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Landkreis Augsburg

08.04.2021

Welche Zukunft das Fahrrad im Landkreis Augsburg hat

Der Landkreis will mehr Menschen aufs Rad bewegen.
Foto: Marcus Merk (Archivbild)

Plus Wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter aufs Rad bringen können und warum der Landkreis Augsburg keine Zuschüsse für einen Kauf zahlt, erklärt Expertin Mareike Hartung.

Wenn über die Mobilität der Zukunft gesprochen wird, dann geht es meistens ums Auto. In der Debatte wird das Fahrrad aber gerne vernachlässigt – obwohl es schon längst da ist. Die Mobilitätsmanagerin des Landkreises, Mareike Hartung, setzt auf das Rad.

Wie wichtig ist das Fahrrad, speziell das E-Bike, Ihrer Meinung nach für die Zukunft?

Mareike Hartung: Die meisten heute zurückgelegten Wege liegen unter zehn Kilometern. Das ist eine Strecke, die gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann. Wenn’s hügelig wird, man weniger schwitzen will oder schneller ankommen möchte, ist das Pedelec eine passende Alternative zum herkömmlichen Fahrrad. Der Trend geht ganz klar dorthin, das zeigen die Zuwachsraten in diesem Segment.

Der Landkreis Augsburg ist ein Pendler-Landkreis: Viele Menschen legen jeden Tag größere Strecken mit dem Auto zwischen Wohnort und Arbeitsstätte zurück. Kann da ein Rad eine echte Alternative sein?

Hartung: Unsere Modal-Split-Analyse zeigt deutlich, dass das Fahrrad eine Alternative sein kann. Stolze 18 Prozent der Wege im Landkreis werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. Für das Pendeln mit dem Fahrrad zur Arbeit spielt die Infrastruktur beim Arbeitgeber eine bedeutsame Rolle: Kann man die Regenkleidung trocknen, gibt es Möglichkeiten zum Duschen? Besonders wichtig sind Möglichkeiten zum Abstellen des Fahrrads. Der Arbeitgeber kann also sehr konkret helfen, dass das Fahrrad für den Arbeitsweg genutzt wird.

Mareike Hartung ist Mobilitätsmanagerin des Landkreises.
Foto: Aktive Bürger Dasing (Archivbild)

Nach Untersuchungen wird das Auto häufig auch für Fahrten unter fünf Kilometern benutzt. Muss das sein?

Hartung: Grundsätzlich ist eine Entfernung von bis zu fünf Kilometern gut mit dem Fahrrad zurückzulegen. Die Fahrt zum nächsten Bäcker muss nicht zwingend mit dem Auto unternommen werden. Dient die Fahrt jedoch dem Transport von größeren und/oder schweren Gegenständen, kommt in vielen Fällen das Auto ins Spiel. Dies muss jedoch auch nicht sein. Lastenfahrräder bieten tolle Möglichkeiten, auch diese Fahrten auf zwei Rädern durchzuführen.

Wie will der Landkreis mehr Menschen aufs Fahrrad bringen?

Hartung: Genau diese Frage hat sich der Landkreis auch gestellt. Und deshalb ein breit angelegtes Radverkehrskonzept erarbeitet, das im letzten Jahr fertiggestellt wurde. Der Landkreis setzt auf vier Säulen: Infrastruktur, Service, Kommunikation und Information. In erster Linie sollen direkte Verbindungen für den Radverkehr geschaffen werden. Wir arbeiten auch daran, den Winterdienst auf Radwegen im Landkreis stetig zu verbessern. An den kreiseigenen Radwegen wird seit diesem Winter auf priorisierten Strecken täglich zum Berufsverkehr geräumt. Auch mit der alljährlichen Teilnahme am Stadtradeln will der Landkreis immer mehr Menschen für das Radfahren sensibilisieren und mobilisieren.

In Großstädten wird immer mehr auf Verleih-Systeme gesetzt. Was halten Sie davon?

Hartung: In größeren Städten und damit einer entsprechenden Nachfrage sind diese Systeme sehr sinnvoll und ergänzen gut den öffentlichen Personenverkehr.

Welche Summen hat der Landkreis schätzungsweise bislang für seine Fahrrad-Förder-Projekte aufgebracht?

Hartung: Im Mittel wurden rund 152.500 pro Jahr für infrastrukturelle und konzeptionelle Maßnahmen ausgegeben. Die Summe beinhaltet auch die Ausgaben für den Bereich Marketing/Öffentlichkeitsarbeit. Insgesamt wurden von 2017 bis 2020 rund 610.000 Euro für die Radverkehrsförderung ausgegeben. Sie ist dem Landkreis ein wichtiges Anliegen. Dies zeigt sich auch daran, dass es einen Radverkehrsbeauftragten und eine Mobilitätsmanagerin gibt.

Welche Projekte wird es in den kommenden Jahren noch geben?

Hartung: Die im Radverkehrskonzept erarbeiteten Maßnahmen werden sukzessive umgesetzt. Der Landkreis hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: Der Radverkehrsanteil soll erhöht werden. Infrastrukturell läuft derzeit die Planung für einen Radweg entlang der Kreisstraße A30 zwischen der Kreisstraße A16 und dem Kreisverkehr an der B17 beim Gewerbegebiet Logistikzentrun in Graben. Mit dem Bau ist 2022 oder 2023 zu rechnen.

Wäre es nicht geschickter, direkte Anreize zu schaffen? Zum Beispiel besondere Zuschüsse für den Kauf eines neuen E-Bikes?

Hartung: Landkreise haben leider rechtlich keine Möglichkeit, solche konkreten Förderungen aufzusetzen. In den Kommunen könnten aber entsprechende Förderprogramme verankert werden. So hat es auch die Stadt Augsburg gemacht, als sie 2019 ein Lastenrad-Förderprogramm geschaffen hat. Der Landkreis Augsburg kann nur beratend tätig werden und ein Bewusstsein für die Radverkehrsförderung schaffen.

Google-Gründer Larry Page stieß 2015 ein ungewöhnliches Verkehrsprojekt an: Eine lange Röhre, in der Radler bequem fahren können. Sie sollten dabei stetig von einem künstlichen Rückenwind aus Helium und Sauerstoff vorangepustet werden - ein Hyperloop für Fahrräder, der auch Langstrecken bequem bewältigbar gemacht hätte. Ist so etwas Zukunftsmusik oder auf lange Sicht sogar durchaus vorstellbar?

Hartung: Das Projekt ist mir leider nicht bekannt. In unseren dicht bebauten Gebieten halte ich jedoch die Umverteilung der bestehenden Verkehrsfläche zugunsten umweltfreundlicher Mobilitätsalternativen für sinnvoller und kurzfristig möglich. Aber wer weiß, was die Zukunft bringen wird? Am Fahrrad kommt man in der Zukunft auf alle Fälle nicht mehr vorbei.

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