Arztvortrag

03.12.2019

Wenn die Galle hochkommt

Fabian Kauper
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Fabian Kauper

Experten der Wertachkliniken informieren über erste Anzeichen für ein Gallenleiden und über Abhilfe

Erkrankungen der Gallenblase sind heimtückisch, denn man erkennt sie meist erst, wenn sie akut werden und große Schmerzen verursachen. Professor Dr. Andreas Weber, Chefarzt der Gastroenterologie, und Fabian Kauper, Funktionsoberarzt der Gastroenterologie, erklären, am morgigen Mittwoch, 4. Dezember, im nächsten öffentlichen Vortrag der Wertachkliniken, wie es dazu kommt und was man dagegen tun kann.

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Was genau ist die Galle?

Galle ist eine Flüssigkeit, die von der Leber produziert wird, um beispielsweise Fette im Darm zu verdauen. Die von der Leber produzierte Galle, die gerade nicht gebraucht wird, wird in der Gallenblase gespeichert. Über den Gallengang wird sie dann bei Bedarf, also zur Verdauung fettreicher Nahrung, in den Zwölffingerdarm geleitet. Allerdings wird bei rund 15 bis 20 Prozent der Deutschen in der Gallenblase nicht nur Galle gespeichert, sondern es werden auch Gallensteine gebildet, wobei Frauen zwei- bis dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Und das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.

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Was sind Gallensteine?

Gallensteine entstehen, wenn die Gallenflüssigkeit in ihrer Zusammensetzung gestört ist und verklumpt. Glücklicherweise verursachen sie meist keine Beschwerden. Aber rund ein Viertel aller Menschen mit Gallensteinen erleiden irgendwann, manchmal sogar mehrmals, eine sogenannte Gallenkolik. Die bei einer Kolik plötzlich auftretenden, rechtsseitigen Schmerzen im Oberbauch können rechtsseitig in Rücken, Schulter, Brust und Hals ausstrahlen und erreichen innerhalb von Minuten die Grenze des Erträglichen. In vielen Fällen kommt es außerdem noch zu Übelkeit, manchmal auch zu Erbrechen.

Was kann oder muss man dann tun?

Zunächst versucht man, die Kolik mit Schmerzmitteln in den Griff zu bekommen. Hält der Schmerz jedoch länger als fünf Stunden an, muss mit Komplikationen gerechnet werden. Diese können eine Entzündung der Gallenblase, der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse sein. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann man Gallensteine in der Gallenblase erkennen und lokalisieren. Zur Untersuchung der ableitenden Gallengänge empfiehlt sich eine endoskopische Ultraschalluntersuchung, also eine sogenannte Endosonografie. Werden bei dieser Untersuchung Gallensteine in den ableitenden Gallenwegen festgestellt, können sie mit- hilfe einer speziellen Endoskopie-Technik geborgen werden. Bei eingeklemmten Steinen in der Gallenblase und dadurch bedingen Koliken oder bei einer Entzündung der Gallenblase ist jedoch eine Operation angezeigt.

Wie kommt’s zur Gallenblasenentzündung?

Wenn der Abfluss der Gallenflüssigkeit blockiert ist, kommt es zu einer Druckerhöhung im Gewebe und in der Folge zur Anreicherung von Bakterien. Dies kann zu einer bakteriellen Entzündung der Gallenblase führen. Im Gegensatz zur Gallenkolik verursacht sie meist einen kontinuierlichen Schmerz, der durch Druck in den rechten Oberbauch verstärkt wird. Eine Gallenblasenentzündung wird, abhängig vom zeitlichen Verlauf, entweder antibiotisch therapiert, oder die Gallenblase muss operativ entfernt werden.

Welche Probleme können Gallensteine noch verursachen?

Neben der Kolik und der Entzündung kann ein eingeklemmter Gallenstein auch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse verursachen. Hierbei kommt es meist zur gürtelförmigen Bauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken.

Was kann man gegen die Entstehung von Gallensteinen tun?

Leider wird die Neigung zur Bildung von Gallensteinen vererbt, dagegen kann man also prophylaktisch nichts machen. Umso wichtiger ist es, die genannten Schmerzen als Symptome einer Gallensteinerkrankung, oder deren Komplikationen, ernst zu nehmen und frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. (SZ)

„Wenn die Galle hochkommt – erste Anzeichen für ein Gallenleiden?“ heißt ein Vortrag von Professor Dr. Andreas Weber und Fabian Kauper von den Wertachkliniken am Mittwoch, 4. Dezember, um 19.30 Uhr in der Singoldhalle Bobingen. Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei.

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