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Königsbrunn

18.07.2020

Warum Königsbrunn weiter Trinkwasser aus der Tiefe schöpfen will

Blick in die geflieste Brunnenstube und in einen der Tiefbrunnen, die rund 90 Meter ins Erdreich führen. In der Mitte wird das geförderte Trinkwasser nach oben gepumpt.
Bild: Hermann Schmid

Plus Das Königsbrunner Trinkwasser kommt zum Teil aus bis 100 Metern Tiefe. Warum das so bleiben soll - aber längst nicht selbstverständlich ist.

Die Königsbrunner Stadtwerke arbeiten derzeit an mehreren großen Baustellen gleichzeitig. Rainhard Schöler und Rudolf Willer, der kaufmännische und der technische Geschäftsführer, stellten im Werkausschuss die laufenden und die anstehenden Projekte des Kommunalunternehmens vor. In der näheren Zukunft beschäftigt sie auch die Frage, wie die künftige Versorgungssituation aussieht.

Die größte Baustelle bleibt der Neubau des Wasserwerks an der St.- Johannes-Straße. Die Sanierung des Dachs des alten Pumpenhauses wurde jetzt vergeben, im Neubau sind die Fliesen verlegt. Zudem gehen die Vorarbeiten des Baus der Straßenbahntrasse in die Endphase. Zahlreiche Leitungsrohre wurden erneuert und gegen Rohrbrüche abgesichert.

Die Planung zur Erschließung des neuen Baugebiets im Osten der Stadt laufen

Damit wird verhindert, dass unter den Gleisen ein Wasserleck entsteht und zur Reparatur der gesamte Gleiskörper aufgegraben werden muss. Parallel dazu wurden an einigen Stellen Schieber und Schieberkreuze erneuert. Die Arbeiten an der Föllstraße stehen ebenfalls kurz vor dem Abschluss. Liegen alle Rohre, gibt es einen Drucktest und die Leitungen werden noch desinfiziert.

Gebaut wird auch in der näheren Zukunft nicht zu knapp. Neben den aktuellen Projekten läuft die Planung für die neuen Wasser- und Abwasser-Leitungen für die Bürgermeister-Wohlfarth-Straße sowie für die Erschließung des neuen Baugebiets am östlichen Stadtrand. Die Umsetzung dieser Projekte wird die Stadtwerke in den nächsten sechs Jahren beschäftigen.

Zudem steht die Vermessung der Stadt ins Haus: Im Zuge des Streits um die Berechnung der Wassergebühren haben die „Wasserrebellen“, aus denen die im Stadtrat vertretene BbK hervorgegangen ist, durchgesetzt, dass die Beiträge nur noch anhand der tatsächlichen Wohnfläche berechnet werden. Und dafür brauchen die Stadtwerke aktuelle Daten.

Das Wasser wird aus bis zu hundert Metern Tiefe gewonnen

Wegen der Corona-Krise hat sich die Ausschreibung des Projekts verzögert. Diese soll jetzt aber baldmöglichst angeschoben werden. Wichtig wird die Frage, woher das Königsbrunner Wasser bislang kommt. Denn die Wasserrechte für die Brunnen im Bereich östlich der Stadt müssen erneuert werden.

Gewonnen wird das Wasser aus vier 60 bis 100 Meter tiefen Brunnen sowie aus einem Flachbrunnen in der Fohlenau. Bei den Tiefbrunnen läuft momentan das Genehmigungsverfahren. Werden die Schöpfrechte verlängert, würden die Stadtwerke auch eine schrittweise Sanierung der Brunnen in Angriff nehmen.

Animation der Stadtwerke zur geplanten Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 nach Königsbrunn.

Video: Edgeflow

Allerdings ist die Verlängerung gerade bei Tiefbrunnen auch kein Selbstläufer. Doch bei den Stadtwerken ist man guten Mutes, dass offene Fragen noch geklärt werden. Das geförderte Wasser sei zehn Jahre alt, also kein typisches Tiefenwasser, das deutlich älter sein kann, sagte Rainhard Schöler. Durch den kiesigen Lechfeldboden komme das Wasser vergleichsweise schnell auch in tiefere Schichten. Man könne die für Trinkwasser nötige Qualität liefern.

Bürgermeister will um Erhalt von Tiefbrunnen kämpfen

Die Klärung aller Fragen der zuständigen Behörden werde sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Danach schaue man sich die Auflagen an und entscheide, welche Brunnen erhalten werden.

An tiefen Brunnen führe in Königsbrunn aber kaum ein Weg vorbei, ergänzte Bürgermeister Franz Feigl. Denn wenn man nur mit Flachbrunnen arbeiten könnte, müsste man die ohnehin großen Wasserschutzgebiete noch deutlich erweitern. Nur dann ließe sich die Qualität des Trinkwassers sichern.

Denn Flachbrunnen sind durch den durchlässigen Boden deutlich anfälliger für Verkeimungen, sagte Rudolf Willer: „Schon wenn eine Wildschweinrotte oben den Humus auf die Seite schiebt, fällt uns in der Fohlenau der Brunnen aus. Auch ein totes Tier, das oben liegt, kann schnell zu einer Verkeimung führen.“ Dann müssten die Mitarbeiter schnell ausrücken und die schützende Deckschicht wieder herrichten. Nach einer Testphase würden die Quellen erst wieder freigegeben. Daher kündigte der Bürgermeister an, dass man in jedem Fall um den Erhalt der Tiefbrunnen kämpfen werde.

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