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90. Geburtstag

20.11.2018

Was Menschen aus der Region mit Micky Maus verbindet

Berühmte Comic-Ikone: Micky Maus feiert den 90. Geburtstag. Bis heute ist die Kultfigur in unzähligen Heften und Taschenbüchern verewigt.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Seit 90 Jahren treibt Micky Maus Abenteuer im Kinderzimmer. Vielen Eltern war die Comicfigur verpönt, heute ist sie Kult. Menschen aus der Region sprechen über ihre Erinnerungen.

Als die ersten Micky-Maus-Hefte in Deutschland erschienen, wetterten dagegen entrüstete Eltern und Pädagogen. Ihnen waren die quietschbunten Bildsequenzen ebenso suspekt wie die lautmalerischen Texte in den Sprechblasen. Mit Begriffen wie Peng, Zack, Krach und Schepper standen die Comics bei den Kritikern im Verdacht, eine sprachliche Verblödung zu fördern. Heute ist die kleine Maus, die Walt Disney vor 90 Jahren, am 18. November 1928, für einen Film entwickelte, der Megastar der Comic-Kultur. Wir sprachen über die Ikone mit Menschen in der Region: Wie haben sie Micky Maus in ihrer Kindheit erlebt?

Micky Maus beim Cousin gelesen

Die Bürgermeisterin von Walkertshofen, Margit Jungwirth-Karl, kann sich gut erinnern. „Da meine Eltern nicht bereit waren für diesen ,amerikanischen Schmarrn‘ Geld auszugeben, habe ich Micky Maus immer in aller Ruhe bei meinem Cousin gelesen“, erzählt sie. Ob als Pizzabote, Abenteurer oder Detektiv – Micky Maus habe sie oft zum Lachen gebracht. „Besonders mochte ich in den Heften die Neffen Tick, Trick und Truck, weil die immer schlauer waren als die Erwachsenen und sich aus jeder prekären Lage selbst gerettet haben. Mich haben die Fortsetzungsgeschichten immer aufgeregt, weil ich unter Umständen die eine oder andere Fortsetzung versäumte.“ Treu geblieben ist sie den Comics bis ins Erwachsenenalter.

Heimlich musste Monika Wagner, Ausbildungsleiterin beim Modehaus Schöffel in Schwabmünchen, die Heftchen lesen. „Sie galten bei meinen Eltern nicht als wertvolle Literatur“, sagt sie. So seien die von ihr heimlich gekauften Comics nachts unter der Bettdecke konsumiert worden. Ihr Herz habe sie damals an den einfallsreichen Erfinder Daniel Düsentrieb verloren. „Seine Denkkappe hätte ich heute immer noch gerne“, sagt Wagner und schmunzelt. Später habe sie die Hefte für ihre Kinder gekauft und auch ganz offiziell selbst gelesen. Ihr gefielen die unkomplizierten und fantasievollen Geschichten und die Charaktere, in die Micky Maus schlüpfte.

Waltraud Trinker vom Bobinger Tisch hat Micky Maus gelesen, aber nicht verschlungen, ganz im Gegensatz zu ihrer Tochter. Als Schund habe sie die Geschichten nie empfunden. „Lustig waren damals vor allem Lautmalereien wie Uff, Peng, Fetz, Krach oder Grunz“, erzählt sie. Imponiert habe ihr, dass Micky Maus immer das sprichwörtliche Glück des Tüchtigen an der Seite hatte.

Zudem sei die Figur leicht zu malen gewesen: ein großer Kreis, darüber zwei kleinere. Daneben habe es ihr vor allem der Geizkragen Dagobert Duck mit seinen funkelnden Dollarzeichen-Augen angetan.

Wenig Disney-Comics hat dagegen der Lehrlogopäde und Musiker Ralf Peters aus Fischach in seiner Kindheit gelesen. Seine Eltern haben die Heftchen nur selten gekauft. „Ich habe sie aber immer gerne bei meinen Cousinen gelesen, die hatten mehr davon.“ Besonders war Peters von Mickys Humor und Köpfchen und der damit verbundenen Überführung gefährlicher Ganoven sowie von Dagobert Duck beim Baden im Geldspeicher fasziniert.

Christian Weh aus Großaitingen, Vorsitzender der Schwabmünchner Kolpingsfamilie, kennt Micky Maus insbesondere aus den Wartezimmern von diversen Ärzten. „Da habe ich neben der umtriebigen Maus auch den etwas schusseligen Erfinder Daniel Düsentrieb und die Umtriebe der treudoofen Panzerknackerbande kennengelernt.“ Die Sammelleidenschaft habe ihn aber nicht gepackt.

Dagobert Duck als Lieblingsfigur

Reinhold Lenski, der frühere Leiter des Kulturamts und Kulturpreisträger der Stadt Bobingen, ist ein Mensch, der sich mit Kunst und Literatur auskennt. „Die Hefte haben mich in meiner Kindheit sehr fasziniert, auch weil Micky Maus an den exotischsten Schauplätzen und stets in unterschiedlichen Rollen glänzte“, gesteht er. Sein damaliges Augenmerk legte er weniger auf die Texte. „Die fand ich nicht gerade hintergründig“, sagt er. Die Zeichnungen seien aber toll gewesen. Auch bei ihm kristallisierte sich als Lieblingsfigur in den Heften und Taschenbüchern rund um Micky Maus Dagobert Duck heraus. „Er war berühmt für seinen extremen Geiz und sein riesiges Vermögen, das er in einem Geldspeicher lagerte, und dort zuweilen ausgiebig in den Geldstücken und Banknoten badete.“ Weniger beeindruckt waren Lenskis Eltern von den Comics. „Für sie war das Ami-Schund“, resümiert er. Über Schulfreunde sei er aber zu den bunten Heftchen gekommen.

Im Elternhaus von Eva Focht-Schmidt, Leiterin des Königsbrunner Gymnasiums, war Micky Maus verpönt. Sie kam über Freundinnen an die Comics. „Die Geschichten haben mir gefallen, weil sie voller Humor und Situationskomik waren“, berichtet sie. Eine Lieblingsfigur machte sie allerdings nicht aus, weder Micky Maus noch Freundin Minnie, Donald Duck, Kater Karlo oder Goofy. Das entspreche nicht ihrem Naturell, sagt sie. Heute sei Micky Maus weit weg von „Verdummung der Jugend“ und habe mittlerweile auch unter Pädagogen einen gewissen positiven Stellenwert.

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