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Lagerlechfeld

12.07.2018

Warum Transportmaschine Pinki mehrmals über die Region flog

Pinki aus Österreich brachte für die Bundeswehr Fallschirmspringer vom Lechfeld zum Absprung nach Altenstadt bei Schongau. Dazu war die ungewöhnliche Maschine mehrfach unterwegs.
Bild: Frank Schmidl

Ein auffälliges Flugzeug aus Österreich nahm Pendelverkehr am Lechfeld auf. Und am Fliegerhorst genossen italienische Teufel die bayerische Gastfreundschaft.

Ihre Piloten sagen einfach Pinki zu ihr, Schaulustige witzeln gerne über den „fliegenden Kleiderschrank“. Ursprünglich erinnerte der kastenförmige Flieger eher an Miss Piggy, doch ein Lackierer in Singagpur hatte geschlampt und so musste der Anstrich übermalt werden. Am Donnerstag war das Ergebnis über dem Lechfeld zu sehen.

Fallschirmspringer lieben die „Short SC.7 Skyvan“. Mehrzweckflugzeuge diesen Typs wurden bis 1986 in Nordirland gebaut und sind seit 55 Jahren weltweit im zivilen und militärischen Bereich als Transporter unterwegs. Skyvan steht schließlich für Himmels-Laster. Vier Exemplare dieser Lastesel fallen vor allem durch ihre Lackierung auf. Sie bilden die Flotte des in Wien ansässigen Luftverkehrsunternehmens Pink Aviation Services. Und zuweilen fliegt solch ein Pink Skyvan auch für die Bundeswehr. So pendelte am Donnerstag eine Maschine sehr oft zwischen dem Lechfeld und Altenstadt bei Schongau.

Ausbildung für Fallschirmspringer

Hintergrund: Der Militärstützpunkt in Altenstadt ist die zentrale Ausbildungsstätte der Bundeswehr für das Luftlande- und Lufttransportwesen, die Fallschirmsprungausbildung und die Überlebensausbildung unter verschiedenen Bedingungen. Früher wurden die Fallschirmspringer von Transalls in Penzing aufgenommen, jetzt hilft das Lechfeld mit seinem Flugplatz aus und eine österreichische Firma macht, was sie das ganze Jahr über in verschiedenen Ecken Europas gerne macht: Bis zu 20 Fallschirmspringer hebt der Pink Skyvan in eine Höhe von 4000 Meter oder sogar darüber.

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Ja, der Flieger sehe aus wie ein plumper Walfisch, räumen die Eigentümer auf ihrer Homepage ein, in der Luft sei die Pink Skyvan jedoch ein wendiger Delfin. Im Innenraum könnten die Springer aufrecht stehen und das scheunengroße Hecktor eigne sich gerade für Fallschirmspringer, um einfach hinauszuspazieren in die Welt des freien Falls.

Pinki hat eine abenteuerliche Reise hinter sich

Pinki wurde in einer abenteuerlichen Reise 1986 aus Singapur nach Wien überstellt. Mit einer Maschine, die dazu 10.000 Kilometer zurücklegen soll, aber nur rund 1 500 auf einmal schafft, war das nicht einfach. Oft musste gelandet und nachgetankt werden, und das in Ländern des Nahen und Fernen Ostens, wo für jede Kleinigkeit eine Genehmigung erforderlich ist.

Zum Zusatz „Pink“ verrät das Team: „Die chinesischen Lackierer in Singapur, die die Farbe aufzutragen hatten, lachen sich heute noch krumm und schief, wenn sie an den Auftrag denken: ein ganzes Flugzeug von oben bis unten, von hinten bis vorne mit schweinchenrosa Farbe zu bemalen. Leider oder Gottseidank hielt die chinesische Farbe nicht sehr lange.“ Heute ist Pinki in der Grundfarbe noch immer rosa, aber auf sehr künstlerische Art mit Tropfen, Wölkchen, Schlieren und einem riesigen Kussmund „gepaintbrusht“. Die lange Zunge lässt an Mick Jagger denken, doch das ist eine andere Geschichte, die am Lechfeld nicht zu erfahren war.

Das künstlerische Kennzeichen anderer Gäste am heimischen Fliegerhorst ist derzeit nur in Grautönen am Seitenleitwerk einiger Tornados zu sehen. Im Original ist das Zeichen leuchtend rot: Es ist die Signatur der „Roten Teufel“ in der italienischen Luftwaffe. Die 6. Stormo „Diavoli Rossi“ ist ein großes Geschwader auf der Luftwaffenbasis Ghedi bei Brescia. In ihm sind die Militärflieger aus vom früheren Stützpunkt Piacenza integriert, den eine Art Patenschaft mit dem Lechfeld verbindet.

Elektronischer Kampf

Die ítalienischen Tornado-Piloten üben in Deutschland gerade, was früher eine Spezialität des Jagdbombergeschwaders 32 am Lechfeld war: elektronische Kampfführung. Dabei geht es unter anderem um das Aufspüren und Bekämpfen gegnerischer Raketenstellungen sowie um den Selbstschutz der eigenen Maschine vor Raketenbeschuss. Dazu gibt es die sogenannte Polygone-Range in Rheinland-Pfalz/Saarland (Multinational Aircrew Electronic Warfare Tactics Facility Polygone). Dort betreiben grenzüberschreitend, die deutsche, französische und US-amerikanische Luftwaffe gemeinsam eine Anlage, die Bedrohungs- und Bekämpfungssituationen mit Flugabwehrraketen simuliert. Sie bereitet Piloten auf den Ernstfall vor und erhöht ihre Überlebenschancen, weil sie sofort über die Wirksamkeit der von ihnen ergriffenen Schutzmaßnamen informiert werden und erfahren, ob sie den Angriff überstanden hätten.

Diese Ausbildungseinrichtung nützen Piloten vieler Staaten - mehrmals im Jahr auch die italienische Luftwaffe. Die Roten Teufel aus Ghedi waren dazu bereits Anfang Juni mit einer Gruppe über die Alpen auf den Fliegerhorst Lechfeld übersiedelt, um sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag zu den Übungszielen Richtung Saarland zu starten. In einer Woche soll auch die zweite Lehrgangsgruppe fertig sein und nach Hause zurückkehren.

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