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Bobingen

04.08.2020

Warum in Bobingen die Traditionsgeschäfte aussterben

Die ehemaligen Geschäftsräume von Elektro Schrall stehen immer noch leer.
Bild: Elmar Knöchel

Plus Immer mehr Einzelhändler verschwinden aus der Bobinger Innenstadt. Der Wandel macht auch vor Traditionsgeschäften nicht Halt. Ein Blick in die Handelswelt.

Das Gesicht einer Stadt wird zu einem großen Teil von den Einzelhandelsgeschäften vor Ort geprägt. Da macht Bobingen keine Ausnahme. Veränderungen in der Struktur des Einzelhandels nehmen direkten Einfluss auf ihre Umgebung. Dabei macht der Wandel auch vor sogenannten Institutionen nicht halt. Vor allem in der Lindauer Straße sind im Laufe der Jahre mehrere solcher Traditionsunternehmen verschwunden – so wie das Modehaus Stief. Anderen ging es ähnlich. Doch wieder andere kamen hinzu. Hier ein Blick in die Bobinger Handelswelt.

Spielwaren Settele in Bobingen war ein Sehnsuchtsort für Kinder

Über viele Jahre hinweg haben sich die Bobinger dort eingekleidet. Heute befindet sich in den Räumen die Geschäftsstelle des TSV Bobingen. Direkt daneben war ein regelrechter Sehnsuchtsort für Generationen von Kindern zu finden: der Spielwarenladen Settele.

An den Schaufenstern hatten sich die Kleinen nicht nur an Weihnachten die Nasen platt gedrückt. Viele ältere Bobinger werden sich auch noch an das markante, farbige Packpapier erinnern, das dort immer verwendet wurde. Dadurch konnte jedes Kind sofort erkennen, wenn jemand bei Settele eingekauft hatte und das Paket nach Hause trug.

Einzelhändler in Bobingen haben keine Nachfolger gefunden

Auch den Elektro-Markt Schrall gibt es nicht mehr. Viele Jahre lang war es in Bobingen keine Frage, woher die neue Waschmaschine oder der Fernseher kam. Genauso wenig war es eine Frage, wer gerufen wurde, wenn ein Gerät defekt war. Ebenso kam das Aus für die Firma Bobinger Schuh. Die Gründe für solche Schließungen ähneln sich oft. Die Inhaber nähern sich dem Rentenalter und finden keine Nachfolger mehr. Für junge Menschen erscheint es nicht attraktiv, an feste und lange Ladenöffnungszeiten gebunden zu sein und immer wieder auf Urlaub zu verzichten. Gleichzeitig sinkt der Umsatz, weil immer mehr im Internet bestellt wird oder die Konkurrenz durch große Handelsketten übermächtig wird.

Musikschule zieht in leer stehendes Gebäude von Schuh Bobinger

So stellten es auch Franz Schrall, ehemaliger Inhaber des Elektromarktes, und Xaver Bobinger, Besitzer von Bobinger Schuh, in einem Gespräch vor einem Jahr dar. Ins Gebäude von Bobinger Schuh ist mittlerweile eine Musikschule eingezogen. Der ehemalige Elektromarkt steht immer noch leer. Einen Schuhladen einer großen Kette gibt es in Bobingen, genauso wie in vielen anderen Städten, mittlerweile nur noch am Stadtrand im Gewerbegebiet. Der Stadt Bobingen ist bei allem Wandel nicht vorzuwerfen, nichts für die Entwicklung der Innenstadt zu tun. Ganz im Gegenteil.

Seit der Modernisierung vor fünf Jahren hat die Bäckerei Kästele mit vielen unvorhergesehenen Problemen zu kämpfen.
Bild: Elmar Knöchel

Durch die Umgestaltung der Bobinger Mitte glänzt die Hochstraße mittlerweile in einem völlig neuen Licht. Doch die Einflussmöglichkeiten der Stadt bleiben begrenzt.

Denn die zweifellos stark verbesserte Aufenthaltsqualität im Zentrum Bobingens hat letztlich nicht zu einer Zunahme von Einkaufsmöglichkeiten geführt. Profitiert haben hauptsächlich Gastronomie und Bäckereien mit angeschlossenen Bistros. Man könnte die Hochstraße mittlerweile durchaus die „Bäckereimeile“ nennen. Doch keine Regel ohne Ausnahme. So hat bis heute die Handwerksbäckerei Kästele nicht nur überlebt. Bäckermeister Markus Kästele hat seinen Betrieb modernisiert und den veränderten Bedürfnissen angepasst. „Gute und gleichbleibende Qualität ist entscheidend, damit die Stammkunden gerne einkaufen“, sagt Markus Kästele. Seit 1902, mittlerweile in vierter Generation, backen die Kästeles Brot für Bobingen. „Es war immer ein Traum von mir, auch ein kleines Café einzugliedern“, sagt der Bäckermeister.

Bäckerstadt Bobingen: Ein Bäcker leistet sich einen Traum

Vor fünf Jahren wurde der Traum wahr. Freilich, so betont er, hätten sie damals noch nicht gewusst, dass sich Bobingen einmal zur „Bäckerstadt“ entwickeln würde. Die Konkurrenz auf engstem Raum sei enorm, sagt Kästele. Aber bereut hat er seine Investition nicht. Was ihm allerdings im Moment zu schaffen macht, sind die äußeren Umstände. „Die Baustelle im letzten Jahr mit Vollsperrung der Lindauer Straße, dann die Corona-Krise und jetzt im September nochmals Straßenbauarbeiten. Das ist schon hart für einen kleinen Betrieb.“ Doch Markus Kästele gibtsich kämpferisch. „Weitermachen und jeden Tag sein Bestes geben“, ist sein Motto.

Ein neues Lebensmittelgeschäft eröffnete im Herzen von Bobingen

Das will auch Edeka Volgmann. Entgegen dem allgemeinen Trend, dass sich neue, größere Lebensmittelhändler nur noch am Ortsrand auf der grünen Wiese ansiedeln, eröffnete der Markt im Herzen Bobingens. Die Stadt stellte das Grundstück zur Verfügung. „Die Entscheidung für das Zentrum war richtig. Die Bobinger sind froh, im Innenstadtbereich einkaufen zu können“, sagt Wolfgang Volgmann.

Handel in Bobingen: Für neue Geschäfte fehlt der Platz

Die Möglichkeiten für neue Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt sind allerdings in Bobingen genauso begrenzt. Denn die Entfaltungsmöglichkeiten und das Raumangebot sind endlich. Parkflächen sind schwer auszuweisen und die Nähe zu Kundenmagneten wie zum Beispiel dem V-Markt im Bobinger Osten fehlt. So ist es wohl nicht zu verhindern, dass sich das Gesicht der Bobinger Innenstadt auch in Zukunft weiter verändern wird.

Die Inhaber kleiner Läden müssen sich auf das veränderte Kundenverhalten einstellen - lesen Sie dazu einen Kommentar von Redakteur Maximilian Czysz: Einzelhandel in der Krise: Die Geschäftsinhaber müssen flexibel reagieren

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