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Landkreis Augsburg

15.09.2020

Was junge Landwirte aus dem Landkreis Augsburg antreibt

Sebastian Rotter ist auf dem Hof seiner Eltern in Gablingen aufgewachsen und leitet den landwirtschaftlichen Betrieb nun gemeinsam mit seinem Vater.
Bild: Marcus Merk

Plus Was den Nachwuchs an der Landwirtschaft begeistert: Sebastian Rotter aus Gablingen und Florian Refle aus Walkertshofen berichten über Verantwortung und ihre Pläne.

Im Landkreis Augsburg gibt es immer weniger Höfe. Im Jahr 2003 waren es in Augsburg und im Landkreis noch 1997 Betriebe, heute sind es laut Landwirtschaftsamt Augsburg nur noch 1488. Viele haben mit Regelungen wie der Düngeverordnung und sinkenden Preisen zu kämpfen. Was treibt junge Landwirte an, trotzdem in der Landwirtschaft zu arbeiten?

Landwirtschaft ist bei Sebastian Rotter aus Gablingen Familiensache

„Ich bin von klein auf dabei gewesen, es gab nichts anderes, als mit dem Bulldog zu spielen“, sagt Sebastian Rotter. Er ist auf dem Hof seiner Eltern in Gablingen aufgewachsen und leitet den landwirtschaftlichen Betrieb nun gemeinsam mit seinem Vater. In der Schule sei dem heute 29-Jährigen schon klar gewesen, dass er Landwirt werden will. Ob ein Kind später Landwirt wird, liege auch oft an den Eltern: „Es kommt darauf an, wie man die Kinder miteinbezieht.

Man sieht schon früh, ob ein Kind gerne am Hof ist, oder nichts damit zu tun haben will. Wenn man das Kind regelmäßig mitnimmt, kann es sich dafür begeistern.“ Er selbst sei mit zehn Jahren das erste Mal mit einem Bulldog gefahren, sagt er.

Dass er im Betrieb seines Vaters mitarbeiten würde, lag nahe. Trotzdem war ihm wichtig, auch andere Betriebe und Kulturen kennenzulernen. Im Praxisjahr seiner Ausbildung ist er zweimal für jeweils drei Monate nach Kanada gegangen. Gemeinsam mit einem Freund hat Rotter in der Region Saskatchewan bei der Ernte geholfen und Kontakte geknüpft. „Ich schicke jedes Jahr einen Freund oder Bekannten rüber zur Ernte.“

Die Mischung macht's beim Anbau

Nachdem er seinen Meister auf der Landwirtschaftsschule in Augsburg gemacht und Fortbildungen besucht hatte, ist er 2014 komplett in den Betrieb seines Vaters eingestiegen. Er wird ihn künftig übernehmen. Seit 2016 ist der Hof der Familie Rotter in Gablingen ein Biobetrieb. Rotter vertreibt die eigenen Kartoffeln und anderes Bio-Gemüse aus der Region im eigenen Hofladen. Außerdem baut er Getreide, Dinkel, Weizen, Hafer, Braugerste, Sojabohnen und Kleegras an.

Weil verschiedene Lebensmittel auf den Ackern angebaut werden, schmecke auch die Kartoffel besser, sagt er. „Andere bauen Kartoffeln alle drei Jahre auf der gleichen Fläche an, wir nur alle fünf oder alle sechs Jahre.“ Bevor wieder Kartoffeln angebaut werden, pflanzt Rotter vier bis fünf verschiedene Früchte auf den Feldern. „Das ist wie bei der Ernährung – die Mischung macht’s. Desto vielseitiger etwas ist, desto mehr Spaß macht’s.“

Auch die ökologische Landwirtschaft im Allgemeinen macht Rotter Spaß: „Das ist eine richtige Herausforderung“, sagt er und strahlt übers Gesicht. „Man fährt nicht bloß ins Lagerhaus und spritzt oder düngt und dann funktioniert es vielleicht. Sondern man ist selbst verantwortlich und alles muss stundengenau passen.“ Mache man mal etwas einen Tag zu spät, dann könne das Auswirkungen auf das ganze Jahr haben, sagt er. Die gestiegene Verantwortung hat aber auch Vorteile: „Man kann selbstbestimmter arbeiten, aber muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Speziell bei ökologischer Landwirtschaft würde sich sehr viel verändern, sagt Rotter.

Der Austausch mit anderen treibt an

Die Vielfalt macht auch Florian Refle Spaß. Der 22-Jährige arbeitet im Milchviehbetrieb seiner Eltern in Walkertshofen. „Es gibt kein festes Prinzip in der Landwirtschaft. Es ist jeden Tag ein bisschen das gleiche, aber doch immer wieder verschieden“, sagt er. Auch schätzt er den familiären Zusammenhalt. „Es ist schön, dass die Familie zusammenhält und etwas auf die Beine stellt. Das Familienleben ist anders, als wenn jeder unterschiedliche Jobs hat.“ Mit familiärer Unterstützung rechnet er auch, wenn er den Hof eines Tages übernimmt: „Wenn mein Vater mir den Betrieb irgendwann übergibt, ist es ja nicht vorbei, dann hilft er mir ja weiterhin.“

Seit drei Jahren arbeitet Florian Refle auf dem elterlichen Hof mit, für ihn war auch schon früh klar, dass er in die Landwirtschaft gehen würde.
Bild: Marcus Merk

Seit drei Jahren arbeitet Refle auf dem Hof mit, für ihn war auch schon früh klar, dass er in die Landwirtschaft gehen würde: „Wenn man mit dem Beruf aufwächst und in dem Betrieb schon von klein auf integriert ist, ist das einfach in dir drin. Die Ausbildung hat mir das noch mal bestätigt. Ich habe in den Ausbildungsbetrieben viel Neues gelernt und viel mitgenommen.“ Der Austausch mit anderen Landwirten würde ihn vorantreiben, sagt er, so könne man vieles ausprobieren.

Dass junge Landwirte offen für Neues sind, ist auch Sebastian Rotter wichtig: „Man muss grundlegend alles überdenken und sich umschauen. Man sollte es nicht unbedingt so machen, wie es der Vater in den letzten 40 Jahren gemacht hat. Es ist ganz wichtig, für alles offen zu sein.“

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