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Landkreis Augsburg

09.09.2019

Werden schwarze Autos in der Sonne schneller heiß?

Der Volksmund sagt, schwarze Autos heizen sich in der prallen Sonne schneller auf als weiße Fahrzeuge. Doch was ist an dieser Behauptung wirklich dran?
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Sommermythen: Ob die Lackfarbe bei Hitze wirklich einen Einfluss hat, wird immer wieder heiß diskutiert.

Wenn das Auto längere Zeit in der prallen Sonne steht, ist die Hitze im Innenraum oft unerträglich. Der Volksmund bringt hier oft die Lackfarbe ins Spiel und behauptet: Schwarze Fahrzeuge werden schneller heiß als weiße. Fakt oder Fake?

Die Frage lässt sich relativ einfach beantworten. Verschiedene Tests von Autoexperten und Prüfgesellschaften haben ergeben, dass die Lackfarbe kaum einen Einfluss auf die Temperatur im Wageninnern hat. Sowohl im hellen als auch im dunklen Auto wird es, wenn die Sonne kräftig vom Himmel brennt, schon nach kurzer Zeit unangenehm heiß. Richtig ist zwar, dass der Innenraum eines schwarzen Gefährts mit zudem dunklen Sitzen schneller erwärmt. Der Temperaturunterschied, so die Tests, betragen aber nur wenige Grad mehr als im hellen Fahrzeug.

Fenster haben den größeren Einfluss

Mehr als die Lackierung trägt die Anordnung der Fensterflächen zur Erhitzung bei. Eine Reihe von Testergebnissen hat nämlich festgestellt: Je schräger und großflächiger die Fenster sind, desto mehr erwärmt sich ein Auto. Ein Grund, warum verschiedene Automobilhersteller ihre Fahrzeuge mit Wärmeschutzverglasung oder getönten Scheiben ausstatten.

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Anders sieht es bei der Hitzeentwicklung auf der Karosserie aus. „Versuchen Sie einmal Ihre Handfläche auf die Motorhaube eines in der prallen Sonne geparkten schwarzen Autos zu legen“, sagt der Geschäftsführer des Autohauses Königsbrunn, Manfred Melcher. „Es dauert nur kurz, bis Sie ,schmerzlich’ zu spüren bekommen, wie heiß sie ist. Teilweise so heiß, dass Sie, aber bitte nicht wörtlich nehmen, ein Ei darauf braten könnten.“

Das stehe im krassen Gegensatz zu einem weißen Fahrzeug, sagt Melcher weiter. „Hier ist es kein Problem, die Handfläche aufgelegt zu lassen, da sich die Temperaturen im absolut unkritischen Bereich bewegen.“ Es sei allerdings ein Irrtum zu glauben, dass Schwarz die Sonne mehr anzieht als Weiß, ergänzt der Königsbrunner Autoexperte.

Schwarz absorbiert mehr Strahlung

Jede Farbe, die der Sonne ungeschützt ausgesetzt ist, bekomme gleich viel davon ab. „Die elektromagnetische Strahlung der Sonne enthält Energie und je mehr Strahlung eine Farbe absorbieren kann, desto mehr Energie kann sie speichern“, verdeutlicht er. „Die stärkere Aufheizung der Karosserie hängt also damit zusammen, dass Schwarz viel mehr Strahlung absorbiert und dadurch auch mehr Energie speichert als Weiß.“ Unter den gleichen Testbedingungen werde deshalb die schwarze Karosserie wärmer als die weiße.

Das heißt: Für die Innentemperatur ist die Lackfarbe im Gegensatz zur äußeren Karosserie weit weniger von Bedeutung als weitläufig angenommen wird.

Für Michael Melcher dennoch eine klare Entscheidung: „Das weiße Fahrzeug hat für mich im automobilen Bereich einen ganz klaren Vorteil.“ Zudem sei Weiß sehr pflegeleicht und ohne Aufpreis zu haben. Dennoch räumt er ein: „So gegensätzlich diese beiden Farben sind, letztlich bleibt die Entscheidung immer eine Frage des Geschmacks, über den es sich nicht lohnt, zu diskutieren.“

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