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Landkreis Augsburg

14.04.2019

Was haben Sie in der Schule fürs Leben gelernt?

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Simon Schropp, Bürgermeister von Untermeitingen
Bild: Anja Ringel

Mit einem neuen Fach sollen Schüler auf den Alltag vorbereitet werden. Menschen aus dem Augsburger Land erinnern sich an ihren Unterricht von früher.

Sie können Gedichte analysieren und Sinuskurven berechnen, aber wenn es um den ersten Mietvertrag geht, sind Schüler ratlos. Ein neues Unterrichtsfach soll das ändern und Schüler besser auf den Alltag vorbereiten. Aber haben wir in der Schule wirklich nichts fürs Leben gelernt?

Von wegen. Eine wackelige Steckdose festschrauben oder eine Lampenfassung ans Kabel anschließen – für Beate Spiegel ist das kein Problem. Sie hat im Physikunterricht aufgepasst und gelernt, wie es geht. 1977 machte sie Abitur an einem Gymnasium in Hessen, heute leitet sie das Museum Oberschönenfeld. „Ich habe einige lebenswichtige Dinge im Unterricht gelernt“, sagt sie. So wusste Spiegel, wie ein Ottomotor funktioniert, bevor sie selbst im Auto saß und kann bis heute den Unterschied zum Wankelmotor erklären. Statt Französisch wählte sie Kochen als Unterrichtsfach. Aber das habe ihr rückblickend nicht viel gebracht. Dass sie in der Grundschule Sütterlin lernte, kommt ihr als Museumsleiterin heute noch zugute.

Nützliche Hausarbeiten und Informatik standen an der Realschule Schwabmünchen auf dem Lehrplan

Einfache Tipps für den Haushalt, wie einen ordentlichen Abwasch machen oder auch nur richtig Gemüse schneiden, bekam Simon Schropp, Bürgermeister in Untermeitingen, auf der Realschule in Schwabmünchen im Hauswirtschaftsunterricht beigebracht. Für den 35-Jährigen ist die Schulzeit noch gar nicht so lange her. Da er sich auf der Realschule für den kaufmännischen Zweig entschied, bekam er außerdem Einblicke in Textverarbeitung, Informatik und Rechnungswesen. „So konnte man gut in den Computer reinschnuppern“, sagt Simon Schropp. „Das Zehn-Finger-System ist heute oft nützlich“, sagt der Bürgermeister. Auch im Werkunterricht konnte er einiges mitnehmen: „Jetzt stricke ich zwar nicht mehr, aber man lernte generell einfache Handgriffe für den Alltag. Es gab auch noch zusätzliche Angebote, wie beispielsweise einen Kurs zum Fahrradflicken“, sagt der 35-Jährige. Heute sieht er aber oft Defizite: „Bei der Feuerwehr haben Kinder und Jugendliche Probleme mit den einfachsten händischen Tätigkeiten. Praktische Dinge, die im Alltag helfen können, sind wichtig“, sagt Simon Schropp. Deshalb würde er ein Schulfach, in dem Schüler auf den Alltag vorbereitet werden, befürworten.

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Jörg Faßnacht, Konrektor der Grund- und Mittelschule Fischach und Kreisvorsitzender des Lehrerverbandes, kann sich kaum an Alltagswissen im Unterricht erinnern. „Das war rudimentär, Themen wie Bankverkehr oder Berufsorientierung wurden kleingeschrieben“, sagt Faßnacht, der vor über 30 Jahren Abitur am Gymnasium Neusäß machte. Lediglich seine Wahl für den Sport-Leistungskurs zahlte sich aus. „Da habe ich viel alltagstaugliches Wissen rund um Gesundheit und Ernährung gesammelt“, sagt Faßnacht. Er würde ein Zusatzfach, bei dem Schüler über den theoretischen Tellerrand hinausblicken, befürworten. Vorausgesetzt, es erlaube Schulen eine flexible Gestaltung. Denn alltagsrelevante Themen änderten sich je nach Lebensphase. „Der Schulunterricht kann nicht alle Themen abbilden, und wir müssen unsere Schüler nicht zu Hobbyhandwerkern ausbilden, aber ein paar praktische Dinge können nicht schaden.“

Schnitzen und Töpfern, aber auch Überweisungen und Bewerbungen gab es am Gymnasium Sankt Ottilien im Unterricht

Das weiß auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz. Er erinnert sich noch gut daran, wie er als Grundschüler zum ersten Mal eine Säge in der Hand hielt. Später am Gymnasium Sankt Ottilien lernte er Schnitzen und Töpfern. Im Sozialkundeunterricht schrieb er seine erste Bewerbung und lernte, einen Überweisungsträger richtig auszufüllen. Auch das Thema Artenvielfalt bekam er anschaulich vermittelt. Denn sein damaliger Biologielehrer war ein echter Bienenliebhaber. „Am Fenster hing ein Bienenstock, und wir konnten die Bienen vom Biosaal aus beobachten“, erinnert sich Durz. Schon in der Grundschule in Täfertingen spielte das Thema Natur eine wichtige Rolle. „Einmal zogen Störche vorbei. Die Lehrerin hat das aufgegriffen und uns etwas über die Vögel erzählt“, sagt Durz. Alltagsrelevante Themen würden einem ständigen Wandel unterliegen. Vieles sei bereits in bestehenden Fächern vermittelbar. Es müsse nur der Bezug zur Praxis geschaffen werden.

So sieht das auch Ernst Sperber, evangelischer Pfarrer in Königsbrunn, der viel aus seiner Schulzeit mitnehmen konnte. Er besuchte nach der Grundschule ein neusprachliches Gymnasium. Dort lernte er Englisch, Latein und Französisch. „Fremdsprachen haben mir unglaublich viel geholfen, denn sie sind oft Grundvoraussetzung“, sagt Ernst Sperber.

Mit dem Mathe- und Physikunterricht konnte er allerdings wenig anfangen. „Meistens wurden seltsame Funktionen besprochen, alles war viel zu verkopft und am Ende hatte ich Schwierigkeiten mit Prozentrechnen“, sagt der Pfarrer. Auch kamen seiner Meinung nach Themen wie Wirtschaft oder Ernährung zu kurz. „Der Umgang mit Geld, was ist eine Rendite was passiert beim Bierbrauen, wären wichtige Themen“, sagt der Pfarrer „In Englisch haben wir komplizierte Texte behandelt, anstatt zu lernen, was Löffel oder Zahnbürste heißt“, sagt er. „Inhalte sollen aus der Anschauung heraus besprochen werden. In jedem Schulfach sollte Zusammenhang zu der Realität der Schüler bestehen. Ob der Alltagsbezug in jedem Fach einzeln erfolgt oder in einem speziellen Fach, müssen die Experten entscheiden“, sagt Ernst Sperber.

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