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Landkreis Augsburg

30.03.2016

Wenn Tierliebe zu weit geht

Die Tierliebe der jungen Frau ging dem Gericht zu weit.
Bild: Peter Roth (Symbolbild)

Eine 21-Jährige lässt ihr Pferd aufwendig behandeln und kauft noch ein weiteres Tier dazu. Doch bezahlen kann sie nicht.

Die alte Stute ist schwer krank. Ernsthafte Lungenprobleme hat das 23 Jahre alte Tier. Doch die Besitzerin gibt nicht auf, sie lässt ihr Pferd bei einem Spezialisten im südlichen Landkreis Augsburg behandeln, was mehr als 1500 Euro kostet. Später kauft sie sich ein weiteres Pferd, zum Preis von 11500 Euro. Allerdings hat die junge Frau laut Staatsanwaltschaft nicht annähernd genug Geld, um all das zu bezahlen. Dieses Verhalten brachte sie nun vor das Augsburger Amtsgericht.

„Ich danke ihnen, dass sie versucht haben, mein Pferd zu retten“

Dort gab sie mit ernster Miene ihre Verfehlungen zu, die allesamt im Jahr 2014 stattfanden: „Ich wollte einfach nicht, dass mein Pferd stirbt. Darum habe ich es behandeln lassen.“ Die damals 21-Jährige hatte das Tier einst aus einem Schlachthof gerettet, weshalb es ihr sehr am Herzen lag. Letztendlich waren die Mühen der Ärzte jedoch vergebens, das Pferd erlag trotz Behandlung seiner Krankheit. Der Tierarzt sagte bei der Verhandlung als Zeuge aus, und die Angeklagte nutzte die Gelegenheit, sich bei ihm zu entschuldigen. „Ich danke ihnen, dass sie versucht haben, mein Pferd zu retten“, sagte sie unter Tränen und versprach, die Rechnung in Raten zu begleichen.

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Ein Lügengebilde, um ihrer Täuschung Nachdruck zu verleihen

Doch noch während ihr Tier in Behandlung war, kaufte sie sich ein weiteres Pferd. „Ich habe große Probleme mit meinem Selbstvertrauen und hatte früher eine schlimme Kaufsucht. So kam ich auf die Idee, dass ich ein junges Tier brauche, um mit den anderen im Reitstall mithalten zu können“, erklärte die Angeklagte ihr Verhalten. Einen Preis von 11500 Euro hatte sie vereinbart, obwohl sie keinerlei Geld besaß. Laut Verkäufer beteuerte sie dennoch ihre Zahlungsfähigkeit: „Sie sagte, sie bekomme Mieteinnahmen, hätte ein Grundstück am Starnberger See und erhalte Geld aus einem Festgeldkonto ihres verstorbenen Vaters.“ All das stellte sich später als Lüge heraus. Staatsanwalt Alexander Duré sah hierin eine geplante Aktion: „Die Angeklagte hat ein Lügengebilde aufgebaut, um ihrer Täuschung Nachdruck zu verleihen.“

Der Kaufvertrag für das neue Pferd ist inzwischen aufgelöst und das Pferd fand inzwischen einen anderen Käufer. Der Vorwurf der Täuschung war damit allerdings nicht vom Tisch. Staatsanwalt Duré sah das Verhalten der Angeklagten zwiegespalten: „Bei dem Tierarzt wollte sie ihr Pferd retten. Sie hat aus Tierliebe gehandelt. Doch beim Kauf des neuen Pferdes war ihr Verhalten absolut eigennützig.“

Letztendlich verurteilte das Gericht die Angeklagte wegen Betrugs in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgelegt zur Bewährung. Zudem muss sie ihre Schulden beim Tierarzt begleichen und in Raten eine Spende an ein Tierheim zahlen. „Das Verfahren hat einen starken Eindruck bei der jungen Frau hinterlassen, wie man an ihren Tränen gesehen hat. Ich denke nicht, dass sie so einen Fehler noch einmal macht“, sagte Richterin Martina Triebel. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidigerin der Angeklagten wollte Berufung oder Revision nicht ausschließen.

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