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Bobingen

01.04.2019

Warum die Grünen-Chefin so gut drauf ist

Katharina Schulze ist sichtlich amüsiert, als ihr Maximilian Deisenhofer die Bilder vom Bierzelt-Auftritt in Schwabmünchen zeigt.
Bild: Elmar Knöchel

Katharina Schulze kam nach Bobingen, um über Europa zu sprechen. Dabei verriet sie, keineswegs immer der fröhliche Wirbelwind der Grünen zu sein.

Ihr Besuch in Bobingen galt dem neuen Bürgerbüro der Grünen an der Lindauer Straße und der bevorstehenden Europawahl. Doch auf Fragen unserer Zeitung verriet die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag auch viel über sich und ihre stillen Momente.

Im kleinen Rahmen des Bürgerbüros konnten die interessierten Zuhörer auf „Tuchfühlung“ mit ihr gehen. Der Ort sei absichtlich gewählt worden, sagte der heimische Landtagsabgeordnete Maximilian Deisenhofer auf die Frage, warum man sich nicht in einer großen Gastwirtschaft treffe. Es sei ein guter Start für das Bürgerbüro, sogleich mit einem hochkarätigen Gast aufwarten zu können. Und es sei auch für die Bürger interessanter, ein zwangloses Gespräch zu führen.

Wie kann man in der Politik so fröhlich sein?

Es ist offensichtlich, dass hier eine neue Politikergeneration die Bühne betritt. Lässig im Auftreten, engagiert und leidenschaftlich in der Sache. Dabei ist es einfach unausweichlich, Katharina Schulze die Frage zu stellen, die sie wahrscheinlich schon oft beantwortet hat:. Wie schafft man es in diesem politischen Geschäft, derart gut „drauf“ zu sein? „Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht,“ lautet ihre Antwort. „Jammern hilft nicht“, fügt sie an. Lösungen für anstehende Probleme müssten das Ziel sein. Und mit einer positiven Haltung sei es einfacher, die Menschen zu erreichen und für Lösungen zu begeistern. Letztendlich aber sagt sie: „Ich bin halt so“.

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Entschleunigung in der Transsibirischen Eisenbahn

Das stimmt offenbar. Denn sie verstellt sich wohl nicht, geht vielmehr offen auf Menschen zu. In Bobingen verrät sie dabei auch Privates. Über ihr tollstes Urlaubserlebnis zum Beispiel: „Ich bin mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking gefahren“, schwärmt sie. Die Weite der Landschaft, die unterschiedlichen Landschaftsformen, die Ruhe und die Entschleunigung auf dieser Reise hätten bei ihr einen tiefen Eindruck hinterlassen. Wobei man sich an dieser Stelle ein Schmunzeln schwer verkneifen kann. Denn „Ruhe und Entschleunigung“ mit Katharina Schulze zu verbinden, bedarf schon einiger Vorstellungskraft. „Das Bad im Baikalsee war zwar kalt, aber herrlich.“

Schwenk zur Politik: Überraschenderweise sei das Handynetz zwischen Moskau und Peking durchgängig besser gewesen als zwischen Ammersee und Günzburg. Da schlägt sie den Bogen zu aktuellen Themen. Die Digitalisierung und der Netzausbau gehören zu ihrer Agenda. Aber das Themenspektrum der „neuen Grünengeneration“ ist breiter geworden. Natürlich sind Klima, Umweltschutz und erneuerbare Energien Kernthemen. Aber auch Fragen wie innere Sicherheit, Wirtschafts- und Sozialpolitik stehen auf der Liste.

Überzeugen ohne Zeigefinger

Wobei auffällt, dass sie bei aller Leidenschaft, die sie an den Tag legt, wenn sie über diese, ihr wichtigen Themen spricht, nicht den erhobenen Zeigefinger bemüht. Keine Spur von den Vorschriften, die die Grünen den Menschen früher machen wollten. Das hatte ihnen ja auch den wenig schmeichelhaften Titel einer „Verbotspartei“ eingebracht. Katharina Schulze versucht zu überzeugen, ohne den moralischen Überflieger zu geben. Das macht sie authentisch.

Und sie hat Ziele. Fragt man sie danach, muss sie nicht überlegen. „Die Menschen in Bayern wollten einen Wechsel. Die Grünen sind nicht umsonst zweitstärkste Kraft in Bayern geworden. Doch was haben wir bekommen? Ein weiter so. Das muss sich ändern. Dafür haben wir jetzt fünf Jahre Zeit.“ Das ist eine für einen Politiker ungewöhnlich deutliche Kampfansage.

Am Ende ihrer kurzen, aber prägnanten Ansprache, bekennt sie sich ausdrücklich zu Europa. Natürlich hoffe sie, dass die Bürger bei der Wahl die „Grünen“ wählen werden. Noch wichtiger aber sei ihr, dass die Menschen überhaupt zur Wahl gingen und ein klares Bekenntnis gegen Rechts abgeben würden. Auf die Frage, ob sie in Zukunft öfter im Landkreis Augsburg anzutreffen sein wird, sagt sie: „In diesem gemütlichen Büro in Bobingen gefällt es mir. Ich komme gerne wieder“.

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