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Königsbrunn

22.02.2021

Warum die "Fliegenden Haie" über Königsbrunn singen

Die Fliegenden Haie Krissi und Jan, die in ihren Texten auch gerne mit Rollenklischees spielen.
Bild: Sebastian Huber

Plus Wenn es einen Song über Königsbrunn gäbe, wie würde der wohl klingen? Die Antwort: Es gibt ihn und er ist schunkelnd, ironisch und voller Hassliebe.

"Wer einmal dort war, der will zurück. Wer einmal dort ist, der will fort" singt das Augsburger und Münchner Duo Fliegende Haie über Königsbrunn in dem gleichnamigen Lied. In einem schwarz-weißen Video auf YouTube spielen die Fliegenden Haie, das sind die Augsburgerin Krissi Paulini und der Münchner Jan König, bei Trommelklängen auf dem Klavier und singen dazu. Dabei ist das Lied eigentlich ziemlich untypisch für die beiden, sowohl musikalisch als auch inhaltlich.

Warum gibt es dann diesen ansteckenden Akustik-Song über Königsbrunn? Es geht um die weite Welt und die Frage nach Heimat. "Königsbrunn" handelt vom "Kleinstadtgefühl" und dem "Hängen zwischen Dorf und Stadt“, wie König erklärt. Denn der 31-Jährige ist zwar geborener Münchner und promoviert dort nun zu älteren Sprachen, verbrachte seine Kindheit und Jugend aber in der Kleinstadt Königsbrunn.

In Königsbrunn prägte ihn die Musikschule, bei er nicht nur Klavierspielen lernte, sondern mithilfe derer er auch seine allererste Band gründete. Weitere Bands folgten - neben den Fliegenden Haien spielt König auch in der fünfköpfigen Band "Dein Ernst". Längere Zeit machte er auch Judo beim PSV und spielte anschließend Fußball beim TSV.

Die Fliegenden Haie singen "Königsbrunn".
Video: Fliegende Haie

Als er nach der Schulzeit weg nach München zog, stellte er sich die Frage, was genau Heimat für ihn bedeutet. Denn er merkte: "Woanders", also in der Großstadt München, "ist es auch nicht besser" als in einer Kleinstadt. Er fühlt sich zwischen seinen beiden Heimatorten Königsbrunn und München hin- und her gerissen.

Song über Königsbrunn: Zwischen Heimatliebe und Kleinstadt-Überdruss

Da gebe es einiges, das laut König nicht für Königsbrunn spreche: Einerseits die Geschichte mit der geschlossenen Königstherme, die er schade und nicht nachvollziehbar findet. Außerdem sei Königsbrunn eine Kleinstadt im Schatten der Großstadt Augsburg, eine "Trabantenstadt" eben. Und sowieso fehle dem Ort ein richtiges Zentrum, findet König. Dennoch besingen die Fliegenden Haie die Schönheit von Königsbrunn im Monat Mai, "wenn die Menschen weit die Fenster aufreißen" und "alle tanzen und singen dabei". Die Melodie weckt Frühlingsgefühle und das Bedürfnis, Königsbrunn fröhlich mit zu besingen.

Zieht ihn diese Hin-und Hergerissenheit wieder zurück nach Königsbrunn? Nein, das könne er sich momentan nicht vorstellen, sagt König. Dennoch gibt es genug Gründe, um immer wieder nach Königsbrunn zurückzukehren: Sobald es wieder möglich ist, will er wieder im Jugendzentrum Matrix proben. Auch wohnt seine Familie noch in der Stadt, bei der er "den Blick aufs Feld und Hundespaziergänge auf der Heide" regelmäßig genieße. Alte Freunde traf er einmal im Jahr im "Ambiente" auf Cocktails - bis auch die beliebte Bar zumachte.

Wie Haie ihre Flossen zum Fliegen nutzen

Auch seine Bandkollegin Krissi Paulini erlebte nach der Schulzeit den Wechsel vom Dorf in die Großstadt: Sie zog zum Studium vom Markt Wartenberg im Landkreis Erding nach Augsburg. Die 27-Jährige studierte dort Musik und Musikpädagogik und arbeitet heute beim Radiosender egoFM. Paulini komponierte mit König zusammen die Melodie für "Königsbrunn". Der Text stammt von König. Normalerweise schreiben und komponieren die beiden aber gemeinsam: Ironie und gesellschaftliche Fragen und Klischees prägen ihre Songs.

Das Ausbrechen aus etwas Kleinem und die Suche nach etwas Größerem spiegelt sich auch im Bandnamen der Fliegenden Haie wieder. "Wir finden die Vorstellung schön, dass ein Hai seine Flossen als Flügel entdeckt und sich aus dem Haifischbecken befreit" sagen die beiden über ihre Namensgebung. Das Duo gibt es seit etwa einem Jahr.

Die Fliegenden Haie mit der Single "Bombay".
Video: Fliegende Haie

Dass es "Königsbrunn" nur in einer Acoustic-Version gibt, ist dem Corona-Jahr 2020 geschuldet. Die Fliegenden Haie machen hauptsächlich Synthie-Musik, eine Art elektronische Tanzmusik mit Synthesizern. Im vergangenen Jahr konnten sie nur auf kleinen Bühnen oder in Livestreams spielen. Dadurch hatten sie die Möglichkeit, auch andere Musikstile auszuprobieren – so ist "Königsbrunn" entstanden. Vielleicht wird es in Zukunft aber auch eine Elektro-Variante geben.

Für das kommende Jahr haben die Fliegenden Haie einige Live-Streams geplant. Sonstige Zukunftspläne? "Viel Geld mit Musik verdienen, um die Königstherme wieder aufzubauen", sagt König und lacht.

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