1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Wer hat Hunderte Europaletten aus Logistiklager gestohlen?

Prozess in Augsburg

21.11.2019

Wer hat Hunderte Europaletten aus Logistiklager gestohlen?

Mehr als 300 Europaletten soll ein Mitarbeiter eines Logistikzentrums in Graben gestohlen haben.
Bild: Benjamin Schwärzler (Symbolbild)

Aus einem Logistikzentrum in Graben werden eines nachmittags insgesamt 335 Paletten entwendet. Der Angeklagte streitet die Tat ab.

Ein richtig großes Ding ist im September des vergangenen Jahres in einem Logistikzentrum in Graben gedreht worden. Nun steht ein 37-jähriger Mitarbeiter vor Gericht, der die Tat allerdings vehement abstreitet. Das Diebesgut ist ungewöhnlich, handelt es sich doch um insgesamt 335 Europaletten, die während des laufenden Betriebs aus dem dortigen Firmengelände gestohlen wurden.

Europaletten sind aus der Logistik seit einigen Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken. Entwickelt wurden sie vor knapp 60 Jahren, um den Warenumschlag zu vereinfachen und zu beschleunigen. Schätzungsweise 500 Millionen Stück sind inzwischen weltweit im Umlauf. Das Gewicht einer Europalette hängt vom verwendeten Holz und von der Restfeuchtigkeit des Holzes ab. Fabrikneue 80 auf 120 Zentimeter große Paletten wiegen in der Regel zwischen 20 und 22 Kilogramm. Etwa 20 Minuten wird es gedauert haben, um die vom Lager gestohlenen 335 Paletten auf einen Lastwagen zu laden, schätzte ein Zeuge bei der Verhandlung am Augsburger Amtsgericht. Der entstandene Schaden beträgt rund 1700 Euro.

Mitarbeiter hat sich im Logistikzentrum in Graben "komisch und nervös" Verhalten

Und so soll der Diebstahl im September vergangenen Jahres abgelaufen sein: Am späten Sonntagnachmittag soll der Angeklagte – ein 37-jähriger Lagerist – einen Sattelschlepper samt Auflieger mit den Europaletten beladen haben. Gesehen wurde er bei dieser Tätigkeit von keinem der bisher vom Gericht vier gehörten Zeugen. Der Angeklagte habe sich aber an diesem Tag „komisch und nervös“ verhalten, sagte einer seiner Arbeitskollegen. Seiner Meinung nach komme nur der 37-Jährige für den Diebstahl in Betracht, da er ihn sonst nirgends angetroffen habe und der Angeklagte kurz nach der Tat aus der entsprechenden Lagerhalle herausgetreten sein soll.

Wer hat Hunderte Europaletten aus Logistiklager gestohlen?

Der Zeuge selbst verfolgte mit seinem Auto den mit den Paletten beladenen Lastwagen. Er habe zuvor eine Ladetätigkeit gehört, was zu dieser Zeit nicht vorkommen sollte. Außerdem seien in der Vergangenheit schon einmal Europaletten verschwunden. Wenige Kilometer vom Logistikzentrum entfernt, stoppte dann der verfolgte Lastwagen. Ein anderer Kollege übernahm bis zum Eintreffen der Polizei die Observierung.

Angeklagter beteuert seine Unschuld und will keine 4500 Euro zahlen

Der Lkw-Fahrer hat einen gegen ihn verhängten Strafbefehl bereits akzeptiert, der 37-jährige Lagerist hingegen möchte den Strafbefehl in Höhe von 4500 Euro (75 Tagessätze zu je 60 Euro) nicht hinnehmen. Er sei unschuldig, beteuerte der Mann. An diesem Tag sei er ungewöhnlich früh bei seinem Arbeitgeber eingetroffen, da es sein erster Arbeitstag nach einem längeren Urlaub gewesen sei. Er habe sich in der Umkleide umgezogen, war im Pausenraum und brachte seine schmutzige Wäsche zum Auto, deshalb haben ihn seine Kollegen nicht immer gesehen, erklärte der Angeklagte. Den Einspruch gegen den Strafbefehl wolle er keinesfalls zurückziehen, antwortete der 37-Jährige auf Nachfrage von Richterin Melanie Koch.

Die Verhandlung wurde nach mehr als zwei Stunden unterbrochen, da der wichtigste Zeuge – der Lastwagenfahrer – unentschuldigt dem Prozess fernblieb. Sie wird Anfang Dezember fortgesetzt.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren