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Schwabstadl/Landkreis

18.11.2017

Wenn die Flaggen auf halbmast wehen

Gepanzerter Schutz: Auch Soldaten vom Lechfeld waren bereits mehrfach mit verschiedenen Aufgaben im Einsatz, unter anderem in Afghanistan.
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Gepanzerter Schutz: Auch Soldaten vom Lechfeld waren bereits mehrfach mit verschiedenen Aufgaben im Einsatz, unter anderem in Afghanistan.
Bild: Oberstabsfeldwebel Marc Fetzer/Bundeswehr

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung in Schwabstadl geht es nicht nur um die Gefallenen der Weltkriege. Im Blickfeld sind auch Soldaten, die bei Missionen der Bundeswehr starben.

Volkstrauertag. Ein vor allem für die jüngere Generation sperriger Begriff. Nicht wenige bringen diesen Gedenktag mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung. Denken an Schlagwörter wie Stalingrad, Nationalsozialismus oder Heldenverehrung. Doch der Volkstrauertag, wie ihn der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach Gründung der Bundesrepublik 1950 erneut einführte, will damit nichts zu tun haben. Und er ist brandaktuell.

Die Soldaten vom Lechfeld, die auch in diesem Jahr wieder für die Organisation der zentralen Gedenkfeier in Schwabstadl zuständig sind, wissen das nur zu gut. Denn auch heute noch sterben Jahr für Jahr deutsche Soldaten bei Auslandseinsätzen.

Fast 4000 Soldaten sind im Ausland im Einsatz

Es sind mehr als 3700 Bundeswehrsoldaten, die sich derzeit an Einsätzen im Ausland beteiligen. Gemeinsam mit ihren Bündnispartnern oder befreundeten Nationen operieren sie unter anderem in Afghanistan, im Kosovo, dem Südsudan, am Horn von Afrika, in Somalia oder im Nordirak. Doch nicht jeder wird die Heimat wiedersehen.

„In diesem Jahr haben wir bereits fünf Todesfälle in der Bundeswehr zu beklagen“, sagt Hauptfeldwebel Benjamin Dempfle, als Informationsmeister zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit auch in der Lechfeldkaserne. Der jüngste Vorfall ereignete sich im Juli in Mali, als beim Absturz eines Hubschraubers vom Typ Tiger zwei Soldaten starben. Tatsächlich verlieren aber wesentlich mehr Menschen ihr Leben im Auslandseinsatz – durch Suizid.

16 Menschen starben nach Auskunft des Verteidigungsministeriums vergangenes Jahr allein durch Selbsttötung. Zum Vergleich: Lediglich ein Soldat verlor in diesem Zeitraum bei der Ausübung des Dienstes, wie es in der amtlichen Terminologie heißt, sein Leben.

Oberstabsfeldwebel Marc Fetzer und seine Kameraden wie Oberstabsgefreiter Frank Kügler oder Stabsfeldwebel Franz Heiland wissen um die psychischen Belastungen, die einen Soldaten zu diesem tragischen Schritt treiben können. PTBS, also posttraumatisches Belastungssyndrom, nennt sich die Erkrankung. Dahinter verbergen sich Erlebnisse, die es den Soldaten schwer machen, nach einem Auslandseinsatz wieder in der ungleich heileren Heimat Fuß zu fassen. Erlebnisse, an denen selbst kampferfahrene Männer und Frauen immer wieder zerbrechen.

Beschwerde: Kruste beim Brot ist zu dunkel

Fetzer kann bereits auf zahlreiche Einsätze zurückblicken. Er war unter anderem mehrfach in Afghanistan oder in Afrika im Einsatz. Der Soldat spricht aber nicht von Kampfeinsätzen. Für ihn und seine Kameraden ist es ein Einsatz für den Frieden. Auch der Oberstabsgefreite Kügler sieht das so. Er war vor einiger Zeit für drei Monate in Afghanistan, davor im Kosovo. „Wenn man frisch vom Einsatz wieder daheim ist, sieht man erst, was für banale Probleme wir haben“, sagt der 27-Jährige. Völlig irreal erscheine ihm dann beispielsweise der Ärger eines Kunden, wenn in einem Supermarkt im Augsburger Landkreis ein Produkt gerade mal nicht verfügbar sei. „Oder wenn die Hausfrau sich beim Bäcker beschwert, dass die Kruste beim Brot zu dunkel ist“, fügt Fetzer hinzu. „Wenn ich sehe, in was für einem Wohlstand wir in Deutschland leben, wie sauber und ordentlich unser Land ist, dass wir seit mehr als 70 Jahren in Frieden leben – und kaum einer weiß das zu schätzen !“ Fetzer schüttelt den Kopf, wenn er diese Luxusprobleme anspricht.

Für die Soldaten der Lechfeldkaserne, in der in Spitzenzeiten mehr als 4000 Angehörige der Streitkräfte stationiert waren, ist der Volkstrauertag daher ein ganz besonderer Tag.

Zehn Kranzträger allein in Schwabstadl sind im Einsatz, Ehrenposten werden auch in Kleinaitingen, Graben und Klosterlechfeld aufgestellt. Und sie alle haben einen gemeinsamen Wunsch: Daran zu erinnern, dass auch heute noch Soldaten auf der ganzen Welt im Einsatz für den Frieden sind. Einem Einsatz, aus dem nicht alle Soldaten lebend wieder heimkehren werden.

Beginn der Gedenkfeier am Friedhof in Schwabstadl mit Kranzniederlegung ist am Sonntag, 19. November, um 14.30 Uhr.

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