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Bobingen

09.11.2017

Warum sich Europa über uns freut

Ein Bild vom Einsatz europäischer Fördergelder machten sich SPD-Politiker in der Lehr- und Schauküche von Rainer Naumann in Bobingen.
Bild: Pitt Schurian

Alle Regionen sollen noch besser gedeihen. Dem Begegnungsland zwischen Lech und Wertach geht es dabei um Lebensqualität. Und in Bobingen gibt es dafür gute Beispiele.

Die Menschen in Bobingen kennen Metzgermeister Rainer Naumann in seinen ehrenamtlichen Funktionen als einen guten Zuhörer. Mehr Taten als Reden. Wenn er jedoch von Fleisch spricht, saubere Betriebsabläufe erläutert oder etwas von den Anfängen seines Familienbetriebs vor über 150 Jahren erzählt und warum er vom alten Schafstall trotz aller Umbauten noch immer ein Stück Mauer erhält, dann hängen Zuhörer schon mal an seinen Lippen.

Kartoffeln und Eier aus Bobingen

Zuletzt ging es dem früheren Oberbürgermeister von Würzburg und heutigen europapolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Georg Rosenthal, so. Sein Eindruck: In Naumanns einladender Schau-und Lehrküche an der Poststraße sind EU-Fördergeld und Zuschüsse aus München gut angelegt. Der Betrieb ist längst EU-zertifiziert, entspricht also den strengsten Lebensmittelvorschriften und dürfte EU-weit agieren. Will er natürlich nicht, aber Naumann erzählt, wie sehr Lebensmittelbetriebe aufpassen müssen, um nicht Opfer von Verunreinigungen zu werden oder als Teil einer Kette in einen Lebensmittelskandal hineingezogen zu werden. Darum kennt er die Bauern, die sein Fleisch liefern, er weiß, dass die Kartoffeln aus Bobingen kommen und die Eier in der Regel ebenso. Und strenge Vorschriften sind ihm durchaus recht. Sonst müsste er sie selbst erfinden. Die Umsetzung müsse halt einen Sinn machen. Und da würden es deutsche Institutionen im Umgang mit EU-Vorgaben schon mal gehörig übertreiben: „Von BSE spricht heute kein Mensch mehr, ist kein Thema, aber bei uns gelten die Vorschriften von damals noch heute“, sagt er zum Beispiel.

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Wenn Europa vor Ort ankommt

Europapolitiker Georg Rosenthal freut, was er vom Mann aus der Praxis hört: „Ich bin froh, wenn Europa vor Ort ankommt, wenn man es hier greifen kann und man sieht: Es hilft.“

Helfen will Europa in Form der Entwicklung aller Regionen – auch in Deutschland, auch in Bayern. Aus Brüssel und vom Freistaat kommen jene Fördergelder, deren Vergabe südlich von Augsburg das Begegnungsland Lech-Wertach koordiniert. Weil andere Regionen weniger Initiative zeigten, wurde Geld umgeschichtet und 300000 Euro zum Begegnungsland weitergeleitet. In der laufenden Förderperiode 2014 bis 2020 geht es derzeit um Zuschüsse in Gesamthöhe von 1,8 Millionen Euro. Damit wurden zwischen Lech und Wertach 53 Projekte angestoßen, die bis 2022 umgesetzt sein müssen. Das Investitionsvolumen beträgt zusammen 5,5 Millionen Euro.

Rainer Naumann hat in diesem Jahr zwei Millionen Euro in seinen Betrieb investiert. Dafür bekam er 200000 Euro an Fördergeld. Ja, er hätte es auch ohne Zuschuss gemacht, aber anders, sagt er. Denn Europa fordert Leistungen ein. In diesem Fall ist es die Vermittlung von Wissen über den Umgang mit regionalen Lebensmitteln und die Erläuterung transparent darstellbarer Betriebsabläufe.

Dazu steckt in dem Familienunternehmen viel Anschauungsmaterial. Es hat Praxis als Cateringunternehmen und Lieferant von über 400 Essen am Tag alleine an zehn Kindergärten. In der Schauküche werden nun Kochkurse und Küchenpartys angeboten, für Kinder ebenso wie für kleine Gruppen interessierter Kochfreunde.

Es geht um Lebensqualität

Die Regionalentwicklung müsse der Region dienen und ihren Menschen im Begegnungsland, erläutert dessen Geschäftsführer Benjamin Früchtl. Dazu gebe es klare Vergabekriterien. In den zehn Jahren seit Beginn der Regionalentwicklung habe diese einen Erfolgsprozess der heimischen Kommunen begleitet: „Andere Regionen setzen beispielsweise auf Tourismus. Wir sind eine Region der Lebensqualität. Die Gemeinden tun viel dafür.“ Hier würden Menschen gut leben, wohnen und arbeiten. Freizeitangebote und Infrastruktur des Alltags trügen dazu bei. Diese Lebensqualität wolle die Regionalentwicklung weiter fördern.

Weitere Projekte

Auch die Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr hat diesen Eindruck: „Das schafft hier eine gemeinsame Identität“, die es so überörtlich für das Lechfeld, die Hochstraße und die drei Städte im Landkreissüden bislang nicht gegeben habe. In Bobingen wird dies im kommenden Jahr an weiteren Beispielen sichtbar werden. Nahe der Singoldhalle entsteht ein interkultureller Begegnungsplatz, welcher im Rahmen von Sport und Bewegung Austausch zwischen Kulturen fördern soll. Und der Gartenbauverein kann im Wasserturm seine Mosterei umbauen, die den Menschen vor Ort Saft aus den Früchten ihrer Obstbäume liefert.

Längst verwirklichte Projekte sind im Stadtgebiet die Vernetzung des Fernradwegs Wertach samt Rad- und Wanderführer, das Haus der kleinen Forscher in der ehemaligen Mädchenschule, wo Kinder experimentieren können, sowie E-Bike-Ladestationen, wobei Radler allerdings passendes Ladegerät und Kabel selbst mitbringen müssen.

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