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Landkreis Augsburg

22.11.2018

Warum Schneezäune den Standort wechseln

Derzeit werden vielerorts Schneezäune aufgestellt. Sie sollen verhindern, dass Schneewehen entstehen.
Bild: Stephanie Millonig (Archiv)

Plus Bevor die ersten Flocken fallen, stehen schon Fangzäune an den Straßenrändern. Doch nicht jeden Winter an den selben Stellen. Warum sie den Standort wechseln.

Der Wind wirbelt den lockeren, feuchten Schnee von den Feldern in die Luft und trägt ihn fort. Ohne Hindernis fegt er über die Ebene und gewinnt an Tempo – und so entsteht sie plötzlich: die bei Autofahrern gefürchtete Schneewehe. Bald kann es wieder soweit sein.

Ab einer Windgeschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde beginnt das Phänomen, sagt Klaus Hager. Er weiß, woher die weiße Gefahr im Landkreis Augsburg weht. „Die Hauptrichtung ist bei uns der Westwind“, sagt der Meteorologe. Bei Schneeverwehungen und Glatteis werden vor allem die Waldränder für Autofahrer zu Gefahrenzonen. Dort herrsche eine besondere Windzirkulation, erklärt Hager. „Bis zu 200 Meter nach dem Waldrand muss man noch aufpassen. Das heißt: bremsbereit sein, Hände ans Lenkrad und nicht durchbrettern.“ Aber auch an Ortsrändern könne ein Schneewirbel entstehen, wenn eine Siedlung in freie Felder mündet.

Lechfeld und die B17 bieten Wind Angriffsfläche

Zäune schaffen Abhilfe: Im Landkreis Augsburg werden nach Angaben des Landratsamts jährlich etwa 18 bis 22 Kilometer Schneefangzäune aufgestellt. Sie schützen Straßen und Gelände, die in ungünstigen Windbereichen liegen. „Gerade auf dem Lechfeld, an der B17, gibt es hohe Angriffsflächen für den Wind“, erklärt das Landratsamt. Die Bepflanzung ist dort gering und die Geländeeinschnitte sind heikel.

Wann und wo die Netze aufgestellt werden, entscheidet der Straßenbaulastträger – und das ist vielerorts der Landkreis. „Die Menge der Zäune variiert von Jahr zu Jahr, da sich durch Baumaßnahmen Veränderungen entlang der Straßen ergeben“, teilt das Landratsamt mit. Außerdem sei entscheidend, was auf den Feldern am Wegrand wächst. Verschiedene Saaten, wie zum Beispiel Senf, bieten einen guten Schneeschutz. „Die Natur ist das effektivere Mittel und macht außerdem kaum Arbeit“, sagt auch Hager. Ein Strauch könne all das auffangen, was in der Luft flimmert.

Schneezäune nicht zu nah an Straße aufstellen

Lücken in den Sträuchern können zwar zu gefährlichen Straßenverhältnissen führen, aber auch Zäune haben ihre Schwächen: Weht der Wind aus einer ungewöhnlichen Richtung, kann das Netz nichts bewirken – und das kommt laut Landratsamt bei Ostwinden in der Region immer wieder vor. Stehen Zäune zu nah an der Fahrbahn, bewirkt der Schutz sogar das Gegenteil: Der Wind wird zwar gebremst, doch der Schnee lagert sich auf der Straße ab. „Die Zäune müssen 20 bis 30 Meter entfernt von der Straße aufgestellt werden“, sagt Hager. Nur so könne das Hindernis den Schnee abfangen.

Das Landratsamt erklärt, dass die Schneezäune zur Verkehrssicherheit beitragen, wenn die Randbedingungen stimmen. Dann verringern sie auch den Aufwand zur Bekämpfung der Glätte auf der Straße. Stimmen die Umstände aber nicht, zieht der verfrachtete Schnee auf der Straße viel Arbeit nach sich: Räumen und Streuen, Einsatz mit Schneefräse und Radlader.

Doch ist der Schnee noch immer ein starker Faktor? Viele Menschen haben den Eindruck, dass immer weniger Schnee fällt – und dass es weiße Weihnachten schon seit Langem nicht mehr gab. Hager entgegnet: „Das wird alles etwas überhöht. Es ist in der Natur ein stetes Auf und Ab.“ Es gebe immer einen Wechsel von strengen und milden Wintern. „In manchen Jahren hatten wir die erste Schneedecke erst nach Neujahr.“ Eine Vorhersage über die Härte des nächsten Winters könne aus den Klimaschwankungen nicht ableiten, sagt Hager. So sieht es auch das Landratsamt: Auch wenn die Schneemengen von Jahr zu Jahr schwanken, habe das bisher nicht den generellen Bedarf an Schneezäunen und die Zahl der aufgestellten Netze beeinflusst.

Wetter ist schwer berechenbar

Das Wetter bleibt schwer berechenbar. Für den Fachmann genügt aber oft schon der Blick aus dem Fenster – oder auch ein Blick in die Sterne: Laut Hager beobachten Astronomen einen Rückgang der Sonnenflecken. Dieses Phänomen kehrt in einem Zyklus von zehn bis 13 Jahren wieder und deutet auf eine kühlere Periode hin. Doch eine Vorhersage für die kommenden Monate zu treffen, hält Hager für unseriös.

Freut sich der Wettermann auf einen weißen Winter? „Ich sehne ihn nicht herbei. Dann beginnt wieder das Schneeschippen.“ Dennoch spiele der Schnee eine wichtige Rolle für die Vegetation und die Tierwelt. Er sei Teil der natürliche Auslese. Für Hager steht fest: „Schnee gehört in die Natur.“

Lesen Sie auch, was Meteorologe Klaus Hager zum unberechenbaren Wetter sagt und unsere Glosse Schnee von gestern.

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