt waren sich alle Vortragenden einig: Eine gute Palliativversorgung ist zwar mit hohem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden, wird jedoch immer wichtiger als Antwort auf die wachsenden Angebote an kommerzieller Sterbehilfe. Die Regelversorgung im Krankenhaus müsse ausgebaut und die häusliche Krankenpflege so gestärkt werden, dass unheilbar Kranke keinen Anlass mehr haben, um Sterbehilfe bitten zu müssen, wurde betont.

Dr. Jakob Berger, Vorsitzender des Schwäbischen Hausärzteverbandes aus Meitingen, berichtete von seinen Erfahrungen mit der Schmerztherapie, die das Leid vieler Patienten lindern könne. Von keinem seiner Patienten habe er je die Forderung nach Sterbehilfe gehört. Eine Palliativbehandlung sei daher für viele schwere Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium wertvoll. Pallium – lateinisch für Schutzmantel – könne den Krankheitsverlauf deutlich verbessern. Wichtig sei dabei, die Angehörigen einzubinden.

Dr. med. Christoph Aulmann, Leitender Oberarzt im Palliativzentrum Augsburg, ergänzte, dass den Patienten durch zusätzliche psychologische Betreuung die Angst genommen werden könne, Angehörigen zur Last zu fallen. Über psychosoziale Komponenten bei der Trauerbegleitung berichteten Mirela Wollner und Waltraud Gewitsch vom Hospizverein Bobingen. Sie leisten Beratung für Angehörige, die Patienten nach Hause holen wollen. Voraussetzung dafür sei ein stabiles häusliches Umfeld.

Bundestagsabgeordneter Hansjörg Durz gab einen Überblick über die geplanten gesetzlichen Neuerungen für die Palliativversorgung. Die sollen einen assistierten Suizid verhindern und eine klare Regelung für Ärzte und Angehörige schaffen. Oberstes Gebot sei dabei die Achtung vor dem Leben und die Selbstbestimmung der Patienten, damit sie in Würde sterben können.

Pfarrer Thomas Demel von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Lechfeld gab einen kurzen Einblick in die seelsorgliche Begleitung von kranken Menschen. Er betonte, dass vor allem das Gespräch mit dem Patienten dazu beitrage, seine Würde zu erhalten und die Angst vor dem Alleinsein zu mindern.

Das Gehör halte die Lebensgeister und die Kraft am längsten aufrecht. Er ermutigte Angehörige zur häuslichen Pflege, denn er habe oft erlebt, dass diese Zeit mit einem Nahestehenden ein intensives und intimes Erlebnis sei, berichtete Pfarrer Demel. Menschen könnten davon lange zehren und sagen: „Ich habe Schwachheit erfahren, aber ich habe einen bisher verborgenen Reichtum geschenkt bekommen, auch wenn es äußerlich nicht danach aussieht.“

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