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24.02.2018

Wenn dem Chor die Stimme fehlt

Chöre verschwinden von der Bildfläche, andere werden neu gegründet. Vor kurzem wurde der Senioren-Singkreis der Musikwerkstatt Bobingen (Bild) ins Leben gerufen.
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Chöre verschwinden von der Bildfläche, andere werden neu gegründet. Vor kurzem wurde der Senioren-Singkreis der Musikwerkstatt Bobingen (Bild) ins Leben gerufen.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Viele Vereine suchen dringend neue Mitglieder. Am Beispiel der Hobby-Sänger in Stadt und Land werden ihre Herausforderungen deutlich. Wie die Chöre in der Region versuchen, die Probleme zu lösen.

Viele Vorsitzende und Leiter von Chören in der Region blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Langsam, aber stetig sinkt die Zahl der aktiven Sänger. Der kontinuierliche Aderlass ist in erster Linie altersbedingt. Ein zusätzlicher Grund für die Sorgenfalten: Die Suche nach Nachwuchs wird immer schwieriger.

Viele Chöre in der Region stoßen an eine Altersgrenze. Mehr als die Hälfte der aktiven Mitglieder sind über 60 Jahre alt. Bei der Liedertafel Schwabmünchen ist das Durchschnittsalter jenseits der 65, ebenso beim Gospelchor Königsbrunn oder dem Männergesangverein Neusäß-Westheim. „Um gut aufgestellt zu sein, brauchen wir rund 30 aktive Sänger“, verdeutlicht der Vorsitzende des Männergesangvereins Nordendorf, Alfred Schuller. „Fünf bis sechs junge Sänger würden uns sehr gut tun.“ So hält der Chor Ausschau nach einem ersten Tenor. Beim Chor Jeriocho in Mittelneufnach würden Sopranstimmen eifrig gesucht, so Chorleiter Wolfgang Leiß. Ähnlich beim Kirchenchor Langenneufnach. Auch dort herrscht eine zahlenmäßig angespannte Besetzung bei den Männerstimmen. Stichwort Kirchenchöre: Gerade sie haben es nicht einfach. Im Bistum Augsburg ist ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 200 auf 680 gesunken.

Altersdurchschnitt von 55 Jahren in Graben

Nachwuchsprobleme kennt auch die Chorgemeinschaft Graben. „Wir haben rund 18 Mitglieder und einen Altersdurchschnitt von circa 55 Jahren“, sagt Chorleiterin Hildegard Marxer. „Wir retten uns von Jahr zu Jahr dahin.“ Noch düsterer ist die Situation beim Kirchenchor Klosterlechfeld. Dort ist sie ebenfalls als Leiterin tätig. „Hier brennt es wegen des eklatanten Nachwuchsmangels lichterloh.“ Wenn sich nicht schnell Entscheidendes ändert, breche die Wiedergabe von Werken der klassischen Kirchenmusik und von Chorsätzen bekannter Komponisten weg. Damit bleibe die Aufführung schwieriger Literatur vor Ort gänzlich auf der Strecke.

Ebenfalls besorgt über den Fortgang bei den Chören sind Wolfgang Wewior von der Liedertafel Schwabmünchen, Andreas Seitz vom Männergesangverein Neusäß-Westheim und Gerhard Mühsam vom Gospelchor Königsbrunn. Viele aktive Mitglieder seien in die Jahre gekommen und Ersatz sei nicht in Sicht, stellen sie unisono fest.

Die Gründe für die gesanglichen Nachwuchssorgen sind vielschichtig. Für die Vorsitzende der Schwabmünchner Singgoldies, Brigitte von Kirschbaum, allerdings kein überraschendes Phänomen. „Mir scheint, dass gerade viele Männerchöre es in den letzten ein, zwei Jahrzehnten versäumt haben, dieser gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung entgegenzuwirken“, meint sie kritisch.

Fakt sei, dass jüngere Menschen nicht das vorrangige Ziel haben, in einem Chor zu singen, bilanziert der geschäftsführende Präsident des Chorverbands Bayerisch-Schwaben, Jürgen Schwarz. Hildegard Marxer sieht noch ein weiteres Problem: „Das Singen spielt in den meisten Familien keine Rolle mehr. So erfahren auch die Kinder nicht, dass gemeinsames Singen mit den Eltern ein Riesenspaß sein kann.“

Immer weniger Menschen wollen sich an einen Verein binden

Hinzu komme der Zeitfaktor. „Die wenigsten wollen sich mittlerweile berufsbedingt an einen Verein binden und damit an regelmäßigen Proben oder Aufführungen teilnehmen“, hat Alfred Schuller festgestellt. Ins gleiche Horn stoßen Wolfgang Leiß und Wolfgang Wewior. Um aus der Misere zu gelangen, gehen etliche Chöre in die Offensive. Einige planen oder führen bereits zeitlich begrenzte Projekte oder Aufführungen mit spezieller inhaltlicher Ausrichtung durch. Das funktioniere gut und sei zukunftsfähig und attraktiv. Andere können sich Kooperationen mit Gesangvereinen vorstellen oder dass ein Chor mit anderer Literatur in einer kleineren Gruppe weiter zusammen singt.

Doch nicht bei allen Chören in der Region ist die Lage gleich. Die Singgoldies seien sehr gut aufgestellt, sagt Brigitte von Kirschbaum, Nachwuchsprobleme seien der Frauensinggemeinschaft fremd. Ähnlich beim Gesangverein Harmonie Thierhaupten. „Wir haben einen Kinder- und Jugendchor aus der Taufe gehoben“, berichtet Vorsitzende Gertrud Schuster. Zudem gebe es hier engagierte junge Leute, die Chorarbeit übernehmen.

Aus einem vollen Potenzial kann auch der Freiherr-von-Aufseß-Chor Elmischwang schöpfen. Jugendliche zu begeistern, bedeute keine Schwierigkeit, so Chorleiterin Michaela Gumpp-Peters. Doch hier sei die Basis gegenüber herkömmlichen Traditionschören anders. Der Grund: Die Dirigentin betreibt ein Musikstudio und kann dadurch verstärkt auf Jugendliche zurückgreifen. Es geben aber nicht nur Chöre auf, es werden auch neue gegründet. Ein Beispiel dafür ist der Senioren-Singkreis der Musikwerkstatt Bobingen unter der Leitung von Andreas Brassat.

So unterschiedlich es von Ort zu Ort ist, allen gemeinsam ist die Hoffnung. Durch Klagen werde es nicht besser, meint stellvertretend Andreas Seitz vom Männergesangverein Neusäß-Westheim.

Konzert Der Augsburger Sängerkreis veranstaltet für Jugendchöre einen Stimmbildungstag und ein Abschlusskonzert. Mitwirkende Chöre sind der Jugendchor Augustana der Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg, der Chor des Gymnasium Friedberg und iVoises aus Kutzenhausen. Die Jugendliche lernen Lieder, die am Stimmbildungstag am 3. März mit Profis weiter einstudiert werden. Das Abschlusskonzert ist am 17. März im kleinen Goldenen Saal.

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