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Schwabmünchen

09.08.2020

Warum der Pfänderhof von Milchvieh auf Gemüse umsattelte

Zwei Generationen auf einem Hof: Die Landwirte Johannes, Florian und Hans Pfänder (von links) sprechen sich noch immer eng ab.
Bild: Piet Bosse

Plus Hans Pfänder hat seinen Hof in Schwabmünchen zum Gemüsehof gemacht. Was seine Gründe waren und wie er und seine Söhne die Zukunft sehen.

Wer könnte den Wandel in der Landwirtschaft besser beschreiben als zwei Generationen aus einer Familie? Zum Auftakt der neuen Serie blicken der Schwabmünchner Hans Pfänder und seine beiden Söhne Johannes und Florian zurück.

Herr Pfänder senior, wie war das denn früher in der Landwirtschaft? Wie haben Sie angefangen?

Hans Pfänder: Schon während der Schulzeit war ich, genau wie später meine Söhne oder jetzt meine Enkel, immer auf dem Hof dabei. Meine Eltern hatten bis 1967 einen Hof am Stadtrand von Schwabmünchen, auf dem ich aufgewachsen bin. Als der neue Hof gebaut wurde, war ich noch in der Lehre.

Der alte Hanomag fährt noch auf den Feldern um Schwabmünchen

Wie sah die Arbeit auf dem Hof damals aus?

Hans Pfänder: Das war alles anders als heute. Die Flächen waren kleiner, und wir hatten weniger Technik. Ich war sieben Jahre alt, als wir damals den ersten Bulldog kauften. Ich weiß noch, wie ihn mein Vater in Memmingen abgeholt hat. Der Hanomag ist heute noch im Einsatz. Damit haben wir das Heu zusammengeschoben und aufgelupft. Ich hab schon als kleiner Bub geholfen, das Heu einzustampfen, andere haben das noch von Hand gemacht. Dann haben wir das Heu auf den Heuboden hinaufgezogen. Einer stand oben im Heu, es war so heiß, man hat richtig geschwitzt.

Johannes Pfänder und Florian Pfänder, können Sie sich vorstellen, noch so zu arbeiten wie der Vater damals?

Johannes Pfänder: Hätte es den technischen Fortschritt nicht gegeben, wäre das wahrscheinlich normal für uns.

Florian Pfänder: Mit der Technik heutzutage kann ich mir das nicht vorstellen.

Herr Pfänder senior, 1998 haben Sie den Pfänderhof von Tierhaltung auf Gemüse umgestellt. Wie kam es dazu?

Hans Pfänder: Das hatte ethische Gründe. Ich wollte nicht mehr schlachten. Ich wurde Vegetarier und habe mich häufig gefragt, ob ich umstellen soll.

Wie haben die anderen Landwirte auf die Umstellung von Viehhaltung auf Gemüse reagiert?

Hans Pfänder: Viele haben das gar nicht verstanden. Meine Eltern haben gesagt: Ein Bauer ohne Kühe ist kein Bauer. Viehhaltung war Standard in der Landwirtschaft. Damals gab es noch gute Milchpreise. Da hat man am Monatsende sein Milchgeld gekriegt und hatte Sicherheit. Heute ist Viehhaltung nicht mehr so einfach.

Die Kühe auf dem Hof hatten gesundheitliche Probleme

Wie haben Sie sich damals gefühlt?

Hans Pfänder: Ich habe mich gut gefühlt, weil ich davon überzeugt war. Sonst hätte ich das nicht durchgestanden, weil die Ungewissheit groß war, man wusste ja nicht, was kommt. Seelisch ging es mir damit besser.


Was hat Sie zum Umdenken gebracht?

Hans Pfänder: Die Kühe hatten Eierstockzysten, und niemand konnte mir sagen, woher das kommt. Da wurde ich nachdenklich. Ein Professor hat mir erklärt, wie eine Kuh ausschauen muss, damit sie gesund ist. Da hat es klick gemacht. Die Umstellung zum Ökolandbau habe ich konsequent durchgezogen, das hat auch niemand verstanden. Ich habe immer Sachen gemacht, die niemand verstanden hat, aber das war richtig so. Als es den Kühen gut ging, habe ich sie verkauft, und wir haben mit Gemüse wieder bei null angefangen.

Was macht die Landwirtschaft heute aus?

Florian Pfänder: Was wir jetzt machen, hat mit der Landwirtschaft von früher eigentlich nicht mehr sehr viel gemein. Wir haben uns auf unserem Hof vor 20 Jahren auf direkt vermarktetes Feldgemüse spezialisiert.

Welche Schwierigkeiten gibt es bei Ihrem speziellen Weg?

Johannes Pfänder: Man muss sich jeden Tag wieder um die Kulturen kümmern und schauen, dass alles wächst. Man muss dranbleiben.

Florian Pfänder: Wir sind die letzten 20 Jahre ziemlich gewachsen, weil der Biomarkt gewachsen ist. Der Anbau funktioniert, wenn man dahintersteht. Schwierig ist die Bürokratie. Zum Glück macht alles andere so viel Spaß.

Welche bürokratischen Herausforderungen gibt es?

Florian Pfänder: Man muss alles dokumentieren. Der Handel wälzt viel Verantwortung auf die Erzeuger ab. Das betrifft Lebensmittelqualität, Rückstände und Arbeitsschutz. Wir müssen alles genau aufzeichnen. Früher gab es das nicht. Man hatte nur eine Milchgeldabrechnung und vielleicht noch ein paar Investitionen.

Ohne Saisonkräfte geht es auch in Schwabmünchen nicht

Zur Arbeit auf dem Feld: Kommt man ohne günstige Erntehelfer noch zurecht?

Florian Pfänder: Ohne Saisonkräfte kommt man bei uns im Gemüseanbau nicht aus. Gerade sind wieder zehn Mitarbeiter aus Rumänien da, einige kommen schon seit vielen Jahren zu uns, man kennt und schätzt sich.

Hat das auch finanzielle Gründe?

Florian Pfänder: Mit dem Lohnniveau der Industrie können wir natürlich nicht mithalten, aber auch bei uns sind die Löhne in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig ist die Feldarbeit trotz des technischen Fortschritts körperlich anstrengend. Unsere Saisonarbeiter kommen zum Großteil aus der Landwirtschaft und sind körperliche Arbeit gewöhnt.

Johannes Pfänder: Die Saisonarbeiter sind vier bis zwölf Wochen da und arbeiten fünf oder sechs Tage in der Woche. Wenn wir nur fest angestellte Mitarbeiter hätten, bräuchten wir vermutlich mehr Personal für die gleiche Arbeit.

Mal ehrlich: Mischt sich der Vater eigentlich noch ein?

Johannes Pfänder: Wir sind unserem Vater dankbar, dass wir uns von Anfang an einbringen konnten, und alles, bei dem wir uns nicht sicher waren, mit ihm bereden konnten.

Bringen Sie sich noch viel ein, Herr Pfänder?

Hans Pfänder: Ich bin froh, nicht mehr die ganze Verantwortung zu tragen. Andererseits darf ich noch mitarbeiten und habe immer noch eine Aufgabe. Aber ich finde schön, jetzt die Freiheit zu haben, auch mal wegfahren zu können.

Der Vater nimmt noch die Bestellungen auf

Was arbeiten Sie auf dem Hof?

Hans Pfänder: Ich nehme die Bestellungen auf. Die Arbeiter bekommen morgens dann einen Arbeitsauftrag von mir. Mit meiner Tochter Silvia schaue ich regelmäßig raus aufs Feld, um dann Angebote zu schreiben. Mit der Arbeit auf dem Feld habe ich inzwischen nichts mehr zu tun.

Was hat sich auf dem Hof verändert?

Hans Pfänder: Die größte Veränderung ist, dass wir jetzt direkt verkaufen. Früher wurden die Milch und das Getreide abgeholt, und irgendwann hast du erfahren, wie viel Geld du kriegst.

Hat sich das Modell durchgesetzt?

Florian Pfänder: Ja, es hat sich etwas verändert. Viele beginnen jetzt wieder neu mit der Direktvermarktung. Die ganz großen Betriebe vermarkten vielleicht auch selber, aber sie unterliegen den Preisen auf dem Weltmarkt.

Florian (links) und Johannes Pfänder sind auf dem Hof der Eltern aufgewachsen und haben von Kindesbeinen an mitgeholfen. Hier sind sie bei der Radieschenernte zu sehen.
Bild: Hans Pfänder

Johannes Pfänder: In der klassischen Milchviehhaltung hat sich in der Vermarktung nichts getan. Das ist noch genauso wie früher.

Und wie hat sich die Arbeit verändert?

Vieles geht durch moderne Technik leichter

Johannes Pfänder: In der klassischen Landwirtschaft und in der Tierhaltung bewirtschaften weniger Leute wesentlich mehr Fläche. Aber die Arbeit ist nicht weniger geworden. Vieles geht durch moderne Technik aber leichter.

Hans Pfänder: Heute kann ein Landwirt in ein paar Tagen mit einem Schlag riesige Flächen abmähen. Früher hat das Wochen gedauert. Man redet immer von der schönen alten Zeit, ob man die heute noch will, bezweifle ich.

Florian Pfänder: Was für uns jetzt das Normale ist, war für euch der Stand vor 50 Jahren.

Wie muss ein Landwirt heute aufgestellt sein?

Florian Pfänder: Man muss mutig sein und sich trauen, etwas anders zu machen, als es in den Lehrbüchern steht. Wenn man aus dem Schema F rausgeht, kann sich etwas Gutes entwickeln.

Reicht ein Standbein?

Florian Pfänder: Wir vermarkten direkt und beliefern Naturkostläden, Gärtnerkollegen, und auch den Groß- und Einzelhandel. Wenn mal ein Abnehmer wegfällt, geht es weiter. Die Vielfalt in der Vermarktung ist wichtiger als die Gemüsevielfalt.

Sie verkaufen Gemüse im Hofladen direkt an Ihre Kunden. Hat Landwirtschaft heute mehr Einfluss darauf, was die Leute essen?

Florian Pfänder: Es achten wieder mehr Leute darauf, welche Lebensmittel sie kaufen. In unseren Hofladen kommen auch Kunden, die gezielte Beratung und Wissen suchen und nachfragen. Wir hoffen, dass das anhält und im Bewusstsein der Leute bleibt, dass regionale Produktion wichtig ist.

Der Trend geht auch in Schwabmünchen wieder zur Direktvermarktung

Also hat man mehr Einfluss?

Johannes Pfänder: Ich bin mir nicht sicher, ob wir mehr Einfluss haben. Früher hat auch jeder seine Milch und die Kartoffeln beim Bauern geholt.

Florian Pfänder: In den letzten 25 Jahren haben sich die Landwirte durch Großvermarkter von den Kunden entfernt. Jetzt kommt das Direkte mit vielen kleinen Betrieben zurück.

Wie entwickelt sich die Landwirtschaft in Zukunft?

Hans Pfänder: Der Strukturwandel lässt sich nicht zurückdrehen. Aber ich glaube auch nicht, dass das ewig so weitergeht mit der Technik. Irgendwann kracht es. Der Druck von den Verbrauchern wird größer, sie wehren sich zum Beispiel gegen Spritzmittel-Rückstände im Gemüse.

Florian Pfänder: Die Robotertechnik wird in den nächsten zehn Jahren sicher vorankommen und teilweise Arbeitskräfte aus den Ostländern ersetzen.

Hans Pfänder: Der Klimawandel ist auch ein Punkt. Dadurch verändern sich die Pflanzen. Durch weniger Regen wird das Grünland schlechter wachsen, das bringt Schwierigkeiten mit sich.

Serie In der nächsten Folge unserer neuen Serie geht es um den Maschineneinsatz in der Landwirtschaft.

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