1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. "Wer sich nichts gönnt, wird missgünstig"

29.01.2010

"Wer sich nichts gönnt, wird missgünstig"

Augsburg Nahezu 1000 Frauen aus dem Landkreis Augsburg verbrachten einen anregenden, geselligen Nachmittag beim Landfrauentag in der Augsburger Kongresshalle. Religionspädagoge und Buchautor Josef Epp aus Bad Grönenbach gelang es, mit seinem teils humorvollen, teils tiefsinnigen, aber realitätsnahen Referat die Bäuerinnen zu fesseln. Das Thema: "Achtsamkeit für die Quellen, aus denen wir leben".

Doch zunächst begrüßte Kreisbäuerin Anni Fries nach einer Darbietung des Landfrauenchors die Landfrauen und viele Ehrengäste, unter ihnen der Landrat-Vize Max Strehle, Augsburgs Bürgermeister Hermann Weber, der ehemalige Regierungspräsident Ludwig Schmid, Bauernverbands-Kreisobmann Gerhard Ringler, Landvolk-Seelsorger Rainer Remmele sowie einige Kreisräte und Vertreter von landwirtschaftlichen Verbänden. Ein Jahr der Ängste und Sorgen sei 2009 gewesen, "Sorgen um den katastrophalen Preisverfall für alle Produkte, die wir produzieren". Es gab aber auch gute Nachrichten, etwa die Diesel-Verbilligung oder den Wegfall der Doppelbesteuerung der Betriebsprämie. Doch angesichts des Erdbebens auf Haiti habe man "allen Grund, dankbar zu sein", sei man doch von Naturkatastrophen verschont geblieben.

Augsburgs Bürgermeister Weber betonte den Zusammenhalt von Stadt und Landkreis und würdigte die Leistung der Bäuerinnen. Zu den bekannten "drei Ks" als Aufgabenfeld hätten sich längst die "drei Bs, Bank, Behörden und Buchführung" hinzugesellt. "Die Landfrau ist zur Mitunternehmerin geworden", so Weber. Landrats-Vize Max Strehle betonte, gerade in Zeiten der Krise seien die bäuerlichen Tugenden wie Zuverlässigkeit, Menschlichkeit und Nachhaltigkeit besonders gefragt.

Vereinfacht ausgedrückt wollte Referent Josef Epp seinen Zuhörern auf unterhaltsame Art nahebringen, wie man sich vor Erschöpfung und "Burn out" schützt und ein erfülltes Leben führt. "Ich glaube zu spüren, welche Elite ich hier vor mir habe", sagte Epp den Bäuerinnen. Er ahne, welche Leistungen sie tagtäglich als Landwirtin, Hauswirtschafterin, Erzieherin und Altenpflegerin erbringen müssen. Von "Burn out" wird man bei den Bäuerinnen hingegen nichts hören. Aber Epp riet, "die Wohltaten des Lebens nicht bis zur Rente zu verschieben". Zeit für schöne Dinge habe man nur, wenn man sie sich nimmt, "denn Arbeit hat man immer. Wer sich selbst nichts gönnt, wird missgünstig". Kopfnicken bei den Landfrauen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Lehrer und Klinikseelsorger erzählte, dass er vor 16 Jahren zum Witwer und alleinerziehenden Vater von drei Kindern wurde. Umso authentischer wirkten seine Ratschläge, die nicht belehrend und theologisch daherkamen. Zur Frage "wie komme ich an die Quellen, aus denen ich Kraft schöpfen kann", sieht er zum einen die Bibel, die zur Achtsamkeit sich selbst gegenüber ermahnt.

Zum anderen plädierte er für die "Achtsamkeit für das Du", das Gespräch zwischen Partnern, Eheleuten und Freunden. "Informationen über die Kinder und das Auto austauschen ist kein Gespräch", sagte Epp. Die dritte Kraftquelle sei für ihn Gott, der bei der Sinnsuche im Leben eine beständigere Konstante sein kann als die Familie, die Partnerschaft oder der Beruf. Josef Epp: "Glaube gibt es gratis, man muss sich ihm nur zuwenden."

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren