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Schwabmünchen

22.10.2020

Wer ist der Mann hinter dem geplanten Bürgerbegehren in Schwabmünchen?

Josef Gegenfurtner aus Schwabmünchen sammelt Unterschriften für ein Bürgerbegehren, das sich gegen die aktuellen Schwimmbad-Pläne richtet.
Bild: Sammlung Gegenfurtner

Plus Josef Gegenfurtner will mit einem Bürgerbegehren die Pläne für ein neues Lehrschwimmbad in Schwabmünchen kippen. Was treibt ihn an?

Er kann es nicht ausstehen, wenn jemandem Unrecht geschieht: Das ist für den pensionierten Gymnasiallehrer Josef Gegenfurtner die Triebfeder, sich immer wieder einzumischen. Er eckt an. Dafür schlägt ihm auch Gegenwind ins Gesicht, wie die aktuelle Diskussion um das geplante Lehrschwimmbad zeigt.

Auf Facebook gibt es auch Kritik an Gegenfurtner. Der 70-Jährige stellt klar: "Ich will nicht ein Schwimmbad verhindern. Ich will aber auch nicht, dass andere Projekte deshalb hinten anstehen." Damit meint er den Bau eines neuen Kindergartens in der Stadt oder die Sanierung von Schulen. Für ihn ist die Investition in zweistelliger Millionenhöhe wegen der unklaren Steuereinnahmen für ein neues Bad zu hoch. Und überhaupt: "Was ist mit den Folgekosten", fragt Gegenfurtner. Es könne doch nicht sein, dass spätere Generationen dafür aufkommen müssen und ihr so viele Schulden aufgebürdet werden. Da ist sie wieder, die Triebfeder.

So könnte das neue Bad aussehen. Das Gebäude ist auf zwei Etagen geplant. Oben befindet sich der Badebereich. So kann von außen niemand den Schülern beim Schwimmen zuschauen.
Bild: studio GA, Gollwitzer

Das "Streben nach Gerechtigkeit", wie es Gegenfurtner bezeichnet, war 2016 erfolgreich. Schwabmünchen erhielt das SMÜ-Kennzeichen zurück.

Gegenfurtner hat schon für das alte SMÜ-Kennzeichen gekämpft

Gegenfurtner gehörte zur Initiative, die sich für das alte Autokennzeichen einsetzte. An der Spitze der Gruppe saß damals Ivo Moll, früherer SPD-Stadt- und Kreisrat und pensionierter Präsident des Verwaltungsgerichts Augsburg. Gegenfurtner hatte sich auch für einen Ersatz für defekten Biotonnen stark gemacht. 2017 rief er die "Bürgerinitiative kostenloser Austausch defekter Bio-Energie-Tonnen" ins Leben. Am Ende rückte der Landkreis von seinem Plan ab, Ersatztonnen nur gegen eine Gebühr von 60 Euro auszuliefern. Biotonnen wurden im Schadensfall kostenlos ausgetauscht. Damals bot der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises auch Workshops an, damit Tüftler daheim kaputte Tonnen selbst reparieren konnten.

Ein Jahr später gründete Gegenfurtner eine weitere Bürgerinitiative. Sie richtete sich gegen die Schließung der Geburtenstation an der Schwabmünchner Wertachklinik. Über 7000 Unterschriften kamen zusammen. Das Thema ist seitdem im Fokus, eine Entscheidung über eine Schließung steht noch aus.

Eigentlich wollte er in den Stadtrat

Vielleicht hätten Gegenfurtners Ambitionen mehr Durchschlagskraft, wenn er in die Politik gehen würde. So wie sein Vater, der in seiner Heimatstadt Bogen in Niederbayern CSU-Fraktionsvorsitzender war. Gegenfurtner, der früher Deutsch, Geschichte und Sozialkunde unterrichtete und sich in seiner Freizeit für Heimatgeschichte interessiert, wollte eigentlich mit einer eigenen Liste bei der jüngsten Stadtratswahl antreten. Doch dann machte ihm eine Herz-Operation einen Strich durch die Rechnung.

Der aktuelle Gegenwind mache ihm gesundheitlich nicht zu schaffen. Internetdiskussionen hält er für sinnlos, nerven- und zeitraubend. Gegenfurtner sagt: "Wir sind mehr für eine offene Auseinandersetzung. Das Thema ist ja sehr emotional angelegt." Er und seine Frau Waltraud, die ihn 2005 nach Schwabmünchen brachte, besitzen auch keine entsprechenden Handys oder Zugänge zu Diskussionsforen.

Anonymen Drohbrief erhalten

Womit Gegenfurtner aber ein Problem hat: Nach der Veröffentlichung eines Leserbriefes zur Flüchtlingsproblematik im überregionalen Teil unserer Zeitung erhielt er vor einigen Monaten einen anonymen Drohbrief. Unverblümt wurde ihm darin Gewalt angedroht. Gegenfurtner hatte deswegen den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt und zudem Anzeige bei der Polizei erstattet. "Am meisten stört mich die Feigheit, nur anonym stark zu sein. Mit meiner Anzeige will ich ein Zeichen setzen. Wir müssen gegen solche Leute mit allen rechtlichen Mitteln vorgehen", sagt er. Anonyme Schreiben mit Kritik des Verfassers habe er schön öfter bekommen, allerdings war Gewalt bislang nicht Inhalt solcher Briefe.

So soll das neue Hallenbad innen aussehen.
Bild: studio GA, Gollwitzer

Gegenfurtner wünscht sich einen fairen Austausch. Wer nicht sachlich argumentiere, sollte sich auch nicht einmischen. Er mische sich gerne ein, gesteht er. Er habe auch ein Bedürfnis, sich mitzuteilen. Denn: "Einer muss immer vorausgehen, vielleicht kommt dann ja jemand hinterher." Für seine Einstellung habe er immer wieder Zuspruch bekommen. Der habe ihn bestärkt.

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