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Bobingen

18.11.2019

Warum sich die SPD weiter als Volkspartei sieht

Eine große Geburtstagstorte für die SPD gab es in Bobingen: Armin Bergmann, Bernd Müller, Ulrich Maly und Edmund Mannes schnitten sie an.
Foto: Elmar Knöchel

Bei der Feier zum 100. Geburtstag ging es in Bobingen um Personen und Politik, um Mängel in der Gesellschaft und um die künftigen Aufgaben der Sozialdemokratie.

Die Sozialdemokratie hat schon viele schwere Zeiten in Deutschland durchstanden, doch sie ist für die Demokratie noch immer so nötig wie früher. Solch ernste Betrachtungen, aber auch manche Heiterkeit gehörten zur Geburtstagsparty des SPD-Ortsvereins in der Singoldhalle. Im Mittelpunkt stand das Wirken der Partei in der Kommunalpolitik. Worauf es dabei ankomme, erklärte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly.

Eine Lichtgestalt der Bayern-SPD

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand als Ehrengast OB Maly. Bürgermeister Bernd Müller würdigte seine Rolle: „Sozialdemokraten werden gerade in schwierigen Zeiten, solchen wie wir sie gerade erleben, gebraucht. Menschen, die nicht nur an das eigene Wohlergehen, sondern auch an das Wohlergehen der Gesellschaft denken. In diesem Sinne hat Ulrich Maly weit über die Grenzen Nürnbergs hinaus Anerkennung erfahren. Denn er weiß, was die Menschen bewegt.“ Nicht umsonst, so Müller, habe Markus Söder über ihn gesagt, er sei die „Lichtgestalt der Bayern-SPD“. Diesen Satz wollte Maly nicht einfach so stehen lassen: „Ich weiß, wann Söder das gesagt hat. Nämlich als er erfahren hatte, dass ich bei der nächsten Bürgermeisterwahl nicht mehr antreten werde.“ Damit hatte Maly die Lacher auf seiner Seite.

Maly: Nicht vor Freude grunzen

Dann ging es jedoch um die Lage der SPD. „13 bis 15 Prozentpunkte für die SPD lassen mich nicht gerade vor Freude grunzen“, stellte Maly fest. Trotzdem sei die SPD weiterhin eine Volkspartei. Denn Volkspartei würde nicht heißen, dass das ganze Volk die SPD wählt. Es hieß viel mehr, dass die SPD für das ganze Volk da sei. Viele Menschen in Deutschland hätten das Gefühl, dass es in diesem Land nicht mehr so gerecht zugehe wie früher, führte Maly aus. Und das könne man niemandem übel nehmen. Zwar gehe es niemandem schlechter als früher, doch die Schere zwischen Arm und Reich klaffe immer mehr auseinander. Wenn man erlebt, dass die Reichen immer reicher, die Armen aber stetig ärmer würden, so erzeuge das einfach ein Gefühl, dass es nicht gerecht zugehe. Das Versprechen der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland ist ein Stück weit verraten worden, so Maly.

Auf kommunaler Ebene wirken Gesichter

Daraus ließe sich die momentane Schwäche der Volksparteien in Deutschland erklären. Auf kommunaler Ebene sähe das Bild schon besser aus. „Denn im kommunalen Bereich gibt es Gesichter, die man mit sozialdemokratischer Politik verbinden kann. So wie hier in Bobingen Bernd Müller.“ Dadurch sei man in der Lage, sozialdemokratische Politik zu erklären und erlebbar zu machen, sagte der Festredner.

Solange man nicht sagen könne, dass es in Deutschland hundertprozentig gerecht zuginge, solange würde auch die SPD gebraucht. Deshalb mache er sich keine Sorgen, dass die Sozialdemokraten auch in den nächsten hundert Jahren für soziale Gerechtigkeit kämpfen werden.

Guter Rat: Mensch sein

In der Geschichte der SPD in Bobingen habe er gelesen, dass der Ortsverein sich immer Ziele gesetzt und diese dann Stück für Stück umgesetzt habe. „Das ist richtig so. Denn es nützt nichts, sich ins Rathaus zu hocken und zu behaupten, dass man die schönsten Wasserleitungen baue“, wandte sich Maly an die Bobinger Genossen. Man müsse die Menschen mitnehmen und erklären, wie man sich das Stadtbild und die Gemeinschaft vorstelle und was man dafür tun wolle. Das sei zielführende, sozialdemokratische Politik. Gerade dafür stehe in Bobingen Bernd Müller wie kein anderer. Seine Rede schloss Ulrich Maly mit einem Zitat von Erich Fried: „Es kommt nicht nur darauf an, dass ein Mensch das Richtige denkt, sondern dass der, der das Richtige denkt, ein Mensch ist.“

Ein Geschenk für Mannes

Stadtrat Helmut Jesske zeigte sich sehr zufrieden mit der Rede des Nürnberger Oberbürgermeisters. Er ergänzte aber, dass es ihm als Stadtrat gerade in der Kommunalpolitik auf größtmögliche Authentizität ankomme. Denn man könne nicht Wasser predigen und Wein trinken. Man müsse offen und ehrlich zu seinen Überzeugungen stehen, nur damit sei es der SPD gelungen, so viele Jahre erfolgreiche Politik zu machen, schloss Jesske.

Viele amtierende und ehemalige Größen der Stadt-, Kreis- und Landespolitik waren in die Singoldhalle gekommen, um der Partei ihre Aufwartung zu machen. Und viele weitere Gäste gesellten sich dazu. Ortsvorsitzender Armin Bergmann hatte gleich zu Beginn eine Überraschung für einen sehr erfahrenen Kommunalpolitiker Bobingens parat. Für seinen unermüdlichen Einsatz erhielt der SPD-Fraktionschef im Stadtrat, Edmund Mannes, als Anerkennung ein kleines Geschenk.

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